Ein ganzes Jahrhundert mit Höhen und Tiefen

Ein ganzes Jahrhundert mit Höhen und Tiefen
Die Jubilarin Hanni Jutzi darf ihren 100. Geburtstag bei guter Gesundheit feiern. / Bild: Anne-Käthi Flükiger (akf)
Ranflüh: Morgen Freitag darf Hanni Jutzi-Widmer im Dändlikerhaus ihren 100. Geburtstag feiern. In ihrem langen Leben hat sie viel erlebt. Da gab es nicht nur sonnige Tage – aber auch.

Hanni Jutzi wurde nicht zu Hause, sondern im Elternhaus ihrer Mutter geboren. Dies aus praktischen Gründen: Ihre Tante, die damals dort lebte, war Hebamme. Als Hanni Jutzi siebenjährig war, zog die Familie vom Zeitlistal in der Gemeinde Heimiswil ins Welschland nach La Rippe. Da begann für das Mädchen eine schlimme Zeit. Sie sprach kein Wort Französisch und weder die Schulkameraden noch die Lehrerin konnten Deutsch. Damit wurde für sie der Schulbeginn mehr als doppelt schwer. Zudem bezeichnete die Lehrerin sie auch als «Sauschwobe». Für die Lehrkraft waren alle Deutschsprechenden auch gleich Deutsche. Schwierige Jahre mit vielen bitteren Erinnerungen.

Deutsch lernen im Emmental

Hanni Jutzi wurde nach der Schulzeit wieder ins Emmental geschickt, um Deutsch zu lernen. So arbeitete sie in verschiedenen Haushalten. Mit der Mobilmachung 1940 wurde Hanni Jutzi dann oft mehr zum Knecht und musste bei den Bauern hart arbeiten. 1946 begann sie im Salemspital in Bern eine Lehre als Krankenschwester. Nach nur einem halben Jahr erkrankte sie an Tuberkulose und musste den Beruf aufgeben. Hanni Jutzi meint aber rückblickend: «Ach, das war nicht so schlimm, ich arbeitete sowieso viel lieber draussen an der frischen Luft.»

WC auf dem Flur

1950 heiratet Hanni Jutzi ihren Ehemann Willy Jutzi. Kennengelernt hat sie den Rüderswiler beim Hornussen im Welschland. Sie zogen zusammen nach Bern in eine günstige Wohnung mit WC im Flur. Die Wäsche wurde draussen im Hof gewaschen. Nachdem 1951 das erste Kind gleich nach der Geburt verstorben ist, wurde dem Paar 1955 ein Sohn und fünf Jahre später eine Tochter geboren. Ihre beiden Kinder waren ihr stets eine ganz besondere Freude. Auch ihre vier Pflegekinder hat sie gerne und mit grossem Einsatz grossgezogen, und sie sind ihr ans Herz gewachsen.

«Ghöiet u gartnet»

Ihr Mann arbeitete sich hoch zum Werkstattchef der Firma Losinger und so wurden mit den Jahren auch die Wohnungen etwas komfortabler. Später zogen sie nach Rüderswil, auf das elterliche Heimet von Willy Jutzi. Wie Hanni Jutzi sagt, war der Hof «zum Leben zu klein, zum Sterben zu gross». Also wurden die drei Kühe verkauft und das Land bis auf die «Hoschtett» verpachtet. Hanni Jutzi hat auch hier wieder angepackt und «ghöiet u gartnet». Sie liebt Blumen, vor allem Sommeraster und Margriten. Willy Jutzi arbeitete weiterhin in Bern bei Losinger. Es folgten auch mehrere Reisen ins Ausland. 

Mit 99 Jahren noch ein Umzug

Im vergangenen Oktober wurde dann aus gesundheitlichen Gründen ein Umzug ins Dändlikerhaus in Ranflüh unumgänglich. Hier fühlt sich Hanni Jutzi sehr gut aufgehoben und umsorgt. Aber das Zuhause fehlt ihr doch. Sie macht täglich flotten Schrittes ihre Spaziergänge, unterhält sich mit wachem Verstand gerne mit Menschen aus ihrem Umfeld und freut sich, wenn ihr jemand vorliest. 

Nun darf Hanni Jutzi-Widmer morgen Freitag bei guter, Gesundheit ihren 100. Geburtstag feiern. Die Rüderswiler Musik wird sie im Spätsommer im Dändlikerhaus besuchen und ihr, wie in den vergangenen Jahren, ein Ständchen bringen.