«Es herbstelet»

Nicht nur im Emmental und Entlebuch können wir in den letzten Wochen dieses wunderbare Lied «Es herbstelet» anstimmen. Wir erfahren es auf Schritt und Tritt. Die frischen Morgen, der schleichende oder sogar dichte Nebel oder auch der erste Schnee sind deutliche Zeichen dafür.

Wenn wir das Wort «Herbst» hören, werden ganz verschiedene Saiten in uns zum Schwingen gebracht. Im Herbst werden wir reichlich beschenkt – mit den herrlichsten Früchten, mit vielen sonnigen Tagen und je nach Wohnort mit bedrückenden Nebelschwaden, die alles verhüllen, sodass es einem Angst und Bange werden kann. Jedoch die letzten Sonnenstrahlen sollten wir noch geniessen. Der Herbst hat auch etwas Melancholisches an sich, aber zugleich auch immer wieder ein grosses Dankeschön für all das, was die Natur und die menschliche Arbeit uns jedes Jahr schenken. Es kann durchaus sein, dass diese Jahreszeit uns an das eigene Leben erinnert. Gibt es in einem Menschenleben nicht auch eine Art «Herbst»? Das kann uns durchaus dankbar stimmen. Dies erinnert uns auch an die Vergänglichkeit von allem, was einmal begonnen hat! 

Wenn ich aus meinem Bürofenster hinausschaue, dann fallen mir die verschiedenen bunten Farben auf. Noch erst waren sie grün und saftig. Aus dem Garten konnte ich noch erst feine Sachen ernten. Und heute geht all das langsam, aber sicher dem Ende entgegen. Eines ist sicher: Der Herbst will uns nicht etwa traurig stimmen, sondern er will uns darauf hinweisen, dass wir den «Herbst unseres Lebens» nicht verschlafen sollen. Nehmen wir uns doch in den kommenden Tagen einmal ganz bewusst Zeit und geniessen wir die herbstliche Vielfalt unseres Schöpfergottes. Dann dürfen wir uns bewusst werden: «Unser Herrgott hat die verschiedensten Kostgänger auf dieser Erde. Und dazu gehören auch du und ich.»

22.10.2020 :: Rudolf Vogel