Seit Herbst 2025 wird beim Heimwesen Innergrat die Kraft des Windes genutzt. / Bild: Daniel Schweizer (sdl)
Escholzmatt: Auf dem Innergrat produziert eine Kleinwindanlage Strom für die Bergliegenschaft von Bernhard Riedweg. Bald soll auch sein Talbetrieb davon profitieren.
Der Fall ist klar. Auch für den Journalisten. Gegen das Design und die Eleganz des Windrads hat der unansehnliche Mast der 30-jährigen Mobilfunkantenne, wenige Meter oberhalb der Turbine, nichts zu melden. Hier oben auf 1140 Metern Höhe, auf dem Innergrat, bei der Bergliegenschaft der Familie Riedweg aus Escholzmatt. Und noch schöner, als kurz nach der Ankunft Mitte Vormittag die Rotorenblätter sich immer schneller zu drehen beginnen. Das kaum wahrnehmbare Surren ist Musik in den Ohren des Landwirts Bernhard Riedweg.
Sein Sohn gab den Anstoss
Seinen Talbetrieb Bodenmatte habe er massiv mit Photovoltaik aufgerüstet, berichtet Bernhard Riedweg. Aber Windstrom sei für ihn kein Thema gewesen - bis zur Abschlussarbeit seines Sohnes in dessen Ausbildung zum Landwirt. Dieser habe ihm in Form einer Studie ein pfannenfertiges Windenergieprojekt auf Innergrat geliefert. «Ich war aber anfangs ziemlich skeptisch, so dass das Projekt ein paar Jahre in der Schublade liegen blieb», gesteht Riedweg. Schliesslich habe er sich aber einen Ruck gegeben und die Realisierung aufgegleist. Wegen anfänglicher Schwierigkeiten mit dem Bewilligungsverfahren beim Kanton habe es von der Einreichung des Baugesuchs bis zur Inbetriebnahme gut zwei Jahre gedauert. Keine Einwände habe es betreffend Schutz von Vögeln und Fledermäusen gegeben. Das Gutachten einer Berner Fachstelle sei zu einem positiven Befund gekommen. Wie steht es um den Wind? Windmessungen seien keine durchgeführt worden, erklärt Bernhard Riedweg. Gemäss den vorhandenen Windkarten entsprächen die Windverhältnisse denjenigen auf Lutersarni bei Finsterwald. Dort wird bekanntlich seit 2013 Windstrom erzeugt.
Für bäuerlichen Eigenbedarf
Seit Mitte September 2025 liefert die Anlage Strom für die ganzjährig bewohnte Liegenschaft sowie für den Stall. Riedweg überwintert hier oben seine Rinder. Die Anlage mit einer totalen Höhe von 25 Metern befindet sich auf dem Hofareal und gilt somit als Anlage für bäuerlichen Eigenbedarf. Der Turbinenmast seinerseits weist eine Höhe von 17 Metern auf, die drei Flügel bilden einen Durchmesser von 16 Metern. Die Turbine erbringt eine Leistung von maximal 30 Kilowatt. Die Investitionskosten, berichtet der Landwirt weiter, beliefen sich auf rund 200'000 Franken. Von «Pronovo», der Schweizer Vollzugsstelle für die Förderprogramme des Bundes für erneuerbare Energien, erhalte er pro produzierte Kilowattstunde einen Beitrag. Der jährliche Service werde sein Sohn durchführen, sagt Riedweg. Dafür müsse dieser aber nicht schwindelfrei sein. Denn der Mast - ein Kippmast - könne mittels einer integrierten hydraulischen Anlage abgesenkt werden. Realisiert habe das Ganze die Firma New Green Tec aus Kloten. Sämtliche Komponenten stammten aus China. Ab Januar 2026 will Riedweg den zu viel produzierten Strom in seinem Talbetrieb Bodenmatte bei Escholzmatt nutzen. «Das passiert mittels eines sogenannten VZEV, also mit einem virtuellen Zusammenschluss zum Eigengebrauch, erklärt Bernhard Riedweg. Damit verbinde man mehrere Gebäude oder Parzellen über das öffentliche Netz – ohne direkte elektrische Leitung. Damit habe er auch in wind- oder sonnenarmen Zeiten eigene Energie. Mit dieser Lösung könne er zudem auf Batteriespeicher verzichten. Ein aussagekräftiges Fazit über die Effizienz der Anlage könne er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht ziehen. Dazu brauche er Daten über eine längere Periode. Er hoffe jedoch, die Anlage innert 20 Jahren amortisiert zu haben.