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Kameradschaft kommt vor dem Resultat

Kameradschaft kommt vor dem Resultat
Konolfingen-Trainer Heinz Fankhauser und seine Spieler vor dem Cupspiel gegen Huttwil. / Bild: Remo Reist
Eishockey: Im Cup traf der SC Konolfingen auf Huttwil. Zwischen den beiden Klubs liegen drei Ligen. Trotz dem Schlussresultat von 0:20 haben die Unterklassigen beeindruckt.

Auf der einen Seite der SC Konolfingen (SCK), ein Klub aus dem Mittelfeld der 3. Liga. In der Vorbereitung gab es für das junge Team eine 1:8-Klatsche gegen den SC Ursellen. Die besten Zeiten mit Rang 5 in der
1. Liga liegen 40 Jahre zurück.

Auf der anderen Seite Hockey Huttwil, Spitzenteam in der MySports-League – letzte Saison wurde die Finalserie um den Amateur-Schweizermeistertitel in Basel vor 3500 Zuschauern in der letzten Minute verloren.

Diese beiden unterschiedlichen Teams trafen nun in der vierten Runde des National-Cups aufeinander. Konolfingen schaffte es höchst glücklich in diese Runde: Die ersten zwei Gegner gaben Forfait, sie hatten im August noch kein Eis. In der dritten Runde hatte der SCK ein Freilos. Zeit, um sich speziell vorzubereiten, blieb jedoch nicht. Die Auslosung fand erst wenige Tage vor dem Spiel statt, und die Konolfinger trainieren nur einmal pro Woche zusammen.


Acht Minuten lang 0:0

SCK-Präsident Philipp Bühlmann versicherte vor dem Spiel mit einem Augenzwinkern, er würde zur Pause in der Kabine keine Standpauke halten, falls sich ein desaströses Resultat abzeichnen sollte. Seine Meinung: «Alles andere als eine klare, zweistellige Kanterniederlage ist unmöglich.» Ein Highlight in der Vereinsgeschichte werde es gleichwohl, er erwarte einfach einen unermüdlichen Einsatz. Bis heute gilt für den SCK das in den Statuten im Gründungsjahr 1941 definierte Ziel: «Der SCK pflegt und fördert das Eishockeyspiel und die treue Kameradschaft.» Bühlmann sollte nicht enttäuscht werden. Jeder Akteur kämpfte 60 Minuten lang, obwohl die Huttwiler eine Lehrstunde erteilten. Das 0:0 konnte gut acht Minuten lang verteidigt werden, erst danach ging die Puste nach und nach aus. Torhüter Patrick Järmann hielt sein Team zu Beginn grossartig im Spiel, allein im ersten Drittel kamen über 30 Schüsse auf sein Tor. Sein Gegenüber musste in der 15. Minute den ersten Schuss abwehren. Die Eisreinigung wäre nach 20 Minuten – es stand erst 0:4 – nur auf der einen Seite nötig gewesen.


Schweissgebadete Gesichter

In der Pause wurde ersichtlich, was der SCK geleistet hatte. Knallrote, schweissgebadete Gesichter, einige Spieler blieben lange auf der Spielerbank sitzen. Trainer Heinz Fankhauser war – völlig zurecht – stolz. Gleichwohl mahnte er: «Ich hoffe, wir können das Tempo mithalten. Es wird hart.» Er habe seinen Jungs einfach mit auf den Weg gegeben, das Spiel zu geniessen. Fankhauser ist kein unbeschriebenes Blatt: Er war bei den SCL Young Tigers zwölf Jahre lang Trainer der Erfassungsstufe.

Der Rest des Spiels ist rasch erzählt: Die Konolfinger kassierten die zu erwartete Kanterniederlage. Die Gegentore fielen zu Beginn des zweiten Drittels fast im Minutentakt, der Speaker war im Dauereinsatz. Das 0:10 fiel in der 28. Minute. In der 35. Minute hatte Konolfingens Simon Beck sogar nochmals eine reelle Torchance, und als Höhepunkt überstand man eine zweiminütige Unterzahl. Es sollte die einzige Strafe gegen die Konolfinger bleiben, die Huttwiler kassierten zwei. Kurz und gut: Der SCK bewies Charakter. Man blieb fair, kein böses Wort war zu hören. Das 0:20 fiel erst 57 Sekunden vor Schluss, aber das Resultat war schnell vergessen; man versammelte sich mit den Huttwilern zum Erinnerungsbild.


Spass im Vordergrund

Heinz Fankhauser betonte, ihm sei wichtig, dass bei den Jungen der Spass am Eishockey im Vordergrund stehe. Der SCK biete diese Plattform auf und neben dem Eis. Oft würden Jugendliche den Eishockeysport wegen anderen Interessen aufgeben, er wolle dem entgegenhalten.

Die Kameradschaft wurde jedenfalls auch nach dem Spiel gepflegt – wie es sich die Vereinsgründer gewünscht hatten.

22.09.2022 :: Remo Reist