Obwohl sie mit der Gemeindepolitik aufhören, kommen sie sofort ins Diskutieren: Nazim Rexhepi, SP, und Jürg Gerber, SVP (rechts). / Bild: Bruno Zürcher (zue)
Langnau: Nazim Rexhepi stammt aus dem Kosovo – Jürg Gerber ist ein Ur-Langnauer. Der eine politisiert für die SP, der andere für die SVP. Beiden liegt die Gemeinde Langnau am Herzen.
«Ich wollte eigentlich gar nie in die Politik», meint Jürg Gerber und lächelt verschmitzt. «Aber dann hat mich die SVP angefragt und ich habe mich aufstellen lassen.» Das Resultat: Jürg Gerber amtete während zwölf Jahren im Langnauer Gemeindeparlament und anschliessend noch einmal zwölf Jahre im neunköpfigen Gemeinderat. Aufgewachsen ist er in Hauetershaus in der Gohl, bildete sich später zum Landwirt aus und übernahm dann 1990 das Heimet der Eltern. «Und nun bin ich im Unruhestand», wie es Jürg Gerber beschreibt.
Politikerfahrung aus dem Kosovo
Nazim Rexhepi hingegen interessierte sich bereits mit 16 Jahren für Politik. Im Kosovo, wo er aufgewachsen ist, engagierte er sich für die Demokratische Partei. «Als ich 22 Jahre alt war, kam ich mit meinem Bruder, Ekrem, in die Schweiz», berichtet er. Obwohl er Wirtschaft studiert hatte, arbeitete er als Bauarbeiter. «Das war die einzige Möglichkeit, hier einen Job zu bekommen.» Für Rexhepi – der allen Balkan-Sprachen sowie des Kyrillischen mächtig ist – war klar, dass er möglichst rasch Deutsch lernen will. Er versteht Mundart, spricht mit einem leichten Akzent – und kennt das hiesige Politsystem bestens. «Ich hatte ein Ziel: Zu zeigen, dass auch Leute mit Migrationshintergrund in der Politik etwas bewegen können», sagt er. «Das habe ich erreicht.»
Nazim Rexhepi war nicht der Lauteste im Gemeindeparlament. «Ich habe nur eine einzige Motion eingereicht», berichtet der Gewerkschaftssekretär, der auch in Kommissionen war. Die Motion drehte sich um Stimm- und Wahlrecht für Menschen mit Ausweis C. Dieses konnte damals nicht eingeführt werden, weil die gesetzlichen Bestimmungen auf kantonaler Ebene nicht gegeben waren.
Blick in anderen Kanton
Mit der kantonalen Ebene in Berührung kam auch Jürg Gerber immer wieder, vor allem als Gemeinderat. Dort betreute Gerber während zwölf Jahren das Ressort «Umwelt/Ver- und Entsorgung», was ihm «gut lag», wie er sagt. «Beim Abwasser war besonders interessant, dass das Gebiet der ARA Langnau mit der Gemeinde Escholzmatt-Marbach bis in den Kanton Luzern reicht», erklärt er. «Da merkte man zum Teil, das die Kantone dieselben eidgenössischen Gesetze unterschiedlich auslegen.» Ein grosses Projekt, das Jürg Gerber von A bis Z begleitet hat, ist die Verlegung der Grundwasserfassung Grauenstein. «Das Ganze dauerte zehn Jahre», berichtet der Gemeinderat. «Und das, obwohl sich niemand gegen das Bauvorhaben wehrte. Wir mussten immer wieder neue Unterlagen nachliefern, was schon sehr mühsam war.»
Wie weiter mit der Badi?
Ein ebenso langwieriges Projekt ist die Zukunft der Badi in Langnau. Vorprojekte für eine Sanierung und, auf Druck des Parlaments, auch für einen Neubau sind ausgearbeitet worden, die Kosten bei beiden Varianten hoch. «Die Gemeinde alleine kann sich das nicht leisten», hält Jürg Gerber fest. Auch Nazim Rexhepi, der 1989 als Bauarbeiter bei der damaligen Sanierung der Badi im Einsatz stand, sieht die Finanzen als grosse Knacknuss bei diesem Vorhaben. «Die Langnauer Badi war im Kanton die erste mit einem Hallen- und Freibad. Vielleicht ist sie die erste mit einem öffentlichen und einem privaten Teil», meint Rexhepi. «Warum nicht den Raum über dem Hallenbad einem privaten Investor zur Verfügung stellen? Dadurch können die Gesamtkosten gesenkt werden.»
Obwohl Nazim Rexhepi der SP und Jürg Gerber der SVP angehört, bricht in dem Interview nicht der grosse Disput aus. Das liege aber nicht daran, dass sie per Ende Jahr zurücktreten würden. «Das ist Kommunalpolitik. Wir wollen beide die Gemeinde weiterbringen», betont Rexhepi und Gerber nickt zustimmend. «Der Spielraum der Gemeinde ist dabei sehr begrenzt, das begreifen die Leute oft nicht», hat Jürg Geber die Erfahrung gemacht. Daher leuchte die Parteizugehörigkeit in den Debatten nur ab und zu durch – und im Anschluss an die Parlamentssitzungen könnten alle «zäme es Bier näh».