Fast vergessene Emmentaler Musik

Fast vergessene Emmentaler Musik
Die Gruppe Friya nimmt sich mit ihrem Programm «Niene geits» alter Volksmusik aus dem Emmental an. / Bild: Beatrice Keck (keb)
Langnau: Alte Volksmusik aus dem Emmental ist die grosse Leidenschaft der Musikgruppe Friya. Sie arrangiert alte Lieder und wagt es auch, sie nach Lust und Laune zu modernisieren.

Friya tritt in zweierlei Formationen auf: einerseits ist das die «chlini Friya» mit Daniela Mathieu (Geige), Hannes Boss (Hackbrett) und Anna Katharina Hewer (Kontrabass). Das Trio der professionell ausgebildeten Mu­sizierenden spielt in dieser Emmentaler-Streichmusik-Besetzung konzertant, an Tanzveranstaltungen oder auch bei privaten Anlässen. Für das Bühnenprogramm stossen jeweilen noch Benedikt Utzinger (Perkussion) und Martina Lory (Gesang) dazu.

Geschichten aus dem alten Emmental

Im voll besetzten Kellertheater Langnau betraten Friya die Bühne. Mit einem Strauss an Stücken, mal lüpfig und rassig, dann tragend und ohne Pause vorgetragen, begann das Quintett sein Konzert. Die alten Emmentaler Melodien, mitreissend gespielt, animierten sofort manchen Fuss zum Mitwippen. «Wir haben euch hiesige Geschichten mitgebracht», begrüsste Martina Lory das Publikum. «Geschichten von reichen Alpen und bitterarmen Kindern, von verbotenerweise Verliebten und vom Teufel auf der Suche nach armen Seelen.»

So erzählte das nächste Lied mit dem Titel «Hochzyttanz» denn auch die Geschichte einer jungen Frau, die ihrer Vermählung mit gemischten Gefühlen entgegensieht. Zu jener Zeit bedeutete die Heirat für eine junge Braut, dass sie ihre Familie verlassen und auf den Hof ihres Gatten ziehen musste. «Ob ich wohl meinen Platz finde am neuen Ort», sinniert die junge Frau im melancholisch vorgetragenen Lied. Mit der Zeit wird das Stück zuversichtlicher und fröhlicher.

Von Ziegen und Ledigen

Nicht alle durften damals heiraten; der Knecht aus der folgenden Erzählung hatte als junger Mann zu wenig Geld, um eine Familie zu unterhalten. Ein weiteres Lied, geschrieben vom Publizisten Carl Albert Loosli, schilderte die Ängste eines Verdingbuben.

Es ging jedoch durchaus auch lus-tig zu und her. Mit Wortwitz wurde über freche Ziegen berichtet, über die Vorteile des Ledigbleibens sinniert, einfach aus Freude am Spiel mit der Sprache in irrwitziger Geschwindigkeit gesungen oder über die katholischen Luzerner gelacht, die im Gegensatz zu den vermeintlich schlauen Emmentalern auf die List des Teufels hereinfielen.

07.05.2026 :: Beatrice Keck (keb)