Eine Bärenmutter aus Stalden

Eine Bärenmutter aus Stalden
Das Erscheinungsbild der Bärenmarke-Produkte hat sich im Lauf der Zeit verändert. / Bild: zvg
Konolfingen: 1892 wurde in Stalden bei Konolfingen die Berneralpen-Milchgesellschaft gegründet. Aus dieser ging nicht nur die bis heute in Deutschland bekannte Bärenmarke hervor, sondern auch ein Schweizer Dessert mit Kultstatus: die Stalden-Creme.

Die Bärenmarke gehört in Deutschland zu den bekanntesten Markennamen für Milchprodukte. Sie erreicht einen Bekanntheitsgrad von 96 Prozent. In den Schweizer Verkaufsregalen findet man die Produkte der Bärenmarke bereits seit über 50 Jahren nicht mehr, obwohl der Bär, der das Logo ziert, ursprünglich aus dem Emmental stammt.

1892 wurde in Stalden bei Konolfingen die Berneralpen-Milchgesellschaft (BAMG) gegründet. die 1971 schliesslich in den Besitz von Nestlé überging. Noch im Gründungsjahr führte der Milchverarbeitungsbetrieb das Logo mit einer Berner Bärenmutter ein, die ihr Jungtier mit der Milchflasche füttert. 1905 errichtete die BAMG im süddeutschen Biessenhofen eine Zweigniederlassung für die Produktion von Milchpulver und Kondensmilch. Im Folgejahr wurde die Kondensmilch Bärenmarke für den deutschen Markt dann ausschliesslich im Allgäu produziert. Zudem kam es zu Produkteerweiterungen der Bärenmarke mit Schokolade und Kakao. Die BAMG liess 1905 beim Schweizer Markenamt die Schokoladenmarke Alpursa eintragen, welche jedoch nur in der Zweigniederlassung Biessenhofen produziert wurde. 1917 entstand aus der BAMG-Zweigniederlassung schliesslich die eigenständige Alpursa AG mit Sitz in München. 1931 wurde sie in die Allgäuer Alpenmilch AG umgewandelt.


Stalden-Creme kommt zu ihrem Namen

Während der Weltwirtschaftskrise zu Beginn der 1930er-Jahre war die stark exportorientiere BAMG in Stalden schlecht ausgelastet. Sie entschied sich deshalb für eine Diversifikation und begann 1933 mit der Produktion von Gemüse- und Fruchtkonserven. Dafür musste ein neues Markenzei-chen her – die Bärenmutter mit der Milchflasche eignete sich nicht für Dosen-Bohnen. Da es damals in der Schweiz üblich war, dass der Name einer Konservenfabrik dem Produktionsstandort gleichgestellt ist – zum Beispiel Bischofszell, Lenzburg, Saxon, St. Gallen – lag es auf der Hand, die neuen Produkte mit der Marke Stalden zu bezeichnen. So wurde die Bildmarke Stalden 1938 beim Markenamt eingetragen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt erhielt auch die bereits 1903 von der BAMG eingeführte Schokoladencreme anstelle der Bezeichnung B.A.C (Berner Alpenmilch Chocolate) die Aufschrift Stalden.


In der Schweiz verschwindet der Bär

1961 liess die BAMG ein modifiziertes Logo eintragen. Die Bärenmutter glich nun eher einem Teddy- als einem Berner-Bären. Das abgeänderte Logo wurde jedoch nur von der Tochtergesellschaft in Biessenhofen für den deutschen Markt angewendet. Bereits ab 1963 verzichtete die BAMG bei der Einführung von neuen Produkten für den Schweizer Markt auf das traditionelle Bärenlogo aus dem Jahr 1892. Seit 1965 fehlt das Logo auch auf den Dosen der Dessertcremen. Wie es der Zufall wollte, katapultierte 1966 ein Sturm das grosse Bärenlogo vom Dach der Fabrik in Konolfingen. Die auf dem Bahnhofplatz gelandete Reklame wurde nicht mehr aufgebaut. 1967 entschloss sich die BAMG zu einem modernen Auftritt ohne das Bärenlogo. Als seit 1970 auch auf den Kondensmilch-Produkten für den Schweizer Markt das Logo verschwand, ist die Bärenmarke in der Schweiz Geschichte.


Schokoladengeschäft wird aufgegeben

Ganz anders in Deutschland: In den 1960er-Jahren wurde die Bärenmarke mit dem neuen Logo in TV-Spots und Inseraten in Zeitschriften aufwendig vermarktet. Die Bärenmarke-Produkte werden heute von der Firma Hochwald Foods GmbH in Deutschland produziert, der auch die Markenrechte gehören.

Und was geschah mit der Alpursa-Schokolade der BAMG? Durch die Hyperinflation und die hohe Arbeitslosigkeit in den 1920er-Jahren in Deutschland entstand eine Überkapazität in der Schokoladenproduktion. Ab 1927 arbeitete die Schokoladenabteilung der BAMG in Biessenhofen defizitär, so dass im Jahr 1930 entschieden wurde, das Schokoladengeschäft aufzugeben. Die Produktion und Markenrechte gingen an Suchard – im Gegenzug durfte die BAMG das Milchpulver ab dem Werk Biessenhofen für die Suchard-Fabriken in Lörrach und Bludenz für die Produktion der erfolgreichen Milka-Schokolade liefern. Der technische Leiter der Schokoladenabteilung in Biessenhofen, der Berner Werner Ellenberger, fand eine Stelle bei der Migros: Gottlieb Duttweiler konnte ihn im Jahre 1930 für den Aufbau der eigenen Schokoladenfabrik Jonatal AG (JOWA) in Wald ZH gewinnen. Später wurde Ellenberger Chef über alle Produktionsbetriebe der Migros (im Jahr 1951 mit 1250 Mitarbeitern). Die JOWA entwickelte sich zur grössten Schokoladenfabrik der Schweiz (heute Delica AG, mit der Schokoladenmarke Frey).


Standortwechsel und neue Besitzer

Somit bleibt von der einstigen BAMG-Produktion nur noch die Stalden-Creme übrig. Diese wird seit 2021 nicht mehr im Ortsteil Stalden in Konolfingen produziert, sondern im Fürstentum Lichtenstein für die Glarner Firma Guma AG Bilten. Der Markenname Stalden wurde deswegen aber nicht durch Bilten ersetzt – die meisten Konsumenten düften den Standortwechsel wohl kaum mitbekommen haben. Der Ramseier-Apfelsaft kommt schliesslich auch nicht mehr aus Ramsei im Emmental, sondern aus dem luzernischen Sursee. Und doch sind die beiden Berner-Bären auf dem Ramseier-Logo erhalten geblieben.

28.08.2025 :: Urs Berger