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Charakter des Schulhauses bewahrt

Charakter des  Schulhauses bewahrt
Typisches Schulhaus- Ambiente: Im Eingangsbereich ist noch fast alles wie vor 20 Jahren. / Bild: Schüpbach Rebekka (rsz)
Walkringen: Helle Räume und viel Platz. In einem ehemaligen Schulhaus zu leben, bietet viele Vorteile, findet Ruedi Weber, heutiger Besitzer des Schulhauses Wydimatt.

Von Gomerkinden aus führt die schmale Strasse in ein Seitental, entlang des Widimattgrabens. Nach knapp zwei Kilometern erreicht man ein kleines, ehemaliges Schulhaus. «Hier war früher der Treffpunkt von Wydimatt», erzählt der heutige Eigentümer, Ruedi Weber. Das Haus wurde im Jahr 1960 eingeweiht und war seither Dreh- und Angelpunkt des Weilers. Auch ausserhalb des Schulbetriebs fanden hier viele Veranstaltungen statt. So lange, bis 1999 das Schulhaus wegen Schülermangels schliessen musste und die Gemeinde Walkringen das Gebäude verkaufen wollte. 


Die Wydimätteler hingen am Schulhaus

«Man nahm den Wydimättelern ihr Zentrum weg», erklärt der gebürtige Zürcher. Doch die Einheimischen setzten sich zur Wehr und konnten mit genügend Gegenstimmen an der Gemeindeversammlung einen Verkauf vorerst verhindern. Erst im zweiten Anlauf und nach zähen Verhandlungen konnte die Gemeinde schliesslich das Schulhaus den neuen Besitzern übergeben. «Wir haben es zu sechst im Jahr 2000 gekauft», erläutert Weber: Nebst seiner inzwischen verstorbenen Frau Hortense Pollatscheck und ihm, gehörten noch vier Freunde des Paares zu den Käufern. 

Allerdings kam der Kaufvertrag nur unter der Bedingung zustande, dass die Wydimätteler während zehn weiteren Jahren ein Benutzungsrecht für den untersten Stock erhielten. Im Rückblick sei diese quasi erzwungene Integration in den Ort sehr positiv gewesen, sagt der pensionierte Naturwissenschaftler. «So konnten wir freundschaftliche Kontakte knüpfen, wie sie ansonsten wahrscheinlich kaum entstanden wären.» Wie zum Beispiel diejenigen mit den «Lismifrauen», die sich im Winter jeweils einmal wöchentlich im Schulhaus trafen. Die neuen Schulhausbewohner realisierten zudem verschiedene kulturelle Projekte.


Vom Schulhaus zum Wohnhaus

Doch zuerst folgte der Umbau: Ursprünglich gab es im Schulhaus Wydimtt zwei Lehrerwohnungen und eine für den Abwart. Im Erdgeschoss befanden sich die Schulräume und im Untergeschoss unter anderem Garderoben, Dusche, Schulküche und ein grosszügiger Werkraum.


Nahe am Original geblieben

«Beim Umbau war uns besonders wichtig, den Charakter des Hauses zu bewahren», erklärt Ruedi Weber. Aus den drei Wohnungen im Obergeschoss wurden deren zwei. Die breite Aussentreppe und der Eingangsbereich im Erdgeschoss blieben im Original erhalten. Ebenso die grosse Schulhaustüre sowie das Treppenhaus im Innern und ein Teil des Flurs, der heute noch als Garderobe dient. Durch eine weitere Schwingtüre gelangt man in den ehemaligen Schulbereich und somit in die heutige Wohnung von Ruedi Weber «Hier war der Flur vor den Schulzimmern. Zuhinterst, dort, wo mein Esstisch steht, befand sich ein Sandkasten», erinnert er sich. In diesem Kasten, den er aus der eigenen Schulzeit kennt, habe man beispielsweise Landschaften gestalten können. Auf der rechten Seite des Flurs, wo früher die Toilettenanlagen waren, entstanden Bad und Küche. Doch was diese Wohnung von vielen anderen unterscheidet, ist nebst der sorgfältig ausgewählten Einrichtung mit den unterschiedlichsten Designermöbeln vor allem eines: zwei beeindruckend geräumige und weiss gestrichene Wohn-, und Schlafzimmer mit einer grossen Fensterfront. «Hier hat man einfach Licht und Luft», schwärmt Weber. Auch da sind überall Spuren aus Schulzeiten zu entdecken: Dellen in der Decke etwa, welche durch die Aufhängevorrichtung der Schulwandbilder entstanden sind oder ein kleines Lavabo. Weber deutet auf eine Korkwand, die eine ganze Zimmerbreite einnimmt: «Hier hingen früher Landkarten, und auch die Schränke darunter haben wir so belassen wie sie waren.»


«Hier bleibe ich bis an mein Lebensende»

Während sich in Webers Wohnung doch einiges über die Jahre verändert hat, blieb im Untergeschoss vieles so, wie es war, ausser dass die Garderoben jetzt ein Fitnessraum sind und die Duschen ein Trocken- und Glätteraum. Herzstück dieses Stockwerks und lange Zeit das Reich von Hortense Pollatscheck ist der Werkraum, unschwer zu erkennen an der alten Werkbank sowie an zahlreichen Werkzeugen, einer Staffelei, Kunstwerken und vielen verschiedenen Farben. «Diese Sachen nutzen jetzt meine neuen Mieter, eine junge Familie», sagt Weber. Er ist sehr zufrieden damit, wieder junges Leben um sich herum zu haben. Denn in den letzten Jahren wohnte er mit seiner Frau alleine im grossen Haus. Nach ihrem Tod wurde es sehr still. Viel zu still. Deshalb, und weil er mit 77 Jahren nicht weiss, wie lange er so fit bleibt, wollte Ruedi Weber eigentlich in eine urbanere Gegend ziehen, näher zu den Einkaufsmöglichkeiten. Doch etwas Passendes zu finden, sei schwierig für einen strahlungssensiblen Menschen wie ihn. Hier, im ehemaligen Schulhaus, befinde er sich nämlich in einem Funkloch. «Aus diesem Grund bleibe ich hier bis zum Ende meines Lebens.»


Leben auf dem Pausenplatz

Erst am Anfang des Lebens stehen die Nachbarskinder vom Obergeschoss. Auf dem ehemaligen Schulhausplatz verraten Velos, dass sie auch gerne draussen spielen. Im Aussenbereich ist einiges über die Jahre umgestaltet worden. Früher war der ganze Platz geteert. Inzwischen wurde ein Teil davon mit Rasenflächen und einem Pavillon ergänzt. Dennoch ist es ein Ort gebileben, wo sich die Kinder des Hauses austoben können. Ganz ohne Unterbrechung durch eine schrille Pausenglocke.

14.10.2021 :: Schüpbach Rebekka (rsz)