Ein Emmentaler Krimi im Dahlienfeld

Ein Emmentaler Krimi im Dahlienfeld
Autorin Heidi Niederhauser liest aus ihrem Krimi «Dahlienknollen». / Bild: Leonie Riecicka (ler)
Langnau: Heidi Niederhauser las in der Bibliothek Langnau aus ihrem Debütroman «Dahlienknollen». Ein Ermittler mit Problemen, eine Gärtnerstochter sowie Korbblütler sind die Zutaten.

Schon beim Eintreten wird man von der Vorfreude erfasst, die förmlich in der Luft liegt. Die Plätze in der Langnauer Bibliothek sind fast voll besetzt, und ein Gemurmel erfüllt den Raum.

Die Geschichte hinter dem heute präsentierten Werk habe vor drei Jahren in einer Gärtnerei begonnen, erklärt Heidi Niederhauser. Beim Anblick der Blumenpracht habe sie eine plötzliche Eingebung gehabt und zu ihrer Begleiterin gesagt: «Jetzt sehe ich sie im Dahlienfeld liegen.»

Diese Vision war die Geburtsstunde ihres Debütkriminalromans «Dahlienknollen». Die Autorin liebe diese Pflanzen zwar privat sehr. Im Buch informiert sie jedoch nur in wohlportionierten Häppchen über botanische Details – etwa, dass die Dahlie die Nationalblume Mexikos ist.

Ein Emmentaler Antiheld

Die Autorin macht es ihrem Protagonisten Lüdi nicht einfach. Frisch von seiner Partnerin Lea getrennt, strauchelt der Ermittler mehr schlecht als recht durchs Leben. Als die Tochter eines Gärtners leblos im Dahlienfeld aufgefunden wird, sieht er seine Stunde gekommen. Doch es gibt eine Hürde – Lüdi ist bis auf Weiteres vom Dienst suspendiert, gebeutelt von der Trennung und nur von seiner Angelrute und einem erotischen Abenteuer über Wasser gehalten. Schliesslich ist es sein Vorgesetzter, der Lüdi wieder in den Dienst beordert, denn auch im behäbigen Emmental herrscht Fachkräftemangel.

Anpassungen Deutschland zuliebe

«Bei der Gestaltung dieser Hauptfigur war es mir wichtig, einen echten Antihelden zu schaffen – einen Charakter mit Brüchen, der vor allem durch Kaffee funktioniert», erzählt die Autorin. Um die Geschichte für den deutschen Markt anzupassen, habe sie zwar einige Begriffe glätten müssen (so wurde aus den «Ferien» der «Urlaub» und aus dem «Rossgebiss» das «Pferdegebiss»), doch die Seele des Romans bleibt tief im Emmental verwurzelt.

Da sie aus rechtlichen Gründen keine echten Ortsnamen verwenden durfte, ist der Text mit zahlreichen «Ostereiern» gespickt. So können aufmerksame Lesende gemeinsam mit Lüdi den Vorkommnissen auf den Grund gehen und entdecken, was sich in der idyllischen Landschaft alles verbirgt. Was sich Lüdi zum Schluss offenbart, hätte er selbst wohl nie zu denken gewagt.

07.05.2026 :: Leonie Riecicka (ler)