Bilder des Aufbruchs – Figuren aus Holz und Ton

Bilder des Aufbruchs – Figuren aus Holz und Ton
«Zeit zu leben» nennt Brigitte Schorer dieses Werk. / Bild: Bettina Haldemann (bhl)
Langnau: Brigitte Schorer schafft aus Holz und Ton ­sprechende Bilder. Diese kreisen um den Menschen und sein Schicksal.

Gerne sucht die Kunstschaffende Brigitte Schorer am Ufer der Emme nach Schwemmholz oder hält im Wald Ausschau nach herumliegenden Ästen und Wurzeln. Die Formenvielfalt des toten Holzes fasziniert sie. 

Figuren aus Holz

Brigitte Schorer zeigt auf ein Stück Holz, das mit seinen Knorpeln, Adern, Krümmungen und Auswüchsen an Flammen oder erstarrtes Wasser erinnert. Alles ist in Bewegung. Ein dramatisches Bild, das von urtümlichen Kräften erzählt. Andere Hölzer, welche die Künstlerin für ihre Bilder verwendet, sind Klötzchen. Kompakt wie ein Würfel sind sie das genaue Gegenteil des vorhin Beschriebenen. Wo die Jahresringe des Holzes zu sehen sind, hat sie feine Vertiefungen angebracht. Fällt das Licht darauf, entsteht ein geheimnisvolles Schattenspiel. Schliesslich gibt es Holzscheiben aus Teak und Bambus, aus denen Brigitte Schorer labyrinthartige Gänge herausschneidet. 

Figuren aus Ton

Das Holz kombiniert die Kunstschaffende mit Figuren, die sie selber aus Ton modelliert. Die Figuren sitzen, kauern, liegen, klettern, kriechen, stossen. In traumwandlerischer Sicherheit formt die Töpferin Arme, Beine, Kopf und Rumpf im richtigen Verhältnis, so dass die meisten Figuren ohne Stütze auskommen. Die frühere «Gesundheitscoacherin» ist mit der Anatomie des Menschen vertraut. Später begann sie Menschen zu skizzieren. Dabei interessierte sie sich nicht für ihr Gesicht, sondern dafür, wie sie standen. Schorers Figuren stehen im Lot und strahlen eine natürliche Energie aus. 

Sprechende Bilder

Die Figuren setzt die Kunstschaffende dann mit dem Holz in Beziehung. Auf diese Weise entstehen stimmungsvolle Bilder wie dasjenige des auf einem Holzklotz kauernden Menschen. Die sich verkleinernden Jahresringe unterstreichen die Haltung des nach Innen gekehrten Menschen. In einer anderen Szene sitzt die Figur am Rand eines Stücks Schwemmholz. Sie scheint in sich zu ruhen, während unter und neben ihr die Wogen hoch gehen. «Zeit zu leben» nennt Brigitte Schorer das Geschaffene. In der Figur «Mit eigener Kraft zum Ziel» stösst der Mensch ein Riesenrad an, in einer anderen Plastik drückt er die Wände links und rechts auseinander, um mehr Platz zu haben. Durch Hinzufügen einer Kette verstärkt die Künstlerin das Gefühl des Gefangenseins. «Ufbraeche» heisst die Figur. www.ufbraeche.ch ist denn auch der Titel ihrer Webseite.

Schritt in die Öffentlichkeit

Selber hat die Künstlerin in den letzten fünf Jahren durch Krankheit und einen Unfall viele Rückschläge erlitten. Sie ist heute dankbar, dass sie einer geregelten Arbeit in einer Behindertenwerkstatt nachgehen kann. Daneben schöpft sie Kraft und Hoffnung beim Spazieren mit ihrem Hund und ihrer kreativen Tätigkeit. Sie, die immer mit Menschen gearbeitet hat, möchte ihre Arbeiten der Öffentlichkeit zeigen und hofft, ein Geschäft oder ein Tea-Room zu finden, in dessen Schaufenster sie ihre Arbeiten ausstellen darf. Gerne empfängt sie Interessierte auch in ihrer Wohnung, wo ein Ort der Begegnung entstehen soll. Brigitte Schorers Bilder schaffen Sinn und können als Metapher für das Leben gedeutet werden.