«Ich habe mir meinen Platz erkämpft»

«Ich habe mir meinen Platz erkämpft»
Er hat sich trotz Krise beweisen können: Kejio Weibel ergattert sich einen Platz in der ersten Linie der Tigers. / Bild: Peter Eggimann (ped)
SCL Tigers: Nach Abschluss seiner Ausbildung setzt Keijo Weibel nun voll auf Eishockey. Der Trainerwechsel und die Corona-Krise erhöhen seine Chancen, sich durchzusetzen.

Mit Lohneinbussen von 15 Prozent müssen in Zeiten von Corona bekanntlich auch die Spieler der SCL Tigers bluten. Rein sportlich gesehen gibt es im Team von Trainer Rikard Franzén aber auch Gewinner. Zum Beispiel Keijo Weibel. Der 19-Jährige, der erstmals Stammspieler in der National League ist, profitiert davon, dass aus Spargründen nicht alle Ausländerpositionen besetzt sind. So kommt es, dass der junge Angreifer in den bisherigen Partien sogleich in der ersten Linie eingesetzt wurde. «Für mich ist das natürlich super», sagt er. «Ich kann sehr viel von meinen Linienkollegen Päscu (Berger) und Ben (Maxwell) lernen. Sie helfen mir sehr und sind immer sehr positiv zu mir.»

Vor einem Jahr traute man dem 1,72 Meter grossen Stürmer bei den Tigers noch keinen Platz in der höchsten Liga zu – trotz zuvor 104 Skorerpunkten in zwei Saisons bei den Elite--A-Junioren. Um Spielpraxis zu erhalten, wurde Weibel nach Olten in die Swiss League ausgeliehen. «Von diesem Jahr habe ich sehr viel profitiert, ich konnte zum ersten Mal ins Männerhockey reinschnuppern», sagt er rückblickend. «Das gab mir auch mehr Selbstvertrauen, mich jetzt hier zu zeigen. Ich weiss nun, dass ich auch bei Langnau mithalten kann.»

Keine Chance bei Ehlers

Unter Franzéns Vorgänger Heinz Ehlers kam Weibel zwar auch zu ein paar Minuten NL-Eiszeit (9 Spiele, 1 Tor), eine wirkliche Chance erhielt er vom Dänen aber nicht. Ehlers sagte dazu einmal gegenüber Journalisten: «Wären die Jungen gut genug, würden sie auch spielen.» Ziemlich frustrierend für einen so jungen Spieler, oder? «Nicht unbedingt frustrierend, aber schade», sagt Weibel heute. «Ich habe damals gezeigt, dass ich ein paar Einsätze verdient gehabt hätte, aber es kam halt anders. Das musste ich so annehmen.» Dass ihm der Trainerwechsel von Ehlers zu Franzén geholfen hat, will Weibel verständlicherweise nicht laut sagen. Aber: «Die jetzigen Trainer haben mir die Chance gegeben, mich zu zeigen und mir einen Platz zu erkämpfen. Und ich glaube, das habe ich gemacht.»


Eishockey, statt Lernen

Und das will der Riggisberger auch künftig tun. Den Kopf frei dafür hat er jedenfalls. Im Sommer schloss er die Sporthandelsschule an der Feusi ab. «Wegen Corona gab es keine Abschlussprüfungen, so konnte ich durchrutschen. Das hat es mir etwas einfacher gemacht», sagt Weibel, der das Hockey-ABC einst in Schwarzenburg bei Hans Jörg Rüegsegger, dem Vater von Tigers-Stürmer Stefan -Rüegsegger (derzeit beim SC Langenthal), erlernt hat. «Der Stress mit Lernen ist nun vorbei, jetzt setze ich voll auf Eishockey.» Sollte Weibel, der mit seinen Mitspielern Salzgeber und Melnalskins in einer WG wohnt, doch wieder Lust auf Lernen bekommen, widmet er sich vielleicht wieder vermehrt der finnischen Sprache. Von seiner Mutter, einer Finnin, hat er diese als Kind übernommen. Heute ist er nicht mehr so geübt darin. Der Grund? «Ich konnte im Kindergarten nicht gut Deutsch, darum haben wir zuhause nicht mehr finnisch gesprochen. So habe ich diese Sprache ein wenig verlernt.»