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Getragen

Wegen Covid-Ansteckungen auf der Station musste sie drei Wochen lang in ihrem Zimmer bleiben. Die fehlende Gemeinschaft beim Essen, das tagelange Alleinsein ohne Gespräche oder Spiele mit den anderen Bewohnern setzten ihr hart zu. Trotzdem konnte sie diese zermürbende Zeit ertragen, weil sie sich von Gott getragen wusste. «Bis ihr grau werdet, will ich euch tragen!», verspricht Gott seinem Volk durch den Propheten Jesaja (Kapitel 46, Vers 4), «ich habe es getan und ich werde euch weiterhin tragen…» Diese Erfahrung des Getragenseins durfte die Frau im Seniorenheim in aller Stille erleben. Ihr Erzählen hat mich für meinen eigenen Weg ermutigt, ganz besonders an der Schwelle zum neuen Jahr, wo sich viele offene Fragen stellen. So manches scheint ungewiss und bedrohlich. Wenn ich auf mich allein vertraue, auf meine Möglichkeiten, meine Kraft oder auch auf meinen Glauben, dann komme ich schnell in Sorgen und Ängste hinein. Wo alles an mir hängt, macht sich bald ein Gefühl der Überforderung breit. Zweifellos ist mein Aktivsein gefragt. Folgende Aussage, die ich einmal gelesen habe, hilft mir, dieses Aktivsein ins richtige Licht zu stellen: «Es hängt viel von dir ab – wovon hängst du ab?» Persönlich will ich abhängig sein von Gott, der mir zuspricht: «Bis ihr grau werdet, will ich euch tragen!» Er trägt – ich will mich von ihm tragen lassen. Dabei kommt er mir ganz nahe. Er begegnet mir als Kind in der Krippe, als Erlöser am Kreuz, als Tröster im Seniorenheim, als Wegbereiter, Ermutiger und Helfer an jedem neuen Tag. Diese entlastende und hoffnungsvolle Erfahrung wünsche ich Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, fürs Jahr 2021.

31.12.2020 :: Herbert Held