«Es ist schon toll, wenn Tristan Scherwey auch im Publikum sitzt»

«Es ist schon toll, wenn Tristan Scherwey auch im Publikum sitzt»
Covid-19-konform ausgestattet: Alex Hauser und Andreas Grauwiler (rechts). / Bild: Olivia Portmann (opk)
Eishockey: Seit 2016 ist An­dreas Grauwiler regelmässig an verschiedenen Eishockeyspielen anzutreffen. Als ganz besonders aufmerksamer Zuschauer, denn er kommentiert für sein Radio.

«Als ich mal auf Facebook ein Inserat sah, in welchem Eishockey-Kommentatoren für ein Internetradio gesucht wurden, war ich sofort Feuer und Flamme», erinnert sich der 38-jährige Reichenbacher Andreas Grauwiler, besser bekannt als «Crazy Andy». Mittlerweile hat er seinen eigenen Kanal auf der Website Schweizerhockeyradio.ch. Dort überträgt er die Spiele nicht nur mit Ton, sondern seit diesem Frühling auch mittels Video-
stream. 

Fokus auf die unteren Ligen

«Da wir in der NLA und in der NLB aus rechtlichen Gründen keine Aufnahmen machen dürfen, haben wir uns auf die MySports-League wie auch die unteren Ligen konzentriert», erklärt Grauwiler. Das mittlerweile auf sechs Personen angewachsene Team des Schweizer Hockey Radios rund um Crazy Andy deckt nicht etwa alle Spiele nach durchgetakteten Arbeitsplänen ab. «Wir machen das alle freiwillig und zum Spass, daher kann sich jeder aussuchen, an welche Spiele er gehen will.» Nach Absprache organisiere Andreas Grauwiler die Akkreditierung für die Kommentatoren und die Filmer. 

Einer, der regelmässig in den Wislepark nach Worb geht, ist Alex Hauser. Und das obwohl der 37-jährige Gümliger ursprünglich gar nicht so wahnsinnig angefressen war von der Sportart Eishockey. «Meine Frau ist bei Wiki-Münsingen für die Ticketkon-trolle zuständig, deshalb bin ich häufig mit ihr mitgegangen», erzählt Alex Hauser. So habe er dann Andreas Grauwiler kennengelernt und eines habe das andere ergeben. Mittlerweile ist Alex Hauser als Teammitglied des Schweizer Hockey Radios nicht mehr wegzudenken.

Erst recherchieren, dann moderieren

«Die Spieler kennt man als Fan ja bald einmal», erklärt Grauwiler. Auch sonst sammelt er möglichst viele Informationen, um die Spiele kommentieren zu können. «Dass wir nicht alle Regeln auswendig kennen, sei uns verziehen, wir machen das ja nicht profimässig. Aber jeder von unseren Kommentatoren hat immer ein Schiedsrichter-Strafenblatt vor sich.» So auch Alex Hauser, der mittlerweile am liebsten im Wislepark Worb die Mirchler kommentiert. «Als ich einmal ein Spiel von Thun übertrug, habe ich die Brüder Keller kennengelernt, und als die zu Mirchel gewechselt haben, bin ich da auch hin», berichtet Hauser, welcher in Bern arbeitet. «Zum Glück habe ich tolle Arbeitszeiten und von Bern oder meinem Wohnort Gümligen aus dauert die Fahrt nach Worb ja nur kurz», beschreibt er, wie das alles nebeneinander aufgeht. Er und seine Frau decken teilweise sogar auch die Auswärtsspiele ab. «Da muss jeder selber schauen, wie er wirtschaftet», erklärt Andreas Grauwiler. Reisespesen könne er nämlich keine bezahlen. Zwar werde das Hockey Radio von ein paar Sponsoren unterstützt und sie hätten ein Gönnerkonto eingerichtet, aber finanziell selbsttragend sei das Ganze nicht.

Bis 6000 Leute hören mit

Übertragen werden die Spiele per Handy. «Klar wäre es toll, ein Skoreboard einblenden zu können», so Andreas Grauwiler. Er arbeite daran. Wenn es aber finanziell so aufwärts gehen würde, wie die Zuschauerzahlen während der ersten Spiele der Saison, so wäre das schon toll. «Dann könnten wir in besseres Equipment investieren», meint der CNC-Schleifmaschinist. «Sicher hat uns Corona in die Karten gespielt, weil viele Leute zwar die Testspiele schauen wollten, aber sich noch nicht ins Stadion getrauten.» Die letzten Spiele, die sie übertragen hätten, seien von bis zu 6000 Zuschauern verfolgt worden, erzählt Andreas Grauwiler nicht ohne Stolz.

Tolle Begegnungen

Stolz berichtet auch Alex Hauser von verschiedenen Begegnungen mit Eishockeyspielern, die er dank der Arbeit für das Hockey Radio gemacht habe. «Es ist immer toll, wenn die Spieler nach dem Match mit uns sprechen.» Egal, ob die Mirchler Zweitliga Herren oder die Wisle-Ladies, er habe Freude an jedem Interview. Da doppelt Grauwiler nach: Das Schönste sei wohl gewesen, im Grabengut Thun mit Tristan Scherwey sprechen zu dürfen, der ein Spiel seines Bruders besuchte.

Mehr Informationen: www.schweizerhockeyradio.ch

08.10.2020 :: Olivia Portmann (opk)