Ein Batteriespeicher, um das Energiesystem zu stabilisieren

Ein Batteriespeicher, um das  Energiesystem zu stabilisieren
Die Batterieanlage soll direkt beim bestehenden Unterwerk der BKW gebaut werden. / Bild: zvg
Grosshöchstetten: Die BKW planen den Bau eines Batteriespeichers. Einen direkten Nutzen hat die Bevölkerung allerdings nicht, wie am Informationsanlass deutlich wurde.

Die Präsentation der BKW war kurz und bündig, danach wurden von den rund 70 Anwesenden aber viele Fragen gestellt. Der Reihe nach: Die Batteriespeicheranlage der BKW in Grosshöchstetten ist ein Pilotprojekt. Sie soll mithelfen, das Energiesystem zu stabilisieren: Steht zu viel Strom zu Verfügung, werden die Speicher geladen, ist die Energie knapp, werden sie entladen.

Der Standort Grosshöchstetten wurde ausgewählt, weil die BKW hier gemäss Projektleiter Dominik Huber ein ausreichend grosses Grundstück besitzt, Umweltgegebenheiten und Zonenkonformität stimmen und mit der Unterstation ein Stromnetz mit ausreichender Kapazität zur Verfügung steht. Acht Batteriecontainer mit total 50 Megawattstunden Speicherinhalt sind geplant. Dem Ladungs- und Entladungsprozess dienen fünf Wechselrichter. Mit dieser Batteriekapazität könnten 25 Dreipersonen-Haushalte ein Jahr mit Strom versorgt werden. Angeschlossen wird die Anlage aber an 16´000 Volt und ist somit nicht kompatibel mit den 400 und 230 Volt im Verteilnetz der Konsumenten. Grosshöchstetten ist einer von mehreren Standort solcher Projekte. Der grösste Batteriespeicher der BKW mit einer Kapazität von 800 Megawattstunden soll in Mühleberg zu stehen kommen.

Kein Einfluss auf Stromtarif

Nein, die Stromkonsumenten in Grosshöchstetten werden von diesem Speicher nicht profitieren, und Mitspracherechte gibt es auch nicht, zuständig ist das Eidgenössische Starkstrominspektorat. Das wurde aus der Fragerunde deutlich. Der Gemeinderat und die Energie Grosshöchstetten AG (ENGH) wurden über das Projekt informiert, aber der ENGH-Stromtarif wird davon nicht beeinflusst. Die Kosten für das Projekt in «ein- bis zweistelliger Millionenhöhe», wie Dominik Huber sagte, trägt allein die BKW. Die Technik für die Batterien in den Containern komme aus China, dem einzigen Hersteller solcher Erzeugnisse, sei aber sicher: Die Komponenten seien international getestet, das Prüfsiegel werde nur verliehen, wenn die Container bei simulierten Bränden kein Feuer gefangen hätten, betonte Huber. Bei den Wechselrichtern würden ausschliesslich europäische Hersteller berücksichtigt.

«Keine zusätzliche Gefahr»

Sind sie einmal in Betrieb, was gemäss Zeitplan im Oktober 2027 der Fall sein soll, werden die Speicher ein- bis zweimal pro Tag geladen und entladen. Auf die Frage nach Lärmemissionen war das BKW-Trio vorbereitet: Die Geräusche entstünden vor allem durch Kühlung, durch die Transformatoren und Leistungselektronik. Die würden an der Grundstücksgrenze nicht mehr als 60 Dezibel erreichen, was einem mässigen bis leisen Gespräch zweier Personen entspreche. Was aber bedeutet eine solche Anlage für die Sicherheit, müssen die Grosshöchstetter Wehrdienste aufrüsten? Mit der Unterstation sei bereits eine kritische Infrastruktur vorhanden, hiess es, mit dem Batteriespeicher entstehe keine zusätzliche Gefahr.

Wird, wenn die Grosshöchstetter Bevölkerung vom Speicher nicht direkt profitiert, wenigstens lokal produzierter Strom verwertet? «Tendenziell ja», war die Antwort dazu, aber weil Strom wie Wasser fliesst, ist das mit der Herkunft eine unsichere Sache. Können die Einheimischen dann wenigstens Anteilscheine kaufen? Auch das nicht, war die lakonische Antwort, aber «es steht ihnen frei, Aktien der BKW zu erwerben».

Die Freiluftstation der BKW wird ersetzt

Auf dem Gelände der bestehenden Unterstation am westlichen Rand von Grosshöchstetten erneuert die BKW seit März 2025 die Freiluftstation und das Betriebsgebäude mit der 16 Kilovolt Mittelspannungs-Schaltanlage. Die in die Jahre gekommene Freiluftstation wird durch eine sogenannte GIS-Anlage ersetzt. GIS steht für Gas-Insulated Switchgear. Das heisst, die Stromleiter liegen nicht mehr offen in der Luft, sondern sind in Metallgehäusen eingeschlossen, die mit einem isolierenden Schutzgas gefüllt sind. «Im Vergleich zur alten Freiluftanlage braucht die neue GIS viel weniger Platz, so dass sie im Gebäude verbaut werden kann», informiert die BKW-Medienstelle. Dadurch seien störende Umwelteinflüsse wie Schmutz, Feuchtigkeit und Gewitter kein Problem mehr. An der Funktion der Unterstation ändert sich mit der neuen Anlage nichts: Die Hochspannung aus dem überregionalen BKW-Verteilnetz wird transformiert, um Grosshöch-stetten und die nähere Umgebung zu versorgen.

Laut Auskunft der Medienstelle ist der Neubau der Unterstation keine zwingende Voraussetzung für den Batteriespeicher. Beide Vorhaben, Unterstation wie Speicher, seien
unabhängig voneinander vorangetrieben worden. Die direkte Nachbarschaft sei aber für den Speicher vorteilhaft, weil damit der Anschluss an das Stromnetz bereits bestehe.

04.06.2026 :: Rudolf Burger (bur)