Für jedes Treffen wird vorgängig ein Thema festgelegt. Daraus entwickeln sich jeweils weitere Gespräche. / Bild: Rebekka Schüpbach (srz)
Langnau: Enkel zu hüten ist schön und manchmal auch herausfordernd. Am Grosselterntreff werden verschiedene Themen diskutiert und Erlebnisse geteilt. Das Ziel: die Grosseltern stärken.
«Welchen Gewinn habe ich davon, dass ich die Grosskinder hüte?», steht auf der Innenseite einer Blechdose. Darin liegen Zettel mit Antworten. «Es macht mir Freude, wenn sie kommen» oder «Es erhält mich jung». Das Wort «Herausforderung» ist ebenfalls zu lesen.
«Die Stichworte haben Grossmütter und Grossväter an einem der Treffs aufgeschrieben», erklärt Theres Karpf. Sie und Leonie Schär gründeten und leiten die monatlichen Zusammenkünfte. Beide betreuen regelmässig ihre eigenen Enkel und werden dabei von ihren Ehemännern tatkräftig unterstützt.
Auf die Idee mit dem Treff kamen die beiden mehrfachen Mütter und Grossmütter durch Gespräche mit jungen Eltern, die ihre Kinder betreuen lassen. Und sie merkten, dass viele Grosseltern sich mit ähnlichen Fragen auseinandersetzen: Welche Spiele mache ich mit den Enkeln? Wie oft möchte und kann ich hüten? Wo setze ich Grenzen?
Essen und Medien geben zu reden
Die Vorstellung, was für ein Kind gut ist und was nicht, unterscheide sich teilweise von Generation zu Generation, erzählen die beiden Frauen. «Als wir Kinder waren, verwöhnten uns die Grosseltern und die Eltern waren streng. Heute ist es manchmal fast umgekehrt», findet Schär. Junge Eltern liessen beispielsweise ihre Kinder wählen, was sie essen möchten und straften nicht für jedes wüste Wort. Generell gäben Kochen und Essen besonders viel zu diskutieren, genauso wie der Umgang mit den neuen Medien. Als Grosseltern sei es deshalb manchmal hilfreich, sich mit Gleichgesinnten austauschen zu können. Deshalb reifte in den beiden Grossmüttern die Idee, einen öffentlichen Treff ins Leben zu rufen. Ein geschützter Ort, wo man in gemütlicher Runde offen reden und vielleicht auch Tipps bekommen kann oder zumindest erfährt, dass es anderen auch so geht. «Unser wichtigstes Ziel ist es, die Grosseltern in ihrer Rolle zu stärken», betont Theres Karpf.
Austausch, nicht Beratung
Die beiden Frauen fanden im Kirchgemeindehaus Langnau einen idealen Ort. Immer am ersten Mittwoch im Monat kommen dort Grosseltern aus Langnau und Umgebung zusammen. «Wir sind ein gutes Dutzend Personen», sagen die beiden Organisatorinnen, «aber nicht alle kommen jedes Mal.»
Ein Themenvorschlag für den Abend wird vorgängig festgelegt. In der Vergangenheit waren dies zum Beispiel «kranke Kinder, kranke Grosseltern», «Geschenke» oder «Tipps und Tricks und Rituale». Oft ergibt sich dadurch spontan weiterer Gesprächsstoff. Teilnehmende können aber auch eigene Themen und Fragen vorbringen. «Wir sind weder ein Verein, noch muss man sich anmelden», versichern die Frauen. Und Fachpersonen werden mit Absicht keine beigezogen. Es gehe ja nicht um eine Beratung oder gar Therapie. Im Dorf kennt man sich. «Das kann hilfreich sein, aber fehlende Anonymität kann einzelne Grosseltern auch da-ran hindern, am Austausch teilzunehmen», sagt Schär. Jedenfalls seien neue bekannte und unbekannte Gesichter, auch von ausserhalb Langnaus, willkommen.
«Wir unterstützen auch gerne andere, die in ihrer Gemeinde einen solchen Treff auf die Beine stellen wollen», erklären Leonie Schär und Theres Karpf. Soweit sie wissen und wie das Internet zeigt, gibt es nämlich im Kanton erst vereinzelt vergleichbare Treffs.