Der EHC Brandis steht unter Druck und muss ums Überleben kämpfen

Der EHC Brandis steht unter Druck und muss ums Überleben kämpfen
Momentan macht dem EHC Brandis nicht der Gegner zu schaffen, sondern die Corona-Massnahmen. / Bild: Stephan Schori (ssr)
Hasle: Weil der EHC Brandis sein Hockeyfest wegen der Corona-Massnahmen absagen musste, ist er in seiner Existenz gefährdet. Nun startet der Verein die Aktion Herzblut.

Für manchen Amateur-Eishockeyclub brechen harte Zeiten an. Einnahmen aus Anlässen und von Sponsoren drohen wegzubrechen. Dies bekommen die drei 2.-Liga-Klubs aus der Region der «Wochen-Zeitung» zu spüren (siehe auch Artikel links). Seit rund 40 Jahren führt der EHC Brandis, früher noch als SC Hasle-Rüegsau, im Mai das Hockeyfest durch. Dieses Jahr nun macht das Coronavirus einen dicken Strich durch die Rechnung. Weil bis mindestens Ende August Grossanlässe mit über 1000 Leuten verboten sind, entschied sich die Vereinsführung, das Fest abzusagen. Es auf gut Glück auf September zu verschieben, war den Verantwortlichen ein zu grosses Risiko. 

Die Absage reisst ein grosses Loch ins Budget des EHC Brandis, welcher ein Team in der 2. und eines in der 3. Liga stellt: Einerseits fehlten die Einnahmen aus den Eintritten fürs Fest, erklärt Hans-Jakob Rickli, OK-Chef des Hockeyfests und Mitglied der operativen Leitung. Andererseits seien auch zahlreiche Sponsoringbeiträge mit dem Fest verknüpft. Unternehmen wie der Bühnentechniker, der Zeltvermieter und Restaurants verdienen am Fest und entrichten im Gegenzug einen Beitrag in die Klubkasse. Jetzt, da diese Betriebe keine Arbeit mehr hätten, fliesse verständlicherweise auch kein Geld mehr an den Verein, schildert der OK-Chef das Problem. «Das alles macht mindestens einen Drittel des Budgets des EHC Brandis aus.»

Wenig Sparpotenzial, hohe Fixkosten

Weil durch die drohende Rezession für die nächste Saison generell mit weniger Sponsoring- und Gönnerbeiträgen zu rechnen sei, präsentiere sich die Lage prekär, betont Rickli. Die Einsparmöglichkeiten seien gering. Trainer und Assistenztrainer verzichteten bereits auf ihre Entschädigung. Die Fixkosten für jede Saison, hauptsächlich die Eismiete, seien für zwei Mannschaften hoch. Doch aufgeben will die Führungscrew nicht. «Uns liegt zu viel am EHC Brandis! Deshalb starteten wir die Spendenaktion ‹Herzblut für Brandis und Partner›, denn davon steckt viel in diesem Verein.»

Das Hockeyfest wird, in bescheidenerem Rahmen, virtuell durchgeführt. Dafür können Tickets ab 30 Franken gekauft werden. Am 22. Mai werden in einem Livestream drei DJs auflegen, dazwischen gibts Livetalks mit Gästen. «Dies ist eine kleine Gegenleistung für die Spenderinnen und Spender», sagt Hans-Jakob Rickli. Als Minimalziel hat die Klubführung 2000 verkaufte Tickets à 30 Franken festgelegt, das Wunschziel liegt bei 3500. So viele Leute besuchten in den letzten Jahren das Fest. «Erreichen wir die 60’000 Franken, können wir in die neue Saison starten. Liegen wir darunter, erhalten alle ihr Geld zurück. Das würde das Ende des Klubs bedeuten», erklärt der OK-Präsident das Prozedere. Das Risiko, mit nur der Hälfe des Betrags in die Saison zu starten und dann plötzlich nicht mehr liquid zu sein, wollten sie nicht eingehen.

Auch Partner sollen profitieren

Gelingt die Aktion, werden auch die 16 Unternehmen, die normalerweise am Fest mitwirken, einen Anteil erhalten. «Es ist uns wichtig, unseren Partnern und Lieferanten, die sich selber in einer schwierigen Lage befinden, zu helfen», so Rickli. Im besten Fall sollen sie denselben Betrag erhalten, wie wenn das Fest stattgefunden hätte. Auch der Nachwuchs, der gemeinsam mit den Frauen in einem eigenständigen Verein organisiert ist, wird am Erfolg beteiligt. Die Brandis Juniors betreiben am Fest jeweils ein Pizzazelt, ihnen fehlt nun diese Einnahmequelle.

Ihnen sei bewusst, dass sie das Ziel hoch gesteckt hätten, sagt Hans-Jakob Rickli. «Die vielen positiven Reaktionen, die wir schon erhalten haben, stimmen uns aber zuversichtlich.»

Die Eiszeiten müssten weitervermietet werden

Sollte der EHC Brandis im schlimmsten Fall die nächste Saison nicht bestreiten können (siehe Hauptartikel), hätte dies auch Auswirkungen auf die Sportbetriebe Brünnli AG, die Betreiberin der Eishalle in Hasle. «Der EHC Brandis ist, nach den Brandis Juniors mit den Brandis Ladies, der zweitgrösste Mieter», sagt Verwaltungs-ratspräsident Walter Wüthrich. Der Anteil liege bei rund 25 Prozent. Über weitere Einnahmenquellen verfügten sie nicht. Sie hätten sich schon länger von einem Sommerbetrieb mit Festen distanziert. Dazu sei die Brünnli-Halle, mitten im Wohnquartier, auch ungünstig gelegen. 

Könnte der EHC Brandis die nächste Saison nicht spielen, müssten die freien Eiszeiten weiterverkauft werden. «Das wäre wahrscheinlich sogar möglich, da es sich um gefragte Zeiten handelt. Es wäre für uns also nicht existenzbedrohend», sagt Wüthrich. Aber natürlich sei dies das Letzte, was sie wollten. Entgegenkommen bei den Eismieten könne die Brünnli AG nicht. «Wir arbeiten bereits heute knapp kostendeckend, da liegt nicht mehr drin.»