«Das Rennvirus ist mir lieber»

«Das Rennvirus ist mir lieber»
Trainiert zwar regelmässig, kann derzeit aber keine Rennen bestreiten: Loris Freidig aus Sumiswald. / Bild: zvg
Motocross: Früh übt sich, wer in der Motocross-Profiguilde mitfahren will. Einer, der schon von klein an Benzin im Blut hat, ist der 22-jährige Sumiswalder Loris Freidig.

Die Freude am Motocrossfahren wurde Loris Freidig in die Wiege gelegt, schwangen sich doch schon beide Elternteile einst auf schnelle Geländemaschinen. Vater Heinz wurde fünfmal Schweizermeister im Endurosport, Mutter Eveline fuhr Plauschrennen und Meisterschaften in der Frauen-Kategorie. 1998, im Geburtsjahr von Freidig junior, holte sich der italienische Töffstar Loris Capirossi den Titel in der 250er-Strassenweltmeisterschaft. Das war für die Eltern Anlass genug, ihrem Sohn ebenso diesen Vornamen zu geben. 


Früh übt sich, wer Meister werden will

Im Alter von vier Jahren sass Loris Freidig zum ersten Mal auf einer 50-Kubik-Suzuki RM50. Es folgten erste Runden auf den Feldwegen rund um Enggistein, dem früheren Wohnort der Familie. «2003, im Alter von fünf Jahren, bestritt ich bereits mein erstes Rennen», erzählt Freidig. Zwei Jahre später folgte die erste komplette Rennsaison, die AFM-
Meisterschaft (Association Fribourgeoise de Motocycliste). 2006, immer noch in der 50er-Klasse unterwegs, resultierte in der AFM-Jahreswertung bereits Rang drei. Stufe um Stufe arbeitete sich Loris Freidig auf der Motocross-Erfolgsleiter nach oben. 2007 folgte der Wechsel in die 65-Kubik-Klasse. «Das war nicht einfach für mich. Das erste geschaltete Motorrad brauchte Angewöhnungszeit», erinnert sich Freidig. Von 2013 bis 2018 pilotierte er ein noch grösseres und stärkeres Bike, eine 250er-Husquarna. Letztes Jahr erfolgte der Wechsel zu Yamaha. «Es war ein strenges Jahr, wir fuhren unter anderem Rennen in Portugal, Spanien, Schweden und England. Die ganze Zeit mit dem Team unterwegs zu sein war eine lehrreiche Erfahrung», führt der Motocrosser weiter aus. Dabei resultierte
in diesem Jahr der dritte Platz in
der Inter-MX2-Schweizermeisterschaft (250ccm) sowie ein Laufsieg.


Berufliche Basis für die Zukunft

Eine solide berufliche Grundausbildung, Leistungssport und die rare Freizeit unter einen Hut zu bringen, war und ist Loris Freidig und seinen Eltern ein grosses Anliegen. Diese begleiten den Sohn an alle Wettkämpfe im In- und meist auch im Ausland. «Die Möglichkeit, an einer Sporthandelsschule in Bern die KV-Lehre auf vier Jahre auszudehnen, kam mir entgegen», erklärt das Motocross-Talent. Nach erfolgter Abschlussprüfung im letzten Jahr kann er sich nun Kaufmann EFZ nennen. Und das ist noch nicht genug, hat der junge Mann doch bereits mit der Berufsmaturität begonnen. 

«Parallel zur Schule konnte ich zwei bis dreimal pro Woche auf einer öffentlichen Anlage in Wattenwil trainieren. Das ist meine Lieblingsstrecke, die kenne ich wie meine Hosentasche», erzählt Freidig. Mittlerweile trainiert er auf einer Strecke in der Westschweiz und versucht mindestens dreimal pro Woche dahinzufahren, je nach dem wie es mit seiner Arbeit aufgehe. Tägliches Fitnesstraining im Bereich Ausdauer gehört ebenso zum Alltag. «Ich übe gerne auch andere Sportarten aus wie Eishockey, Fussball und Skifahren. Bereiche, in denen ich viele Faktoren nicht selber kontrollieren kann, finde ich jedoch nicht so toll», ergänzt der Motocrossfahrer. Sofern ein wenig Zeit übrig bleibe, bekoche er gerne seine Familie.

 

Grosse Ziele

20 bis 30 Rennen stehen jährlich auf dem Programm, rund ein Drittel davon für die Schweizermeisterschaft. «Längerfristig möchte ich fit bleiben, mein Niveau ständig verbessern, aus meinen Fehlern lernen und in möglichst vielen Bereichen des Lebens mein Potenzial ausschöpfen. Wenn ich noch einmal die Chance bekomme, an einem WM-Rennen zu fahren, ist es mein Ziel, WM-Punkte zu holen», fügt der Fahrer an. Die Kosten für die Reisen und Unterkunft gehen in dieser Sportart vorwiegend zu Lasten der Fahrer. Er ist daher froh, bei der Freidig Moto-Active GmbH, die im Grosshandel von Motorradzubehör und Ersatzteilen tätig ist, auf eine 70-Prozent-Anstellung zurückgreifen zu können. Die Firma gehört neu zur Hostettler Group mit Sitz in Sursee, die ihm nebst anderen Firmen finanziell unter die Arme greift. «Ich bin froh, wenn die Corona-Zeit bald beendet ist und ich wieder Rennen fahren kann. Auch wenn sich in meinem Alltag nicht viel verändert hat, wäre mir das Rennvirus definitiv lieber», meint Freidig.