Um alle Aussenschulen erhalten zu können, muss vieles stimmen

Um alle Aussenschulen erhalten zu können, muss vieles stimmen
Würde das Dorfschulhaus aufgestockt, könnten vier zusätzliche Zimmer realisiert werden. / Bild: Silvia Wullschläger (sws)
Eggiwil: So lange wie möglich soll an den sechs Schulstandorten festgehalten werden, ist der Gemeinderat der Meinung. Das Schulhaus Dorf könnte aufgestockt werden.

In der Gemeinde Eggiwil werden heute rund 300 Kinder und Jugendliche in einem der sechs Schulhäuser unterrichtet (siehe Kasten). In einer Broschüre zeigen der Gemeinderat, die Bildungskommission und die Schulleitung die aktuelle Situation auf und informieren über die Zukunft der Schulen Eggiwil. Da der vorgesehene Infoanlass im November wegen Corona nicht stattfinden konnte, wurde die Broschüre in alle Haushaltungen versandt. «Der Gemeinderat will die dezentralen Schulstandorte in den Aussenbezirken in Eggiwil so lange wie möglich offen halten», erklärt Gemeindepräsident Niklaus Rüegsegger. Eggiwil sei mit einer Fläche von 60 Quadratkilometern eine der grösseren Gemeinden im Kanton. Müssten alle Kinder im Dorf oder in Horben zur Schule geben, bedeutete dies mit dem Auto eine Fahrt von bis zu 20 Minuten. «Viele Kinder könnten dann den Schulweg, anders als heute, nicht mehr selbständig zurücklegen und der Schulbusbetrieb müsste ausgebaut werden.»  

Es braucht Schüler und Lehrpersonen

Niklaus Rüegsegger betont, dass nicht allein die Gemeindebehörden darüber entscheiden könnten, wie lange eine Aussenschule offen bleibe. So spielten kantonale Vorgaben in Bezug auf die Klassengrösse eine Rolle. «Wenn die Schülerzahlen rückläufig sind und unter den Schwellenwert sinken, wird die kantonale Bildungsdirektion eine Schliessung verfügen.» Kritisch sei diesbezüglich vor allem der Standort Leber. Aktuell gehen dort 14 Kinder zur Schule (1. bis 9. Klasse). Diese Zahl sei rückläufig, erklärt Rüegsegger. Im Jahr 2022 sei nur noch mit zehn Schülerinnen und Schülern zu rechnen. Ebenfalls gefährdet sei die Gesamtschule Hindten, wo aktuell 15 Schülerinnen und Schüler unterrichtet würden – hier seien die Zahlen aber aus heutiger Sicht stabil. Gemäss Richtlinie des Kantons gelangen Gesamtschulen mit zehn Kindern und weniger (ohne Kindergarten) in den unteren Überprüfungsbereich. 

Nicht nur genügend Kinder braucht eine Schule, sondern auch qualifizierte Lehrerinnen und Lehrer. Diese zu finden, sei für eine Schule auf dem Land generell nicht einfach, gibt der Gemeindepräsident zu bedenken. Für eine Gesamtschule sei es noch schwieriger, weil es die Ausbildung sowohl für Primarschule als auch für die Sekundarstufe 1 brauche. An den Standorten Hindten, Leber, Neuenschwand und Siehen stehen bis 2027 verschiedene Pensionierungen an, zum Teil auch solche von Klassenlehrpersonen. 

Überall besteht Sanierungsbedarf

Eine weitere Herausforderung für die Gemeinde Eggiwil stellt die Infrastruktur dar. Die meisten Schulhäuser wurden in den 1950er-Jahren erstellt. Das Schulhaus Neuenschwand hat sogar Baujahr 1913, es wurde jedoch 1994 teilsaniert. Das Schulhaus Dorf steht seit 1979. «Alle Gebäude sind renovationsbedürftig», sagt Niklaus Rüegsegger. Der Gemeinderat hat die nötigen Investitionen grob zusammengestellt und kommt auf acht Millionen Franken. «Natürlich können wir nicht alles realisieren. Es gilt, die finanziellen Mittel zu bündeln und dort einzusetzen, wo ein Weiterbetrieb auch längerfristig gesichert ist.» Am dringendsten seien die Arbeiten am Schulhaus Dorf; diese müssten in den nächsten Jahren ausgeführt werden, unabhängig von der künftigen Schulstruktur. Kostenpunkt: drei bis vier Millionen Franken. 

Es bestehe die Möglichkeit, im Zuge der Dachsanierung das Gebäude um ein weiteres Geschoss aufzustocken, erklärt der Gemeindepräsident. Für verhältnismässig geringe Mehrkosten von einer Million könne das Platzproblem im Dorfschulhaus behoben werden. So fehlten beispielsweise Gruppenräume. «Zudem wären wir gewappnet für die Zukunft. Selbst wenn wir schlimmstenfalls vier Aussenschulen schliessen müssten, hätten wir zusammen mit der Schulanlage in Horben genügend Platz für alle Eggiwiler Schülerinnen und Schüler.»

Derzeit kann sich die Bevölkerung zu den Vorschlägen des Gemeinderats schriftlich äussern. «Wir werden dann einer kommenden Gemeindeversammlung einen Kredit für die Sanierung und allenfalls die Aufstockung beantragen», meint Rüegsegger.

Die rund 300 Jungen und Mädchen der Schule und des Kindergartens Eggiwil werden in sechs Schulhäusern und drei Kindergärten unterrichtet:

Dorf: 112 Schülerinnen und Schüler in der 1. bis 9. Klasse; 19 im Kindergarten

Horben: 59 Schülerinnen und Schüler in der 1. bis 6. Klasse; 20 im Kindergarten

Siehen: 18 Schülerinnen und Schüler in der 1. bis 9. Klasse; 16 im Kindergarten 

Hindten: 15 Schülerinnen und Schüler in der 1. bis 9. Klasse

Leber: 14 Schülerinnen und Schüler in der 1. bis 9. Klasse

Neuenschwand: 18 Schülerinnen und Schüler in der 1. bi9. Klasse 

Die Sekundarschülerinnen und -schüler besuchen den Unterricht in Signau, daran soll sich gemäss Gemeinderat nichts ändern.

11.03.2021 :: Silvia Wullschläger (sws)