Oberthal holt seine Sekschüler zurück, andere überlegen es sich auch

Oberthal holt seine Sekschüler zurück, andere überlegen es sich auch
Ab dem nächsten Sommer werden mehr Jugendliche in der Oberstufe von Oberthal unterrichtet. / Bild: Pedro Neuenschwander (pnz)
Oberthal: Ab dem Schuljahr 2021/22 werden die Sekschüler in der Dorfschule und nicht mehr in Grosshöchstetten unterrichtet. Auch dort überlegt man sich einen Modellwechsel.

War es lange Zeit üblich, dass Sek- und Realschüler getrennt unterrichtet werden, findet heute immer öfter ein Wechsel hin zu einem durchlässigen Modell statt (siehe Artikel Seite 2). Dabei werden die Lernenden in allen oder in einem Teil der Fächer gemeinsam unterrichtet. Das bietet auch kleineren Schulen die Möglichkeit, alle 7.- bis 9.-Klässler im Ort zu behalten. Walkringen hat diesen Schritt vor ein paar Jahren gemacht. Zuvor gingen die Kinder mit Sekniveau nach Biglen. Trub und Trubschachen werden ab 1. August 2021 alle Oberstufenschüler in Trubschachen unterrichten – heute besuchen die Sekschüler die Schule in Langnau.

Bevölkerung steht dahinter

Nun hat auch die Gemeinde Oberthal entschieden, ab nächstem Sommer die Sekundarschülerinnen und -schüler nicht mehr nach Grosshöchstetten zu schicken. Die Gemeindeversammlung von Mitte Juni genehmigte diesen Wechsel ohne Gegenstimme. «Wir sind froh um dieses klare Resultat», sagt Gemeindepräsident Andreas Steiner. Schon an den Infoveranstaltungen sei das Vorhaben mehrheitlich positiv beurteilt worden. Für eine kleine Schule wie Oberthal sei es entscheidend, wenn in der Oberstufe pro Jahrgang drei bis vier Schüler fehlten, insgesamt also neun bis zehn Jugendliche. «Längerfristig wäre die Oberstufe in unserer Gemeinde gefährdet», gibt Steiner zu bedenken. Vor allem aber gehe es um das Wohl der Kinder. Mit dem durchlässigen Modell könnten die Schüler individuell gefördert werden. Sei jemand stark in Deutsch, werde er darin auf Sek-
niveau unterrichtet, in Math und Französisch könne er auf Realniveau bleiben, nennt Andreas Steiner ein Beispiel. «Zudem gilt bereits als Sekschüler, wer in zwei Hauptfächern das Niveau erreicht.» Finanziell würden sich alle geprüften Modelle – Satus Quo, ganze Oberstufe in Oberthal, ganze Oberstufe in Grosshöchstetten – in etwa die Waage halten. Dies dank dem es keine zusätzlichen Lehrpersonen brauche und sie keine grossen baulichen Veränderungen tätigen müssten. «Im Schulhaus hat es eine leerstehende Wohnung, die wir für den Unterricht nutzen können. Die Kosten für den Umbau betragen maximal 100’000 Franken», so Steiner.

Grosshöchstetten vor Veränderungen

In Grosshöchstetten bedauert man den Weggang der Sekschüler aus Oberthal. Dies umso mehr, als man sich Gedanken über die künftige Ausrichtung der Sekundarschule beziehungsweise der Oberstufe mache, wie Gemeindepräsidentin Christine Hofer betont. Eine Arbeitsgruppe, in der alle Vertragsgemeinden (Zäziwil, Oberthal, Mirchel, Oberhünigen) vertreten sind, befasse sich mit den verschiedenen Möglichkeiten. Heute werden Sek- und Realschüler in allen Fächern getrennt unterrichtet. «Ich könnte mir vorstellen, dass es in Richtung Durchlässigkeit geht», sagt Christine Hofer. Weil sich auch die einzelnen Gemeinden einen Wechsel des Schulmodells überlegten, sei die Planung nicht ganz einfach. Folgen diese dem Beispiel von Oberthal, wirkt sich das auf die Oberstufe in Grosshöchstetten direkt aus. «Heute stammen etwa die Hälfte der Sekschüler aus den Vertragsgemeinden. Würden diese wegfallen, gäbe es etwa drei Klassen weniger. Das hätte Einfluss auf die Anzahl Lehrpersonen und die ganze Organisation», erklärt Christine Hofer. Auch die Schulraumplanung hänge damit zusammen. 

Zäziwil und Oberhünigen prüfen 

Die meisten auswärtigen Sekschülerinnen und -schüler in Grosshöchstetten stammen von der Schule Region Zäziwil. Das seien zwischen 35 und 40 Kinder, sagt die zuständige Gemeinderätin Yvonne Thierstein. Derzeit prüfe eine Arbeitsgruppe die verschiedenen möglichen Modelle für die Schule Region Zäziwil. «Ziel ist es, an der Gemeindeversammlung im Dezember zu informieren, welchen Weg der Gemeinderat einschlagen will.» Zäziwil und Oberhünigen führen eine gemeinsame Schule. Die Oberstufe befindet sich in Oberhünigen.

Auch in der vierten Vertragsgemeinde, in Mirchel, macht man sich Gedanken über die Ausrichtung der Oberstufe. Gemäss Gemeindeverwalter Antonio Corvaglia seien aber noch keine konkreten Schritte unternommen worden.

Trachselwald befasst sich mit Auslagerung

Den umgekehrten Weg von Oberthal (siehe Hauptartikel) prüft die Gemeinde Trachselwald. Eine Arbeitsgruppe befasse sich mit der Auslagerung der Oberstufe ab Sommer 2021 nach Sumiswald, sagt Ressortvorsteher Martin Hunziker. Dort werden bereits die Sekschüler unterrichtet. Grund für die Überlegungen sind die geringen Schülerzahlen. «Wir befinden uns im unteren Überprüfungsbereich und haben eigentlich keine andere Wahl, als so zu handeln.» Sie hätten auch darüber nachgedacht, die gesamte Oberstufe selber zu unterrichten. «Diese Lösung wäre schwierig und nicht nachhaltig», so Hunziker. Ausserdem arbeite man mit Sumiswald gut zusammen und die Lernenden hätten ein grösseres Angebot etwa an Wahlfächern.