Stefan Röthlisberger züchtet seit Kindsbeinen Kaninchen. Hier ein Exemplar der Rasse Rex Japaner. / Bild: Silvia Wullschläger (sws)
Emmental?/?Entlebuch: Die Zucht von Kleintieren gehe rapide zurück, es drohten Rassen zu verschwinden, meldet der Dachverband der Züchter. Nun will er Gegensteuer geben.
Das kurze Fell des Kaninchens fühlt sich weich und flauschig an. Geduldig lässt es sich streicheln und von Stefan Röthlisberger in Position bringen für das Foto. Das Tier gehört zur Rasse Rex Japaner. «Weshalb es die Zusatzbezeichnung Japaner trägt, ist nicht bekannt, jedenfalls stammt es nicht aus Japan», sagt der Züchter aus Bleiken. Klar ist dagegen, wie sein Fell gezeichnet sein sollte. Die schwarz-orangen Farbfelder sind im Optimalfall schachbrettartig verteilt. Also linkes Ohr orange, rechtes Ohr schwarz, rechte Pfote orange, linke Pfote schwarz et cetera.
Röthlisberger züchtet Kaninchen unterschiedlicher Rassen seit er 8 Jahre alt ist, und er hat auch mit 58 noch Freude daran. Doch der Vizepräsident des Dachverbandes Kleintiere Schweiz hat Sorgen.
Zielpublikum ü50
Immer weniger Menschen züchten hierzulande Kaninchen, Geflügel, Tauben und Vögel, die vier Sparten der Kleintierzucht. Stefan Röthlisberger untermauert dies mit Zahlen: In den 1980er-Jahren hatte der Verband 35´000 Mitglieder, heute noch 7´000. Und die Anzahl der Züchterinnen und Züchter sinke weiter, da mache
er sich keine Illusionen. Das Durchschnittsalter liege bei 58 Jahren. «Auf zehn Personen, die altershalber ihr Hobby aufgeben, kommt nur eine nach», sagt der Vizepräsident. Die Gründe seien vielfältig; immer mehr Tierschutzvorschriften und raumplanerische Hindernisse beim Bau einer Anlage erschwerten die Kleintierhaltung. Auch gesellschaftliche Veränderungen spielten eine Rolle. Das Hobby sei zeitintensiv, man müsse an 365 Tagen im Jahr die Tiere versorgen und pflegen. Der Verband will nun Gegensteuer geben. Das wichtigste Zielpublikum seien Menschen über 50 Jahre, sagt Röthlisberger, dann werde das Familienleben oft neu gestaltet. Die Kleintierzucht biete da eine sinnvolle Beschäftigung, auch auf die Rente hin.
Qualzucht wird nicht toleriert
Gelinge es nicht, den Rückgang aufzuhalten, bestehe die Gefahr, dass Rassen nach und nach verschwinden würden, gibt Röthlisberger zu bedenken. «Das finde ich schade und es bedeutet einen Verlust an Biodiversität.» Doch wie natürlich ist es, wenn es um das Erreichen von Zuchtzielen geht? Beispielsweise bei einem Kaninchen eine schachbrettartige Färbung zu erreichen, ist für den Erhalt der Rasse nicht nötig. «Wenn es dieses Idealbild nicht gäbe, würde man auch nicht mehr züchten», erklärt Stefan Röthlisberger. Denn jeder Züchter habe einen gewissen Ehrgeiz, diesem Bild näherzukommen und an Ausstellungen gute Bewertungen zu erhalten. Das habe nichts mit Tierquälerei zu tun. «An erster Stelle steht immer die Vitalität. Wenn die Gesundheit nicht stimmt, werden Tiere von Wettbewerben ausgeschlossen.» Ein Angorakaninchen, das wegen der langen Haare nichts mehr sehen kann, würde an einer Ausstellung in der Schweiz zurückgewiesen, nennt er ein Beispiel. Auch deformierte Beine und andere Missbildungen seien Ausschlussgründe. «Wir als Verband tolerieren keine Qualzucht.»
Der Mensch trifft eine Auslese
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Tötung von Tieren, denn nicht alle sind für die Zucht geeignet und gerade bei den Kaninchen gibt es schlicht zu viel Nachwuchs. Der Mensch trifft also eine Auslese. Dem widerspricht Stefan Röthlisberger nicht. Diese Tiere würden verwertet. «Gerade heute Abend kommt bei
uns ‹Chüngu› auf den Tisch, ein fettarmes Fleisch mit bestem Nährwert», sagt er. Seine Frau, die sonst kein Fleisch isst, rührt in der Pfanne. «Bei unseren eigenen Tieren habe ich kein Problem damit, sie zu essen, denn ich weiss, wie sie gehalten und getötet wurden», sagt sie.
Stefan Röthlisberger ist der Tierschutz wichtig, er präsidiert die entsprechende Kommission beim Verband. Mühe hat er mit dem Vorwurf, wonach jede Zucht gegen das Tierwohl verstosse. Eine artgerechte Haltung sei den Züchterinnen und Züchtern wichtig und sie erfüllten die strengen Vorschriften in der Schweiz. So bewohnt das Rex-Japaner-Kaninchen einen Stall, der die Minimalnorm übertrifft.