Eine Geschichte voller Irrungen und Wirrungen, mit politischen Trends garniert. / Bild: zvg
Ursellen: Im neusten Roman des Autors Matthias F. Steinmann geht es um aktuelle Politik,
ein verwirrendes Doppelspiel von Zwillingsbrüdern und um politische Ämter.
Eigentlich hat wohl niemand auf ihn gewartet – auf den zweiten Trump. Aber jetzt trumpft er gross auf. Camillo alias Peppone Senn, ein Immobilien-Tycoon. Wie Trump. Mit teils abstrusen Ideen. Wie Trump. Mit Vorliebe für vollbusige Frauen. Wie Trump. Der Autor, Matthias F. Steinmann aus Konolfingen, gibt mit seinem Roman «Der Emmentaler Trump» nochmals richtig Vollgas und fährt dabei ziemlich stramm rechts.
Unerwartete Begegnung
Eigentlich hat er alles. Peppone, Inhaber eines Immobilienunternehmens, lebt im fiktiven Heimistal. In der Garage stehen ein Mercedes, ein Bentley und eine Harley Davidson. Zu seinen Statussymbolen gehört auch Bruna, die attraktive Gattin. Und Gemeindepräsident ist er auch noch. Diesen Job übt er allerdings nur auf Sparflamme aus. Umso unerwarteter für sein Umfeld, als er plötzlich die Nase voll hat von allem. Er nimmt sich ein Burnout, meldet sich ab und zieht sich zurück in ein Stöckli im tiefsten Emmental.
Camillo ist ein erfolgreicher Architekt in Mailand. Auch er verabschiedet sich von seinem Beruf und landet über Umwege in Langnau. Dort, im «Hirschen», begegnet er, zur Überraschung beider, seinem Doppelgänger Peppone. Bald klärt sich die Sache, die beiden sind Zwillinge, die sich im Alter von fast fünfzig Jahren zum ersten Mal begegnen. Sie entwickeln einen Plan. Camillo soll Amt, Job und Bett von Peppone übernehmen, Als Gemeindepräsident exponiert sich Camillo mit unkonventionellen, teils aber ziemlich rechtslastigen Ideen. Das ruft bald die kantonale SVP auf den Plan. Auch der Boulevard kriegt Wind und macht ihn zum «Emmentaler Trump». Nach einer programmatischen Rede zu aktuellen politischen Themen wird er bald in den Ständerat gewählt. Dann aber, am Vorabend der anstehenden Bundesrats-Ersatzwahl, taucht unverhofft der Bruder in seiner Villa auf. Ab da überschlagen sich die Ereignisse.
An der Grenze des guten Geschmacks
Die Bandbreite von Stil und Sprache von Matthias F. Steinmann reicht von speziell bis ziemlich eigenwillig. Der Plot ist ansatzweise originell und das Ganze kommt flüssig daher. Dass immer wieder kopuliert und zwischendurch – faute de mieux – auch masturbiert wird, mag ja noch angehen. Sex sells. Aber der volle Busen, die drallen Beine und der stramme Hintern der Serviertochter im «Hirschen» – das ritzt die Grenzen des guten Geschmacks.
Ob die Schweiz einen solchen zweiten Trump wirklich braucht, soll die Leserschaft entscheiden. Immerhin hält der Verfasser im Vorwort fest, dass Meinungen und Aussagen des Protagonisten nur zum Teil jene des Autors wiedergeben. Fragt sich nur, welche. Gleichwohl – ein Lektorat hätte dem Buch wahrlich gutgetan.
Der Autor lebt mit seiner Frau im Schloss Ursellen bei Konolfingen. Anlässlich der letzten Gemeinderversammlung wurde ihm das Ehrenbürgerrecht der Gemeinde verliehen.