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Ein Sprungbrett für grosse Karrieren

Ein Sprungbrett für grosse Karrieren
Martin Gerber, der Langnauer Goalie mit dem Stanley-Cup-Pokal. / Bild: Peter Eggimann (ped)
SCL Tigers: Übermorgen Samstag feiert der Klub sein 75-jähriges Bestehen. Die SCL Tigers dienten auch schon als Sprungbrett für nationale und internationale Karrieren.

Eine der erfolgreichsten Geschichten des Schweizer Eishockeys hatte ihren Ausgangspunkt in Langnau – die Erfolgsgeschichte von Martin Gerber. Der Torhüter hat den Namen seines Stammklubs in die weite Eishockeywelt hinausgetragen. In drei der weltbesten Ligen, der nordamerikanischen National Hockey League (NHL), der russischen Kontinental Hockey League (KHL) und der Svenska Hockeyligan (SHL). Zwölf Saisons hat sich Martin Gerber im Konkurrenzkampf mit anderen hochklassigen Goalies behauptet. Seine beeindruckend lange Erfolgsliste beginnt mit Langnau und dem Aufstieg in die NLA (1998). Danach wurde er mit Färjestad Meister (2002) und Vizemeister (2005), gewann mit Carolina den wertvollsten aller Titel, den Stanleycup (2006), stand mit Anaheim (2003) und Ottawa (2007) in zwei weiteren Stanleycupfinals und krönte seine Karriere als 38-jähriger mit dem Gewinn der WM-Silbermedaille (2013). Unvergessen der 18. Februar 2006, als die Schweizer an den Olympischen Spielen in Turin mit dem 2:0-Triumph gegen Kanadas NHL-Auswahl der Superlative für eine Sensation sorgten und Martin Gerber mit 49 Abwehrparaden der Matchwinner war. 


In Züri verstand man auch Bärndütsch

Niemand hat während rund fünfzig Jahren so viel für das Schweizer Eishockey getan wie der am 1. Mai letzten Jahres verstorbene Simon Schenk. Er gehörte zur erfolgreichsten Langnauer Spielergeneration mit dem Titelgewinn 1976 als Höhepunkt. Aber auch auf dem Tiefpunkt, nach dem Absturz bis in die 1. Liga, konnte man auf ihn zusammen mit Gleichgesinnten als Geschäftsführer, Sportchef und Coach zählen. Als Nationaltrainer führte er die Schweizer 1986 und 1990 in die WM-A-Gruppe zurück und legte damit den Grundstein für den Aufschwung in den letzten Jahren. Dass die ZSC Lions heute eine der erfolgreichsten Organisationen sind, ist zu einem grossen Teil ebenfalls ein Verdienst von Simon Schenk. Unter seiner Führung wurde der «Z» 2000 und 2001 erstmals nach 39 Jahren wieder Meister, zudem baute er die professionell aufgebaute Nachwuchsabteilung auf. Ja, man kann schon sagen – in den rund zwanzig Jahren mit «Simu» haben sie in Züri gelernt, Bärndütsch zu verstehen. 


Das Musterbeispiel eines Teamspielers

Sucht man im Schweizer Eishockey in den vergangenen rund fünfzehn Jahren nach dem Musterbeispiel für einen Teamspieler, dann kommt man nicht an Simon Moser vorbei. Er wusste von Anfang haargenau, was er wollte und was er mit seinen Qualitäten erreichen konnte. Er nahm mit Fleiss, Willen, Disziplin und Konsequenz einen Karriereschritt nach dem andern. Das Eishockey-Abc erlernte er bei den Langnauern, die er 2013 nach dem Abstieg verliess. Nur rund einen Monat nach diesem Tiefpunkt reihte Simon Moser einen Erfolg an den andern: WM-Silbermedaille mit der Nationalmannschaft, 2013/14 eine Saison in Nordamerika mit sechs NHL-Spielen für Nashville und 51 AHL-Einsätzen mit Milwaukee, 2015 Cupsieger mit dem SCB, gefolgt von drei Meistertiteln (2016, 2017, 2019) und dazwischen (2018) noch eine zweite WM-Silbermedaille. Zweimal Vizeweltmeister – das dürfen sich nur Roman Josi, Nino Niederreiter, Reto Berra und Raphael Diaz nennen. Vor vier Jahren wurde Simon Moser beim SCB als Nachfolger von Martin Plüss zum Captain bestimmt. Dieser Aufstieg sagt mehr aus als viele Worte.  

Der erste Schweizer NHL-Torschütze

Reto von Arx war eines der grössten Talente des Schweizer Eishockeys. Im Novizenalter von 15 Jahren und sechs Monaten wurde er von Simon Schenk in der 1. Liga erstmals in der ersten SCL-Mannschaft eingesetzt. Mit 18 wechselte der Zweiweg-Mittelstürmer in die NLA zum HC Davos. In 19 Saisons bestritt er 1004 Spiele, wurde sechsmal Meister, viermal Spenglercup-Gewinner und dreimal als «Wertvollster Spieler» der NLA ausgezeichnet. Bruder Jan, der Verteidiger, konnte die gleiche Erfolge feiern, allerdings in zwanzig Saisons. Der Grund: Reto versuchte in der Saison 2000/01 den Sprung in die weltbeste Liga. Mit Chicago kam er auf 19 NHL-Spiele und war am 7. Oktober gegen Columbus der erste Schweizer NHL-Torschütze. 


Der Reto von Arx der 70er-Jahre

Ein Ausnahmekönner wie Reto von Arx war Bruno Wittwer in den 70er-Jahren. Zusammen mit Simon Schenk und Werner Lengweiler bildete er eine der torgefährlichsten Angriffslinien der NLA. Als er ein Angebot des damaligen Serienmeisters La Chaux-de-Fonds annahm, wurde er vom SCL für eine Saison gesperrt. Mit den Neuenburgern wurde er erstmals Meister und mit dem SCB vier weitere Male (1974, 75, 77, 79). Noch erfolgreicher mit dem SCB ist Beat Gerber. Der 38-jährige ist sechsfacher Meister und einmal Cupsieger und er ist auch in seiner 18. Saison beim Kantonsrivalen seit 2003/04 als Defensivverteidiger die Zuverlässigkeit in Person. Der SCL diente schon viel früher als Sprungbrett. Beispielsweise für Otto Wittwer, von 1954 bis 1964 Verteidiger, Stürmer und Torhüter. Der Allrounder wurde als erster Langnauer überhaupt für eine WM (1963) und für Olympische Spiele (1964) aufgeboten und er nahm als erster SCL-Spieler auch ein Angebot aus der Fremde, von den Young Sprinters Neuenburg, an. Sein Nachfolger war Peter Aeschlimann, der nach sechs Saisons im Emmental zuerst zum damaligen Zürcher SC und später zu Lugano wechselte. Er nahm an den Olympischen Spielen und fünf WM-Turnieren teil.

28.01.2021 :: Werner Haller (whz)