Die Spuren des Deutschritterordens führen bis ins Schloss Sumiswald

Die Spuren des Deutschritterordens führen bis ins Schloss Sumiswald
So sah das vom Deutschritterorden erbaute Schloss um 1670 aus, als es bereits vom Staat Bern konfisziert worden war. / Bild: zvg
Sumiswald: Der Deutschritterorden möchte an seine einstige Wirkungsstätte zurückkehren. Nicht mit Rüstung und Schwert natürlich, sondern mit einem Museum im Schloss.

Der 1190 gegründete Deutschritterorden hat nicht nur Spuren in der Vergangenheit hinterlassen – er existiert bis heute (siehe Kasten). Francesco Cerea ist eines der wenigen Laienmitglieder, das, ausserhalb des Klosters, in der Schweiz lebt. Fasziniert von Gotthelfs Roman «Die schwarze Spinne» besuchte er vor einigen Jahren Sumiswald. Eine der Hauptfiguren in der Erzählung, die um das Jahr 1230 spielt, ist Hans von Stoffeln, Ritter und Vorsteher des Deutschen Ordens in Sumiswald. «Leider fand ich vor Ort nur wenige Hinweise auf den Deutschen Orden, obwohl dieser in der Geschichte der Gemeinde durchaus von Bedeutung ist», sagt der Historiker aus dem Kanton Tessin.* So schenkte der Freiherr Lütold von Sumiswald im Jahr 1225 dem Orden unter anderem die Kirche von Sumiswald. Dieser musste sich verpflichten, in einem Spital Arme, Kranke und Pilger aufzunehmen. Die Deutschritter erbauten darauf das Schloss mit Kapelle und Gutsbetrieb.

Private Sammlung zeigen

Für Francesco Cerea ist es eine Herzensangelegenheit, die Geschichte des Ordens in Sumiswald und der Region bekannt zu machen. Aus diesem Grund gelangte er mit der Idee an den Gemeinderat, im Schloss ein kleines Museum einzurichten. «Damit möchte ich natürlich die Einwohner ansprechen, aber auch Schulklassen und Touristen», betont Cerea, der als Kulturdirektor des Vereins «die schönsten Schweizer Dörfer» und als Universitätsdozent arbeitet. Er wolle die Geschichte des Deutschen Ordens allgemein, aber auch in Bezug auf die Schweiz und im Speziellen auf Sumiswald aufzeigen. Dazu erwägt Francesco Cerea, der Gemeinde einen Teil seiner Sammlung zu schenken. «Diese enthält alte Radierungen mit Porträts von Grossmeistern, Rittern und Burgen des Deutschen Ordens», erklärt der Historiker. Hinzu kämen kostbare Silbermünzen und Medaillen. 

Noch viele Fragen zu klären

Der Idee steht der Gemeinderat von Sumiswald positiv gegenüber. Für ein Vorprojekt hat er kürzlich 3000 Franken bewilligt. «Das Museum wäre sicher eine gute Ergänzung zu anderen Angeboten im Schloss, etwa dem Bed and Breakfast », meint Gemeindepräsident Fritz Kohler. Jedoch seien noch zahlreiche Fragen zu klären. Wo könnte das Museum untergebracht werden? «Zur Debatte steht einerseits die Schlosskapelle mit dem Café, andererseits zwei Räume im Eingangsbereich, die frei werden.» Kohler rechnet mit einer Ausstellungsgrösse von maximal 70 Quadratmetern. Weiter gelte es, ein Betriebskonzept zu erarbeiten. «Ob das Museum feste Öffnungszeiten hat oder nur für Führungen zur Verfügung steht, ist eine der offenen Fragen», so der Gemeindepräsident. Nicht zuletzt müsse die Finanzierung geklärt werden. 

Dass das Museum über den Deutschen Orden gut zum Schloss passen würde, hat auch wieder mit Gotthelfs «Die schwarze Spinne» zu tun. Dazu ist nämlich ein Themenweg geplant mit einer Station im Schloss.


*Paola Maggio, die den Reiseblog «direzioneaeroporto» führt, unterstützt Francesco Cerea bei seinem Projekt. Sie hat die Fragen und Antworten ins Italienische beziehungsweise Deutsche übersetzt. 

Die wechselvolle Geschichte des Deutschen Ordens

Der Deutsche Orden, auch Deutschritterorden genannt, wurde 1190 in Palästina gegründet, um das Heilige Land zu verteidigen sowie kranke Pilger und Kreuzritter zu pflegen. Im 13. Jahrhundert, der Zeit seiner grössten Blüte, war der Orden in ganz Europa und im Mittelmeerraum präsent. Später konzentrierte er sich auf die Christianisierung der baltischen Länder, wo schliesslich auf einem Gebiet von 200’000 Quadratkilometern ein eigener Staat gegründet wurde. Durch die Niederlage 1410 in der Schlacht bei Tannenberg gegen ein polnisch-litauisches Heer, durch einen Konflikt mit Preussen und die Reformation verloren die Deutschritter stark an Einfluss im preussischen und baltischen Raum. Der Orden bestand jedoch im Heiligen Römischen Reich mit erheblichem Grundbesitz fort, vor allem in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz. Im Kanton Bern gab es Ordenshäuser in Bern, Köniz und Sumiswald (siehe Hauptartikel). 

Unter den Nazis verboten

Im 19. Jahrhundert war der Orden eng mit dem Geschlecht Habsburg verbunden. Viele Grossmeister stammten aus dem österreichischen Kaiserhaus, waren aber aargauischer Herkunft (Habsburg AG). Nach dem Ersten Weltkrieg gingen viele Besitztümer und die ritterliche Komponente verloren. Unter den Nationalsozialisten war der Orden verboten und seine Mitglieder wurden teilweise verfolgt. Heute zählt der Orden rund 1100 Mitglieder, darunter 100 Priester und 200 Ordensschwestern, die sich vorwiegend sozialen Aufgaben widmen. 

Quellen: Francesco Cerea, www.deutscher-orden.atWikipedia, Historisches Lexikon der Schweiz