Manchmal muss innert kurzer Zeit ein Platz in einem Pflegeheim gefunden werden. / Bild: zvg
Emmental: Das Gesundheitsnetz Emmental erweitert sein Angebot. Die neue Sozialmedizinische Koordinationsstelle soll die Vermittlung von Pflegeheimplätzen vereinheitlichen.
Eigentlich verfügt das Spital Emmental ja bereits über eine spitalinterne Sozialberatung. Wie Nicola Julia Aebi, Projektleiterin Gesundheitsnetz Emmental, erklärt, sei die Sozialmedizinische Koordinationsstelle (SMK) eine Ergänzung dazu. Ein Dienst für alle - nicht nur für Spitalpatientinnen und -patienten. Dieser Ausbau sei Teil der «Integrierten Versorgung» des Kantons Bern. «Wir beginnen mit einem wichtigen Puzzleteil der regionalen Versorgung, der
vereinheitlichten Koordination von Pflegeheimplätzen», erklärt Nicola Julia Aebi.
Synergien statt Doppelspurigkeiten
Das Spital Emmental, die Spitexorganisationen, eine grosse Anzahl Langzeitpflegeinstitutionen sowie einige Hausärztinnen und Hausärzte haben sich zum Gesundheitsnetz Emmental zusammengeschlossen. Man berücksichtige beim Angebot der Koordinationsstelle stets das vorhandene Angebot von Dienstleistern der Region, erklärt Aebi weiter. «Wichtig ist, dass wir möglichst keine Doppelspurigkeiten in die Gesundheitsversorgung der Region Emmental bringen.»
Klappt die Heimfinanzierung?
Selbstverständlich, ergänzt Olivia Lanz, kümmere sich die SMK auch um Fragen der Heimfinanzierung. Dies ist ein wichtiger Bestandteil bei der Organisation eines Pflegeheimplatzes. «Wir informieren zunächst über die Heimkosten. Dann klären wir mit den Betroffenen die finanzielle Situation und informieren über finanzielle und sozialrechtliche Ressour-cen und wie diese geltend gemacht werden können.» Bei komplexen Situationen, wie beispielsweise bei interfamiliären Schenkungen, sei eine vertiefte Beratung nötig. «Hier verweisen wir gerne an die Kollegen und Kolleginnen der Pro Senectute.» Das gleiche gelte auch für Heimbesichtigungen, die für die SMK allenfalls in einer dritten Aufbauphase ein Thema würden. Und selbstredend werde, ergänzt Aebi, auch der Datenschutz gewährleistet. Betroffene werden eingeladen, eine Einverständniserklärung zur Datenweitergabe auszufüllen. Dies erlaube es der Koordinationsstelle, Informationen bei Dritten einzuholen, um zum Beispiel einen Pflegeplatz zu organisieren. Zurzeit sei der Dienst mit acht Vollzeitstellen dotiert, sagt Nicola Julia Aebi. Die Finanzierung erfolge über drei Säulen: Eine Anschubfinanzierung des Kantons Bern, Eigenmittel der Partnerinnen und Partner des Gesundheitsnetzes Emmental sowie durch Versicherungsmodelle der integrierten Versorgung. «Aktuell sind die Dienstleistungen der SMK kostenlos», bestätigt die Projektleiterin.
Bereitschaft zur Zusammenarbeit
In den ersten drei Wochen habe man 34 Langzeitpflegeplätze vermitteln können, berichtet Aebi. «Positiv überrascht hat mich die grosse Bereitschaft zur Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Playern. Gleichzeitig hat mich die Komplexität einiger Fälle beeindruckt.» Das Spannungsfeld zwischen grossen Erwartungen und knappen Ressourcen sei herausfordernd und zeige, wie wichtig diese Arbeit sei. Olivia Lanz: «Informationen bringen für die Betroffenen Sicherheit, während Ungewissheit am Gemüt nagt.»