«Dann gibt es die Tigers nicht mehr»

«Dann gibt es die Tigers nicht mehr»
Geht mit gutem Beispiel voran: Pascal Berger ist überzeugt, dass einige Gegner überrascht werden können. / Bild: Peter Eggimann (ped)
SCL Tigers: Pascal Berger spricht im Interview über verloren gegangene Substanz im Team, zeigt Verständnis für die Sparpolitik der Klubführung und richtet einem Appell an die Fans.

Mit einer 2:5-Niederlage in Lausanne und einem 9:3-Sieg im Cup in Huttwil hat für Langnau die neue Saison begonnen. Aufgrund der Corona-Krise wird diese herausfordernd wie nie zuvor. Das ist auch dem Captain der SCL Tigers bewusst.

 

Pascal Berger, die ersten beiden Pflichtspiele in dieser ungewöhnlichen Saison sind absolviert. Was sind bisher Ihre sportlichen Eindrücke?

Beim Cup-Spiel in Huttwil war sicher nicht alles super, aber wir haben uns im Lauf der Partie gesteigert. Das Einzige, was dort zählte, war, zu gewinnen. Diese Pflicht haben wir erfüllt. Und das Meisterschaftsspiel in Lausanne war auch nicht so einseitig, wie es die Prognosen zum Teil vorausgesagt haben.

 

Apropos Prognosen: Dort werden die Tigers von vielen Experten auf dem letzten Platz erwartet. Kein Wunder, wenn die Abgänge der beiden besten Skorer Pesonen und DiDomenico nicht kompensiert werden konnten, oder?

Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass wir an Substanz verloren haben. Deshalb ist uns bewusst, dass die Chance auf einen Playoff-Platz klein ist. Es wird definitiv keine einfache Saison, aber wir können sicher ein paar Leute überraschen.

 

Wie soll das gelingen?

Es heisst ja nicht, dass wir chancenlos sind, weil wir das Ausländerkontingent nicht voll ausschöpfen können. Jetzt bekommen andere die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen. Wir haben einige Spieler mit auslaufenden Verträgen, für die ist es nun eine Riesenchance, sich zu präsentieren.

 

Man kann es auch positiv sehen: Weil es keinen Absteiger gibt, habt Ihr eigentlich nichts zu verlieren.

Das schon, aber wir wollen jetzt nicht einfach 52 Spiele absolvieren und warten, bis die Saison vorbei ist. Wir sind Sportler und kommen ins Sta-dion, um zu gewinnen. Das gelingt aber nur als Team, wir brauchen dafür jeden einzelnen. Sobald einer nur 99 Prozent gibt, werden wir keine Chance haben.

 

Die Spieler zeigen sich in der Krise solidarisch und verzichten auf 15 Prozent des Lohns. Haben Sie als Captain trotzdem irgendwie versucht, die Klubführung zu weiteren Transfers zu bewegen?

Es ist nicht die Aufgabe der Spieler, personelle Entscheidungen zu treffen. Klar möchten wir die bestmöglichen Mitspieler zu uns holen, aber letztendlich haben wir die Entscheidungen des Verwaltungsrats und der Geschäftsleitung zu akzeptieren. Man muss nun überall clever arbeiten. Es nützt nichts, wenn man es mit den Finanzen übertreibt. Denn dann gibt es die Tigers im Januar nicht mehr, weil kein Geld mehr da ist.

 

Am Samstag steht gegen Biel das -erste Heimspiel auf dem Programm; mit halbvoller Halle und strengen Auflagen. Mit welchen Gefühlen -blicken Sie voraus?

Wir sind auf die Einnahmen der Zuschauer angewiesen und freuen uns über jeden, der rein darf. Ich richte aber auch einen Appell an die Fans: Wir alle müssen die Regeln des Schutzkonzepts unbedingt einhalten. Denn, es wäre das Schlimmste, wenn es wieder Spiele ohne Zuschauer geben würde. Ich bin sicher, dass sich die Fans etwas einfallen lassen und die Stimmung trotzdem gut sein wird.

 

Und wie gross ist Ihre persönliche Angst, sich beim Eishockey mit dem Coronavirus anzustecken?

Angst ist ein schlechter Ratgeber. Klar sind wir dem Ganzen ausgesetzt, aber wir wissen auch, wie wir uns zu verhalten haben. Wir halten alle Schutzmassnahmen ein, so tragen wir ausser auf dem Eis auch immer Masken. Wir Spieler wollen als Vorbilder vorangehen.