Jasmin Gäumann ist die neue Schwingerkönigin

Jasmin Gäumann ist die neue Schwingerkönigin
Jasmin Gäumann mit dem goldenen Kranz für die Königin. / Bild: Martin Burri (mbu)
Schwingen: Dieser Titel war überfällig: Jasmin Gäumann verteidigt ihren Vorsprung in der Jahreswertung und holt sich in Huttwil zum ersten Mal den Titel der Schwingerkönigin.

Die 25-jährige Jasmin Gäumann aus Häutligen klassierte sich in der Jahreswertung in den letzten drei Jahren drei Mal auf dem Podest. Nach einen dritten Rang 2022 verpasste sie den Titel in den Jahren 2023 und 2024 als sie sich auf Platz 2 klassierte. In dieser Saison sichert sich Gäumann den ersten Platz in der Jahreswertung trotz eines nicht optimalen letzten Wettkampfs in Huttwil. Sie gewinnt den Königstitel mit dem Total von 516,75 Punkten vor Titelverteidigerin Isabel Egli (515,50) und Eveline Linggi mit 513,50 Punkten. Deborah Beer aus Eggiwil belegt mit 500,50 Punkten den neunten Rang.

Weil die beiden Verfolgerinnen, Egli und Linggi, bereits im ersten Gang stellten, blieb Jasmin Gäumann für die beiden uneinholbar. Titelverteidigerin Isabel Egli war sich der Situation nach dem ersten Gang noch nicht wirklich bewusst und glaubte deshalb weiter an das Wunder. Erst nach dem vierten Gang sei ihr richtig klar geworden, dass es diesmal nicht reichen würde, erklärte sie.


45 Kränze und 16 Festsiege

In dieser Saison feierte Jasmin Gäumann vier Festsiege und holte sich zehn Kränze. In ihrer Karriere hat die Emmentalerin, die seit 2016 bei den Aktiven stets vorne mitschwingt, 42 Kränze und 16 Festsiege gesammelt. Im letzten Wettkampf am Eidgenössischen Frauen- und Meitlischwinget in Huttwil blieb die frischgebackene Königin zwar unter ihren Erwartungen: Rang 6a mit 55,75 Punkten. Auf ihrem Notenblatt standen drei Siege, ein Gestellter und zwei verlorene Gänge gegen Yolanda Foulk und Vroni  Brun – das war sicher nicht das, was sich die Schwingerin vorgenommen hatte. «Es ist noch nichts verloren und noch alles offen. Ich habe zu wenig aufgepasst und ‹bi driglaueret›», so der Kommentar Gäumanns nach unterlegenem Anschwingen. Am Ende ging der Wunsch von Mutter Elisabeth trotz all dem in Erfüllung. «Ich hoffe, dass es ihr endlich einmal reicht. Sie wurde so oft Zweite, sie hätte es verdient.»


Bescheidenheit im Frauenschwingen

Auf dem Schwingplatz beim Hof Oberbühl in Huttwil herrschte Bescheidenheit. Drei Sägemehlringe in der «Hoschtet» hinter dem Bauernhof, eine kleine Festwirtschaft im Zelt und auf der Bühne des Bauernhauses, Holzbänke als Tribüne, schattenspendende Klubzelte rund um die Ringe und eine Tiertränke als Brunnen zur Erfrischung der 144 Schwingerinnen, bieten einen einfachen Rahmen. Nebst den gut 700 Zuschauerinnen und Zuschauer, darunter viele Familienangehörige der Schwingerinnen sowie einige ehemalige und aktive männliche Schwingergrössen, sieht man auch Kühe, die am Rande des Festplatzes als interessierte Beobachterinnen des Tuns in der «Arena» fliegengeplagt auf sich aufmerksam machen. Am kommenden Wochenende am «Eidgenössischen» der Männer in Mollis wird alles um einige Nummern grösser sein.


Weitere Bilder des Frauen-Schwingfestes in Huttwil.

«Für mich ist die Erleichterung gross»

Jasmin Gäumann, herzliche Gratulation zum Königinnentitel. Gab es am Sonntag noch ein Fest?

Ja, wir haben schon noch etwas gefeiert. Doch gegen Mitternacht war ich im Bett.


Mit welcher Zielsetzung sind Sie in die Saison gestartet?

Ich habe gewusst, dass ich konstant gute Leistungen bringen und ganz vorne mitschwingen kann. Dies war mein Ziel für diese Saison. Ich habe Fest für Fest genommen und mein Bestes gegeben.


Mit dem Vorsprung von 2,5 Punkten wollten Sie den Wettkampf in Huttwil gleich angehen wie jedes andere Fest. Etwas nervöser waren Sie aber schon?

Ja, ich habe gedacht, ich hätte meine Nerven im Griff. Vor dem ersten Gang war sicher Nervosität da und am Ende hatte ich in Huttwil nicht meinen besten Tag.


Wie war Ihr Gefühl am Morgen?

Ich war sicher aufgeregt. Ich hatte aber ein gutes Gefühl und war fit.


Nach drei Podestplätzen in den Jahreswertungen in den letzten drei Jahren, war dieser Titel überfällig.

Ja, für mich ist die Erleichterung gross. Endlich habe ich es geschafft. Hätte es nicht gereicht, wäre ich sicher enttäuscht gewesen, aber die Welt wäre nicht untergegangen.


Was bedeutet der Titel für Sie, oder anders gefragt, was wird er verändern?

Ist eine gute Frage! Ich glaube nicht, dass es grosse Veränderungen geben wird. Es kann sicher vermehrte Medientermine geben und, ich hoffe natürlich, dass sich ein Sponsor melden wird.


Wie sieht Ihre Zukunft im Schwingsport aus, was sind die nächsten Ziele?

Ich werde Jahr für Jahr nehmen und schauen, wie sich meine Gesundheit entwickelt. Ich hatte ja bereits einige Knieverletzungen.


Kann man das Eidgenössische der Frauen mit jenem der Männer vergleichen?

Nein überhaupt nicht. Ich freue mich für die Männer, dass sie einen so grossen Event erleben dürfen. Ich werde auch als Zuschauerin anwesend sein. Es wäre aber schön, wenn wir Frauen auch mehr Aufmerksamkeit bekämen.


Wenn Sie einen Wunsch frei hätten zugunsten des Frauenschwingens: Wie würde dieser lauten?

Mehr Akzeptanz.

28.08.2025 :: Martin Burri (mbu)