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Wenn die Kuh im Güllenloch landet

Wenn die Kuh im Güllenloch landet
«Guet, lüpfe.» Am Ende der Übung kann die Kuh aus der Grube gehievt werden. / Bild: hol
Eggiwil: Die Gruppe für Grosstierrettung der Feuerwehr Eggiwil probte den Ernstfall. Im Mittelpunkt der Übung stand eine verunfallte Kunststoffkuh im Güllenloch.

Feuerwehren sind rund um die Uhr in Alarmbereitschaft, um in Not geratene Menschen und deren Eigentum zu retten. Was geschieht, wenn Tiere auf Bauernhö-fen in schwierige und lebensbedrohliche Situationen geraten? Ein solcher Alarm wird von der Einsatzzentrale Bern an einen Sonderstützpunkt für Grosstierrettungen (SSP GTR) weitergeleitet. Einer dieser Stützpunkte befindet sich seit Anfang letzten Jahres bei der Feuerwehr Eggiwil.

«Um eine tierschutzgerechte und der Arbeitssicherheit entsprechende Grosstierrettung ausführen zu können, bedingt es einen minimalen Standard an Ausbildung und Ausrüstung», schreibt das Feuerwehrinspektorat des Kantons Bern in einem Merkblatt zu solchen Rettungen. Aufgrund dieser Vorgaben hat der Eggiwiler Feuerwehrkommandant Beat Peter die Gruppe GTR Eggiwil zu einer realitätsgetreuen Nachtübung aufgeboten. Zum ersten Einsatz kam dabei auch das neue Fahrzeug der Feuerwehr für Grosstierrettungen.


Eingespielte Mannschaft

Eine Kuh aus Kunststoff steckt im Wasser einer Sickergrube fest, in der Realität eine nicht seltene Situation von lebenden Tieren im Zusammenhang mit Güllegruben. Das war die Ausgangslage, welche die 16 Männer der GTR Eggiwil unter Leitung des stellvertretenden Kommandanten Ueli Liechti bei der Übung antrafen. Nach einer kurzen Einschätzung des Geschehens lief bei der eingespielten Rettungsgruppe alles wie am Schnürchen. Die Grube wurde abgesperrt, eine Beleuchtung eingerichtet, das Gebläse zur Entfernung der giftigen Gase in Betrieb genommen und bald standen zwei Männer in wasserdichten Schutzanzügen im hüfttiefen Wasser in der Grube.

Diese Situation sei nicht immer einfach und ungefährlich, erklärte der anwesende Tierarzt Samuel Balmer. In Not geratene Tiere könnten oft unberechenbar reagieren und müssten im Notfall mit Medikamenten beruhigt werden. In fachkundiger und eingeübter Zusammenarbeit wurde das «Tier» mit einem Rettungsnetz gesichert und an einem Frontlader aus der misslichen Situation befreit. Bei dieser Übung habe man sich für ein Horizontalnetz entschieden, das heisst, das Tier werde nach der Rettung auf allen vier Beinen gleichzeitig auf dem sicheren Boden abgestellt, erklärte Liechti. Eine Variante dazu sei das Vertikalnetz, in welchem das Tier mit den Vorderbeinen voran aus engen Öffnungen gezogen werde. Bei einer entsprechenden Übung mit einem Kunststoffpferd konnte auch dieses Übungsobjekt mit dem Frontlader aus der Grube gerettet werden.


Im ganzen Emmental im Einsatz

Zur Sicherstellung einer flächendeckenden und tierschutzgerechten Rettung hat die Gebäudeversicherung Bern (GVB) sieben Feuerwehren als Sonderstützpunkte für Grosstierrettungen im Kanton Bern bestimmt. Die speziell ausgebildete Gruppe ist für Hilfseinsätze in den Gebieten von sieben Feuerwehren im Oberemmental zuständig. «Ein Rettungseinsatz der GTR Eggiwil läuft nach einem eingespielten Schema ab», erklärte Ueli Liechti. «Die alarmierten Mitglieder der GTR rüsten sich im Magazin zum Rettungseinsatz aus. Um den Tieren keinen unnötigen Stress zuzuführen, rücken vorerst nur vier bis fünf Retter aus. Der zuerst eingetroffe­ne Offizier übernimmt die Einsatzleitung, in späterer Zusammenarbeit mit der zuständigen Ortsfeuerwehr sowie einem vorschrifts­gemäss anwesenden Tier­arzt.»

Im Kanton Bern werden jedes Jahr um die 50 Grosstiere durch die Feuerwehr aus Notlagen gerettet. Darunter fallen Huftiere, Rindvieh, Schweine, Schafe, Ziegen und andere Grosstiere. Sieben dieser Rettungen konnten im laufenden Jahr von der Equipe aus Eggiwil zu einem erfolgreichen Ende gebracht werden. Zum wohl glücklichsten Einsatz zählte die erfolgreiche Rettung eines frisch geborenen Kälbchens aus einem Abwasserrohr, welchem am Weihnachtstag 2024 nach unermüdlichem Einsatz der Rettungskräfte ein neues Leben geschenkt werden konnte. «Solche und ähnliche Tierrettungen sind nicht zuletzt der guten Zusammenarbeit mit den Ortsfeuerwehren und anwesenden Tierärzten zu verdanken», betont Ueli Liechti.

11.12.2025 :: hol