Unterhalb der Flüeacherbrücke soll die Ilfis aufgeweitet werden. / Bild: Remo Reist (rrz)
Langnau: Um Langnau vor Überschwemmungen zu schützen, soll die Ilfis zwischen Bärau und Langnau ab 2030 neu verbaut werden. Ab jetzt läuft die Mitwirkungsphase.
«Die Gefahrenkarte und vergangene Hochwasserereignisse wie jenes im Jahr 2005 zeigten den Handlungsbedarf auf», erklärt Gemeinderat Beat Gerber. «Langnau gilt als Hotspot im Kanton Bern - nur an zwei Orten ist das Risiko für Hochwasserschäden noch höher.» Das Klima verändere sich, es brauche Massnahmen. «Wir müssen handeln, damit grosse Schadensfälle im Siedlungsgebiet verhindert werden.» Die Langnauer Bevölkerung hat das Risiko erkannt und letzten September den Rahmenkredit für die Planung gutgeheissen. Am Dienstag begann die Mitwirkungsphase mit einer Infoveranstaltung in der Kupferschmiede. Bis 22. August 2025 kann die Bevölkerung nun ihre Eingaben machen. Das Mitwirkungsdossier liegt auf der Gemeindeverwaltung auf, alle Unterlagen sind online abrufbar.
Zentrale Projektziele
Das Vorhaben läuft unter dem Namen Wasserbauplan Ilfis Langnau Mitte-Ost. Der Projektperimeter erstreckt sich von der Flüeacherbrücke in Bärau etwa bis zum Ilfiscenter. Unterhalb der Flüeacherbrücke ist zum Beispiel vorgesehen, den Fluss auf der linken Uferseite aufzuweiten, ihm somit mehr Platz zu geben. Geplant sind Ufererhöhungen oder Sohlenabsenkungen in Form von Dämmen und Mauern. Auch eine ökologische Aufwertung sei wichtig, die Ilfis sei kein gutes Vorbild für ein lebendiges Gewässer. Daher wird die Längsvernetzung angestrebt, teils werden Schwellen durch Blockrampen und Blockriegel ersetzt. «Fische und andere Wasserlebewesen sollen ungehindert flussauf- und flussabwärts wandern können», erklärt Tobias Weiss, Projektleiter Gesamtplanung von der Kissling+Zbinden AG. Man könne nicht reinen Hochwasserschutz machen, sondern müsse auch an die Natur denken.
Ein neuer Bahndamm
Unterhalb der Gohlmündung ist am rechten Ufer eine Vorlandabsenkung um etwa 2,5 Meter vorgesehen; das Wasser der Gohl wird in diesen neu geschaffenen Naturraum geführt. Die Wasserfassung für den Gewerbekanal soll flussaufwärts verschoben werden. Unter anderem entsteht auch ein neuer Bahndamm, damit Überschwemmungen der Bahnlinie verhindert werden. Auf der linken Seite steigt der Damm auf bis 1,5 Meter an. «Das Wasser darf nicht hinter dem Bad durchfliessen und von dort ins Dorf - das wäre verheerend», warnte Gerber. Die Moosbrücke soll zudem als Druckbrücke neu gebaut werden.
Zeitplan und Kosten
Eine Begleitgruppe mit politischen Vertretern, Organisationen wie ProNatura und IG lebende Emme sowie Grundeigentümer-Vertretenden begleitet das Projekt. Nach der Mitwirkungsphase folgt die Erarbeitung des definitiven Bauprojekts bis Herbst 2026, anschliessend die Volksabstimmung. Ziel ist der Baustart 2030. Die Projektkosten betragen stand heute 25 bis 30 Millionen Franken. Gerber sagte, dass nur ein kleiner Teil durch die Gemeinde zu bezahlen sei.
Diverse Fragen aus dem Publikum wurden schlüssig beantwortet, für punktuelle Fragen stand das Projektteam anschliessend zur Verfügung. Es ging um Überlegungen zur Kanalisation bei der Glockengiesserei bis zur Frage, warum die Grundwasserfassung aus der Badi herausgenommen werde – sie wird ins Landwirtschaftsland versetzt. Sind Ausgleichsbecken vorgesehen? Wenn über Stunden hinweg ein riesiges Volumen anfalle, dann müssen an Stellen, wo das Gewässer keine grossen Schäden verursacht, Überflutungen ermöglicht werden, lautete die Antwort. Die Anwesenden folgten den Ausführungen so gespannt, dass das zeitgleiche Donnergrollen wegen einem nahenden Gewitter nicht beachtet wurde.