Dieter Sigrist liest Geschichten «Ds glismete Bikini». / Bild: Gertrud Lehmann (glh)
Rüegsauschachen: Eingeladen von der Regionalbibliothek, las Dieter Sigrist Kurzgeschichten aus dem neuen Buch «Ds glismete Bikini» vor. Sie erzählen aus dem Leben von Lis Frey-Müller.
Ein gestricktes Bikini ziert das Titelblatt des Buches, aus dem Dieter Sigrist in der Bibliothek Rüegsauschachen vorliest. Seine Gattin hat es eigens zu diesem Zweck gestrickt – zur Nachahmung sei dies jedoch nicht empfohlen!
Eigentlich erzählt Sigrist in seinem neuen Buch «Ds glismete Bikini» nicht seine Geschichten. Der pensionierte Lehrer aus Sumiswald ist bekannt als Lokalhistoriker und ehemaliger Veranstalter der «Chlyne Büni». Er habe auf der Suche nah alten Fotos für eine Chronik die Bekanntschaft von Lis Frey-Müller gemacht, erklärt er. Diese wuchs in Sumiswald auf, nach ihrer Heirat lebte sie als Journalistin im Kanton Aargau. Die berndeutschen Kurzgeschichten aus der Jugendzeit, ihrer Enkeltochter gewidmet, seien vielleicht auch ein wenig Heimwehbewältigung gewesen, meint Sigrist. Noch bevor Frey-Müller die Sammlung als Buch herausgeben konnte, ereilte sie das Schicksal bei einem tödlichen Verkehrsunfall. «Es wäre schade gewesen, wenn die 50 unterhaltsamen Erzählungen verloren gegangen wären», erklärt Dieter Sigirst. So hat er die Geschichten, behutsam überarbeitet, herausgebracht.
«Genau, so war es»
Lis Frey-Müller, geboren im Jahr 1935, verbrachte ihre Jugend zusammen mit den drei Geschwistern in der Mur bei Sumiswald. Ihr Vater betrieb dort eine mechanische Werkstatt.
In der ersten Geschichte, «Mueterwou», lernen wir sie als Schülerin kennen. Diese geniert sich furchtbar, als herauskommt, dass ihre Mutter erneut schwanger ist. Über solche Sachen habe man in der Familie nicht geredet. Ein Nachbarsbub zog sie beim Milchholen in der Käserei damit auf, und sie traute sich nicht, daheim zu fragen, ob es stimme. «Genau, so war es», sind sich die durchwegs älteren Zuhörerinnen und Zuhörer in der Bibliothek einig, «unsere Generation war unaufgeklärt, und unheimlich ‹schüüch›».
Dann geht es ums «Schnäggesueche». Weinbergschnecken galten nämlich in Restaurants als Delikatesse. Das so verdiente und angesparte Sackgeld ergab ein Muttertagsgeschenk – die Bleikristallvase aus dem Dorfladen, glitzernd wie ein «Juwel». Das «glismete Bikini» wird natürlich ein Desaster, weil die nasse Wolle beim Auftauchen herunterrutscht.
Auch die nächsten Geschichten, über das Welschlandjahr und von einer Campingreise nach Peru, geben viel zu lachen. Eigene Erlebnisse werden im Publikum wach, und sogleich erörtert.