Vor grosser Kulisse: Lisa Liechti (Mitte) und die Skorps boten gegen Kloten-Dietlikon ein packendes Spiel. / Bild: Markus Zahno (maz)
Unihockey: Zum ersten Mal stand Skorpion Emmental im Cupfinal. Zwar reichte es knapp nicht für den Sieg gegen die Kloten-Dietlikon Jets. Aber in den Playoffs ist alles möglich.
Lisa Liechti ist das Urgestein von Skorpion Emmental. Vor zehn Jahren spielte sie – «als Aushilfe», wie sie sagt – erstmals in der ersten Mannschaft. Damals noch in der 1. Liga. 2012 stieg das Team dann in die NLB auf und nur ein Jahr später direkt in die NLA. Viel hat die 27-Jährige seither mit den Skorps erlebt. Auch mit dem Schweizer Nationalteam, für das sie 53 Länderspiele und drei A-Weltmeisterschaften bestritt. «Aber dieses Spiel hier», sagt sie, «das nimmt einen ganz hohen Stellenwert ein.»
Es ist Samstag gegen Abend. Lisa Liechti steht im Garderobengang der Berner Wankdorfhalle. Soeben haben die Emmentaler Unihockeyanerinnen den ersten Cupfinal der Vereinsgeschichte bestritten. Sie haben gekämpft, liessen ihren Gegnerinnen in der Schlussphase kaum Luft zum Atmen, erspielten sich Chance um Chance – und verloren am Schluss doch mit 3:4 gegen die Kloten-Dietlikon Jets, die sich nach dem Spiel goldene Glitzerhüte aufsetzen und die Cup-Trophäe in die Höhe stemmen konnten.
Der Blick in die Zukunft
Ja, die Enttäuschung sei gross, sagt Lisa Liechti. «Wir haben nochmals einen Schritt nach vorne gemacht.» Schon im letztjährigen Playofffinal waren die Emmentalerinnen nahe dran an Kloten-Dietlikon, «nun haben wir zu ihnen aufgeschlossen». Im Cupfinal habe die Effizienz und vielleicht auch ein Quäntchen Glück den Ausschlag für die Zürcherinnen gegeben, sagt Liechti. «Jetzt gilt es, das Spiel sacken zu lassen und nach vorne zu schauen.»
Am kommenden Samstag beginnt für die Skorps, welche die Qualifikation in der NLA auf Rang 2 abgeschlossen haben, die Playoff-Viertelfinalserie gegen Zug United. Das Ziel der Emmentalerinnen ist klar: In absehbarer Zeit wollen auch sie einen Pokal gewinnen. Sei es den Meisterpokal oder nächste Saison die Cup-Trophäe. Lisa Liechti, die hauptberuflich als Rettungssanitäterin im Spital Emmental arbeitet, wird auch nächste Saison wieder dabei sein: Sie hat ihren Vertrag bei den Skorps verlängert.
Während Liechti im Garderobengang der Wankdorfhalle spricht, kommt eine Zürcher Spielerin vorbei, umarmt die Emmentalerin und drückt ihr einen Kuss auf die Wange. Die Stimmung vermag das in diesem Moment nicht nachhaltig zu verbessern.
Die Arbeit trägt Früchte
Doch trotz der Niederlage spürt man auch Stolz bei Skorpion Emmental. «Im Trainerstaff und im ganzen Verein wird gute Arbeit geleistet», sagt etwa Teammanagerin Elisabeth Meyer. «Die erstmalige Qualifikation für den Cupfinal ist der Lohn dafür.» Meyer war einst selber Skorps-Spielerin. Das Finalspiel hat sie ein paar Meter neben der Spielerinnenbank verfolgt, neben ihr die Ersatzspielerinnen in den hellgrünen Skorps-Trikots. Mit Klatschen und Anfeuerungsrufen peitschen sie das Team nach vorne. Überhaupt erzeugen die 1500 Zuschauerinnen und Zuschauer in der Wankdorfhalle einen ohrenbetäubenden Lärm. Wobei die Emmentaler Fans – fast alle in den Klubfarben grün und schwarz gekleidet – mit ihren Glocken, Fahnen und Pauken klar den Takt angeben.
Die Skorpion-Spielerinnen wissen die Unterstützung zu schätzen. Nach dem Final versammeln sie sich zum Teamfoto vor dem Emmentaler Fanblock. Und für einen kurzen Moment huscht bei der einen oder anderen Spielerin ein Lächeln über das Gesicht.