Der untere Teil der Sperre Bunihus ist heute bepflanzt mit einheimischen Sträuchern. / Bild: Daniel Schweizer (sdl)
«In Stein gemeisselt» (3/5): Panzersperren waren Teil des Réduits im Zweiten Weltkrieg. Eine dieser Sperren durchquert das Mariental bei Flühli. Wozu dient sie heutzutage?
Seit 1908 liegt die Toblerone, die süsse Schoko-Verführung mit Honig, Mandel und Nougat, in den Verkaufsregalen der Detaillisten auf. Und seit dem Zweiten Weltkrieg durchziehen Panzersperren militärstrategisch wichtige Geländebereiche des schweizerischen Mittellands. Diese Geländepanzerhindernisse sind wegen ihrer Ähnlichkeit mit der erwähnten Schoggi auch unter dem Namen «Toblerone» bekannt.
Bestandteil der Réduit-Strategie
Neben Bunkern, Minen und Artillerie waren diese Sperren ein zentraler Bestandteil der Réduit-Strategie von General Henri Guisan im Zweiten Weltkrieg. Ziel war, den Verteidigungsschwerpunkt der Schweizer Armee in die Alpen zu verlegen. Den Kern des Réduits bildete ein Festungskomplex im Gotthard-Massiv. Die Sperren waren auf Hauptangriffsachsen ausgerichtet, um mechanisierte Truppen zu kanalisieren und zu bekämpfen. So auch
die Sperrstelle Bunihus bei Flühli. Diese Anlagen im nördlichen Teil des Marientals sollten einen feindlichen Vorstoss über den Brünigpass Richtung Gotthard verhindern. Hier, südlich von Flühli, sperrten rund 370 Mann die Ebene in Richtung Sörenberg-Glaubenbielen-Giswil. Dies berichten die Autoren des Inventars der Kampf- und Führungsbauten im Kanton Luzern. 1941 hätten die Bauarbeiten bei der Festung Felskopf durch zivile Unternehmen begonnen. Bei Bunihus habe man ein Barackendorf als Unterkunft für die Soldaten, welche die Betonhöcker produzierten, erstellt. Die Bauarbeiten seien 1944 mit Kosten von 3,3 Millionen Franken, davon 1,9 Millionen für Festungswerke, abgeschlossen worden. Die Anlagen wurden dann der Festungswacht-Kompanie 15 in Stans für den Unterhalt übergeben. Zusammen mit der dahinter liegenden Sperrstelle Hirsegg bildete diese in Flühli die stärkste Sperrstelle im Gebiet der 8. Division. Das nationale Interesse an «einer der schönsten Sperrstellen des gesamten Réduits» beruhe - immer gemäss den Autoren des Inventars - auf dem imposanten doppelreihigen Höckerhindernis quer durchs Tal.
Besitzer von 280 Drachenzähnen
Fabian Emmenegger ist Bauer, Skilehrer für Personen mit körperlicher Beeinträchtigung und Mitarbeiter des lokalen Golfclubs. Und er ist Besitzer von 280 Beton-Elementen - sogenannte «Drachenzähne» - der Panzersperre bei Bunihus. «Ich bin mit dieser Sperre aufgewachsen. Sie war ein toller Spielplatz. Das Ziel war, ohne zu fallen über die Blöcke zu springen.» Sie sei auch Arbeitsplatz gewesen. «Noch mit der Sense mussten wir Kinder zwischen den Drachenzähnen mähen. Das gab wertvolles Heu, bestes Futter.» Vor gut 15 Jahren habe er einen Teil der Sperre, die sich auf seinem Landwirtschaftsland befindet, von der Armee gekauft - zu einem symbolischen Preis. Der Bund wollte alles der Gemeinde übergeben. Diese habe sich jedoch nicht interessiert gezeigt. Den westlichen Teil der Sperre, zwischen den beiden Reihen, habe er selber mit einheimischen Sträuchern bepflanzt. Daraus seien wertvolle Biodiversitätsflächen entstanden. Den gegen Osten gelegenen Teil mähe er auch heute noch aus., erzählt Emmenegger: «Ich schätze die Ästhetik der ausgemähten Sperre. Sie ist für mich aber auch ein ganz spezieller Ort der Ruhe.» Und ja, auch andere wüssten die Eleganz dieses militärischen Bauwerks zu schätzen, meint er. So treffe er hier immer wieder militärhistorisch Interessierte, auch aus dem Ausland, an.