Sarah Baumgartner hat die Lehre mit der besten Prüfung schweizweit abgeschlossen. / Bild: Karin Rohrer (krr)
Bärau: Die Sattlerei Althaus ist das einzige Unternehmen im Kanton Bern, das noch Sättel von A bis Z selbst herstellt. Als Lehrbetrieb wird hier eine einzigartige Ausbildung angeboten.
Christoph Althaus ist auf Sättel spezialisiert und beschäftigt zusammen mit seiner Ehefrau eine Angestellte und eine Lernende in seinem Betrieb. Die Zukunft des Handwerks sei schwierig abzuschätzen, meint er. «Bei den Reitenden gab es in den letzten Jahren viele, die neu eingestiegen sind. Auch das Verständnis und der Bezug zum Pferd haben sich verändert.» Er weist auch auf die Problematik bei der Materialbeschaffung, der Infrastruktur und den gestiegenen Verwaltungsaufwand für ihn als Klein-Gewerbler hin.
Die Form muss beiden passen
Der 49-Jährige hat Kundschaft in der ganzen Schweiz und rund 100 Sättel entstehen hier pro Jahr. Er sieht seine Stärke darin, bei einem Sattel die ideale Passform für Pferd und Reiter zu finden: «Ziel ist es, den geeigneten Sattel für Pferd und Reiter herzustellen und dabei den gewünschten Verwendungszweck einzubeziehen.» Für die Herstellung eines Sattels rechnet Althaus 24 bis 30 Stunden Arbeit, dann kommt noch das Finish hinzu: «Das Schwierigste ist das Ausmessen, die Beratung sowie aus den vielen Sitzgrössen und Sattelbäumen den passenden Satteltyp zu wählen. Das Produkt muss sich mit der Kundin oder dem Kunden zusammen entwickeln, dann entsteht schlussendlich ein Sattel, der über Jahre hinweg zur Zufriedenheit eingesetzt werden kann.»
Althaus hat drei Pferde und ist ein aktiver Freizeitreiter und Fahrer, zur Entspannung und Freude, wie er sagt. Aber er nutzt die Ritte auch gerne mal für ein neues Testmodell und probiert dieses ausgiebig auf seinen Pferden aus.
Die Sattlerei ist ein altes Handwerk mit Tradition, das von ihm und seinem Team mit Herzblut bewahrt wird und alle drei Jahre wird eine Lehrstelle geschaffen. Der Betrieb der Familie Althaus existiert bereits in der vierten Generation.
Symbiose von Handwerk und Hobby
Sarah Baumgartner hat im Sommer 2024 die Lehre als Fachfrau Leder und Textil Fachrichtung Pferdesport EFZ abgeschlossen und dies mit dem gesamtschweizerisch besten Resultat. Eigentlich hat die Schülerin nur per Zufall erfahren, dass es diese Lehre überhaupt gibt: «Ich war im Laden der Sattlerei Althaus, um mir Reitstiefel zu kaufen. Da kamen wir ins Gespräch und ich absolvierte eine Schnupperlehre und die Lehre hier. Dieser Beruf verbindet mich mit meinem Hobby, dem Reiten. Und gleichzeitig ist es etwas Handwerkliches und man sieht nachher, was man gemacht hat.»
Einen Tag pro Woche verbrachte sie in der Gewerbeschule in Zofingen, besuchte die Fächer Allgemeinbildung, Mathematik, Berufskunde, Zeichnen und Sport. Ihr klarer Favorit war die Berufskunde, «denn das hat am meisten damit zu tun, was man im Betrieb macht.» Im ersten und zweiten Lehrjahr besuchten die rund 20 Lernenden aller drei Fachrichtungen gemeinsam die Schule und im dritten Schuljahr waren es neun Lernende mit der Fachrichtung Pferdesport. Die Lehre wird von Baumgartner als sehr vielfältig beschrieben. Eine Affinität für Pferde sei ein Vorteil, aber keine Voraussetzung.
Geschick mit der Nadel
Ein grosser Bestandteil der Arbeit während der Lehrjahre sind Reparaturen, neue Halftern und Zaumzeuge für Pferde herzustellen. Auch das Nähen von Hand und mit der Maschine gehört dazu. Letzteres habe zu ihren Lieblingstätigkeiten im Lehrbetrieb gehört, so Baumgartner. «Ich arbeite gerne nach einer bestimmten Vorgehensweise und empfinde es als herausfordernd, wenn eine klare Norm fehlt», sinniert die junge Berufsfrau.
Der Sattelbau per se sei während der Lehrzeit noch nicht im Fokus gestanden, deshalb kämen noch einige Arbeitsschritte zu, die sie lernen dürfe, so Sarah Baumgartner. «Als künftige Weiterbildungen kämen die anderen Fachrichtungen infrage, oder auch die höhere Fachprüfung zur diplomierten Meisterin Leder und Textil», erklärt die Freizeitreiterin.