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Dem neuen Pfarrer steht eine wichtige und heikle Aufgabe bevor
Dem neuen Pfarrer steht eine  wichtige und heikle Aufgabe bevor Escholzmatt:

Für den künftigen Pastoralraum Oberes Entlebuch wird ein Pfarrer gesucht. Dies nachdem der Vertrag mit Pfarrer Nworie Polycarp in Escholzmatt nicht verlängert wird.



In der Kirchgemeinde Escholzmatt steht ein Pfarrerwechsel an. Mit dem jetzigen Priester Nworie Polycarp wurde 2013 ein Vertrag bis Sommer 2017 abgeschlossen. «Es war vorgesehen, dass er anschliessend in sein Ursprungsbistum in Nigeria zurückkehrt», erklärt Kirchenratspräsidentin Eva Studer. Weil es dort nun zu Verschiebungen gekommen sei, könne er vier weitere Jahre in Europa bleiben. «Damit stellte sich uns die Frage, ob wir den Vertrag mit ihm verlängern wollen oder nicht», sagt Eva Studer. Sie hätten dies eingehend geprüft, auch im Wissen darum, dass es nicht einfach sein dürfte, einen Nachfolger zu finden. Schliesslich hätten sie sich aber dazu durchgerungen, den Vertrag nicht zu verlängern. 

Zu wenig Rückhalt

Welche Gründe haben den Ausschlag gegeben, einen neuen Pfarrer zu suchen? Ein «nicht kleiner» Anteil der Bevölkerung habe sich mit dem Priester aus dem fremden Kulturkreis auch nach vier Jahren nicht anfreunden können, sagt Eva Studer. Dass es zu Beginn für beide Seiten nicht einfach gewesen sei, bestreitet die Kirchenratspräsidentin nicht. «Es ist ja klar, dass ein Priester aus Nigeria, der erst zwei Jahre in der Schweiz weilt, mit der Kultur und den Traditionen im Entlebuch nicht vertraut ist.» Dank vieler Gespräche und der Bereitschaft auf beiden Seiten, sich anzunähern, habe man einen gemeinsamen Weg gefunden. «Missverständnisse konnten ausgeräumt werden und das Vertrauen ist gewachsen.» Aber eben nicht bei allen Gemeindegliedern. Dabei sei es nicht um konkrete Probleme gegangen, die man hätte lösen können, sagt Eva Studer. War es bei den einen vielleicht die Sprache – Pfarrer Polycarp spricht Hochdeutsch – mögen andern die kulturellen Unterschiede Schwierigkeiten bereitet haben. «Insgesamt ist der Rückhalt in der Gesamtbevölkerung zu gering.»

Herausforderung Pastoralraum 

Ein weiterer Grund, dass Pfarrer Polycarp nicht weiterbeschäftigt wird, liegt gemäss Eva Studer im künftigen Pastoralraum Oberes Entlebuch. In diesem Zusammenhang werden die beiden Kirchgemeinden Escholzmatt und Marbach zusammengeführt (siehe Kasten). Der künftige Pfarrer müsse diese Zusammenführung bewerkstelligen. «Dies bedingt gute Kenntnisse, wie unsere Gesellschaft hier funktioniert und wie alles gewachsen ist. Auch dorf- und familienpolitische Gegebenheiten spielen eine Rolle.» Ohne das Wissen um solche Zusammenhänge sei das grosse und heikle Projekt nicht durchführbar. Pfarrer Polycarp werde zu wenig Vertrauen entgegengebracht, um diesen Auftrag zur Zufriedenheit der Bevölkerung erfüllen zu können, führt die Kirchenratspräsidentin aus. 

Pfarrer Nworie Polycarp selber wollte keine Stellung nehmen.

Bisher keine Bewerbung

Wie die Nachfolge geregelt wird, steht derzeit noch offen. Von Anfang Juli bis Ende September wird Joshy Puthussery aushelfen; er übernahm die Vertretung schon im Sommer 2013 nach dem Weggang von Ruedi Vogel. Auf eine Ausschreibung in der Schweizerischen Kirchenzeitung hat sich niemand beworben. «Wir werden nun Personen aus unserem Bistum direkt anfragen, ob für sie ein Wechsel in Frage komme», sagt Ruedi Heim, Bischofsvikar im Bistum Basel, zu dem das Entlebuch gehört. Die Zeiten, da der Bischof Versetzungen anordnete, sind vorbei. «Heute kommt es nur zu einer Anstellung, wenn es für alle drei Parteien stimmt: den Pfarrer, die Kirchgemeinde und das Bistum.» Ein Blick auf die Homepage des Bistums Basel zeigt, dass zahlreiche Stellen neu zu besetzen sind. Findet sich kein Priester, kann auch ein Gemeindeleiter, der nicht die Priesterweihe empfangen hat, eingesetzt werden. In diesem Fall wird das Seelsorgeteam durch einen mitarbeitenden Priester unterstützt.  

 


Pfarreien sollen zusammenarbeiten

Vor zehn Jahren begann das Bistum Basel damit, die Pfarreistrukturen neu zu organisieren. Die 452 Pfarreien in neun Kantonen sollen in 104 Pastoralräumen zusammenarbeiten. Bis jetzt sind 73 von ihnen errichtet, so auch jene im Unteren und im Mittleren Entlebuch. Ein Ziel ist es, dem Priestermangel zu begegnen. In der Regel wird ein Pastoralraum von einem Pfarrer geführt, dem ein Team zur Seite steht. Mitarbeiter können in einem grösseren Gebiet besser ihren Fähigkeiten entsprechend eingesetzt werden, dies ein weiterer Vorteil. «Bisher galt jede Pfarrei als Anbieterin von allem für alle. Dies entspricht nicht mehr der Wirklichkeit, welche von einer grossen Mobilität und Individualität gezeichnet ist», erklärt Bischofsvikar Ruedi Heim.

Der künftige Pastoralraum Oberes Entlebuch – bestehend aus den Kirchgemeinden Escholzmatt und Marbach – soll von einem Seelsorgeteam unter einer Leitung geführt werden. Theodor Zimmermann, Pfarradministrator in Marbach, könne und wolle diese Aufgabe aufgrund seines Altes nicht übernehmen, sagt Ruedi Heim. 

 

20.04.2017 :: Silvia Ben el Warda-Wullschläger
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