Er war Gemeindepräsident - und viel draussen

Er war Gemeindepräsident - und viel draussen
«Die Aussicht auf den Hohgant ist doch einfach schön», meint der abtretende Schangnauer Gemeindepräsident Beat Gerber. / Bild: Bruno Zürcher (zue)
Schangnau: Nach zehn Jahren hört Gemeindepräsident Beat Gerber auf. Der Gemeinde wird er weiterhin als Wegmeister treu bleiben. Beide Tätigkeiten seien durchaus vergleichbar, sagt er.

Wenn einer weiss, was die Parallelen zwischen der Arbeit als Wegmeister und der als Gemeindepräsident sind, dann Beat Gerber. Schon bevor er vor zehn Jahren das Präsidium von Schangnau antrat, kümmerte er sich im Gebiet Türli-Gemmi

um die dortige Strasse.


«Saubere Arbeit braucht Zeit»

«Es gibt vor allem zwei Dinge, die absolut vergleichbar sind», sagt Beat Gerber. «Wenn man die Arbeit sauber machen will, braucht man mehr Zeit und Energie, als zunächst angenommen.» Und das zweite? «Man kann es nicht allen recht machen.» Die einen seien froh, wenn man die Sträucher entlang der Strasse stutze, andere reklamierten, er hätte zu viel abgeschnitten, nennt er ein Beispiel. Die beiden Funktionen gemeinsam auszuüben hat Vorteile: Als Gemeindepräsident weiss Beat Gerber, wie die Arbeit draussen ist. «Für uns im Gemeinderat war zum Beispiel immer klar, dass wir viele Arbeiten mit gemieteten Traktoren ausführen, die eh vorhanden sind, statt dass die Gemeinde ein teures, zusätzliches Kommunalfahrzeug anschafft.» Die beiden Ämter hatten aber auch Konfliktpotenzial: «Als wir im Gemeinderat beschlossen, den Stundenlohn aller Gemeindearbeitenden von 25.00 auf 28.50 Franken zu erhöhen, wurde hinter vorgehaltener Hand schon gemunkelt, der Gemeindepräsident erhöhe sich selber den Lohn.» Insgesamt aber, berichtet Beat Gerber weiter, erhalte der Gemeinderat wenige Rückmeldungen - «solange es läuft.»


Gemeinde wuchs zusammen

Gerber erlebte als Gemeindepräsident auch intensive Zeiten, etwa nach der Überschwemmung im Kemmeriboden oder bei der Planung und dem Bau des Schulhauses Bumbach. «Das Schulhaus war schon vor meiner Zeit als Präsident angedacht», relativiert er. «Aber es dauert einfach sehr lange, bis ein solches Projekt dann wirklich realisiert werden kann.» Das neue Schulsystem, bei dem die 1.- bis 4.-Klässler in Bumbach und die Oberstufe im Dorf Schangnau unterrichtet wird, «hat auch dafür gesorgt, dass die Gemeinde weiter zusammengewachsen ist», sagt Gerber. Früher sei mehr in den drei Bezirken Wald, Tal und Bumbach - die auch im Wappen mit je einem Stern verewigt sind - gedacht worden. «Früher achtete man auch darauf, dass aus allen Gebieten Leute im Gemeinderat vertreten sind», berichtet Gerber weiter. Heute sei es generell schwierig, Leute für den Rat zu finden.


Keine Frauen im Rat

«Besonders schwer taten wir uns damit, Frauen für dieses Amt zu motivieren, was ich sehr schade finde.» So besteht der aktuelle wie auch der künftige Schangnauer Gemeinderat aus sieben Männern. «Der Gemeinderat hat stets als Team funktioniert. Das gegenseitige Vertrauen ist gross», lobt Gerber. Mit einer Finanzkompetenz von 100'000 Franken könne der Gemeinderat Schangnau etwas bewegen. Vieles laufe aber, von den Bürgerinnen und Bürgern verborgen, im Hintergrund ab. «Der Kanton gibt vor, die Gemeinde muss umsetzen», erklärt der Präsident. Um immer im Bild zu sein und die Pendenzen abarbeiten zu können, hat er sich stets den Dienstag sowie den Freitagvormittag für das Präsidium reserviert. Heute, an einem der letzten Tage im Büro des Schangnauer Gemeindepräsidenten, liegt ein Stapel Papier auf dem Schreibtisch. «Mit der Neuvermessung der Gemeinde müssen die Flurnamen kontrolliert werden. Auch das muss jemand machen», erklärt Gerber. Vieles müsse er aber nicht mehr erledigen, meint er zufrieden.


Aussicht und Begegnungen

Was wird ihm besonders fehlen? «Die Aussicht vom Büro», sagt Beat Gerber spontan und reisst das Fenster auf. «Der Hohgant ist doch einfach schön. Und von daheim sehe ich leider nur den halben Berg.» Spass beiseite, was ihm vor allem fehlen werde, seien die vielen Begegnungen mit Menschen, die er ohne das Amt des Gemeindepräsidenten nie kennengelernt hätte. Er sehne sich aber auch nach etwas mehr Freiheit und Freizeit. «Die Arbeit als Gemeindepräsident, als Wegmeister und auf dem Arche-Hof war zeitweise schon sehr streng.» Für den 62-Jährigen steht mit dem Jahreswechsel auch ein grosser Wechsel in seinem Leben an: Nebst dem Amt übergibt er auch den Bauernhof. «Ich habe in den letzten Jahren vieles hinausgeschoben. Wir waren nie in den Ferien», berichtet Gerber. Künftig werde seine Frau, Kathrin, mehr auswärts arbeiten. «Langweilig wird es mir aber sicher nicht», meint Gerber. «Auf dem Hof gibt es immer etwas zu tun.» Und dann wird sich Beat Gerber bemühen, es als Wegmeister allen recht zu machen. «Die Strassen sind so etwas wie das Aushängeschild. Wenn sie gut in Schuss sind, ist wohl auch die Gemeinde gut in Schuss.»

31.12.2025 :: Bruno Zürcher (zue)