Wird der positive Trend anhalten?

Wird der positive Trend anhalten?
Bild: wz
SCL Tigers: Im grossen Bild der letzten drei Jahre ist gut zu erkennen, welche Fortschritte die Langnauer unter der neuen sportlichen Führung gemacht haben.

Der Eishockey-Alltag wird von Saison zu Saison intensiver. Es besteht die Gefahr, dass deswegen der Blick auf das grosse Bild verloren geht. Im Falle der SCL Tigers lohnt es sich aber besonders, die drei letzten Jahre als Ganzes genauer unter die Lupe zu nehmen. Es scheint fast so, als hätten Sportchef Pascal Müller und das gesamte Coachingteam im Sommer 2022 einen kleinen Stein in einen ruhigen See geworfen und die dadurch entstandenen Wellen hätten immer grössere Kreise gezogen. Es waren Wellen der positiven Entwicklung, die vor drei Jahren nur kühne Optimisten den SCL Tigers zugetraut haben. Aber die Emmentaler belehrten sehr viele Experten oder solche, die es sein möchten, eines Besseren.


Abstiegsangst – Playoff-Freude

Die SCL Tigers sind vom Abstiegskandidaten zum Playoffteilnehmer aufgestiegen. Zu einer Mannschaft, die spätestens seit der letzten Saison von der ganzen National League respektiert und deren  Entwicklung von der Eishockey-Schweiz gespannt verfolgt wird.

Wie war es überhaupt möglich, sich innerhalb von nur drei Jahren um 15 Punkte (von 60 auf 75) zu steigern? Zum Vergleich: Seit der Saison 2022/23 gelangen nur Lausanne mit einem Plus von 26 Punkten und dem SC Bern mit plus 17 Punkten noch grössere Verbesserungen als den SCL Tigers. Deren Coachingteam hat das Eishockey keineswegs neu erfunden, im Gegenteil. Es hat das bewährte Prinzip «defense first» (Verteidigung zuerst) gefördert und Schritt für Schritt verbessert.


Gegentore

Die Anzahl gegnerischer Treffer konnte bei jeweils 52 Spielen von 167 (Durchschnitt 3,21) über 159 (3,06) massiv auf 126 (2,42) gesenkt werden. Das grösste Verdienst an der Verbesserung um 41 Gegentore hatte mit seiner überragenden Saison Goalie Stéphane Charlin. Noch weniger Gegentore als die SCL Tigers, nämlich 121, kassierte letzte Saison nur gerade Meister ZSC Lions mit dem ebenfalls konstant auf hohem Niveau spielenden Simon Hrubec im Tor.


Strafen

Dass man hart, aber dennoch im Rahmen der Regeln erfolgreich spielen kann, haben die SCL Tigers letzte Saison bewiesen. Mit 330 Minuten waren sie die am wenigsten bestrafte Mannschaft der Liga. Kein Vergleich zu den zwei vorangegangenen Qualifikationen mit 528 beziehungsweise 478 Strafminuten und dementsprechend grösserer Belastung für die besten Unterzahlspieler und Teamleader.


Unterzahlspiel: Die SCL Tigers waren letzte Saison die erfolgreichsten Penaltykiller. Platz 1 mit nur 16 Gegentoren und einer Erfolgsquote von 87,5 Prozent. An diesem Spitzenwert entscheidend beteiligt war wiederum Torhüter Charlin. Aber auch die verbesserte Organisation unter den vier Boxplay-Spielern, deren Einsatzbereitschaft und ihr Positionsspiel, machten es den gegnerischen Powerplayblöcken schwer, sich in eine erfolgversprechende Abschlussposition zu kombinieren.


Spiel 5 gege 5

Mit einem Torverhältnis von 101:107 (minus 6) bei gleich vielen Spielern auf dem Eis befanden sich die Langnauer in unmittelbarer Nähe des Ligadurchschnittes von 107:107. Vorletzte Saison sah dieser Wert mit minus 36 (87:123) noch ganz anders aus. Grund der Steigerung; wesentlich mehr Spielminuten bei Vollbestand dank weniger Strafen und weniger Unterzahlsituationen. Fünf gegen fünf ist die mit Abstand häufigste Spielsituation und mit jeder Minute bei Vollbestand steigen die Erfolgschancen der Langnauer.


Fazit

Weniger Gegentore und Strafen, ein verbessertes Unterzahlspiel und eine stabilere Spielweise bei 5 gegen 5 – das Prinzip «defense first» war der Schlüssel zu den Fortschritten der SCL Tigers in den vergangenen drei Jahren. Und das wird sich in der vierten Saison unter der sportlichen Führung mit Sportchef Pascal Müller und Headcoach Thierry Paterlini wohl kaum ändern.

28.08.2025 :: Werner Haller (whz)