Die Zukunft des Sozialdienstes ist ähnlich wie dessen Eingangstüre: kaum durchschaubar. / Bild: Bruno Zürcher (zue)
Emmental: Nach dem Rücktritt des gesamten Verbandsrats streben die Gemeinden, die dem Sozialdienst Region Trachselwald angeschlossen sind, eine ganz neue Organisation an.
Der Sozialdienst Region Trachselwald (SRT) kommt nicht zur Ruhe. Immer wieder kam es in den letzten Jahren zu Wechseln in der Geschäftsleitung wie auch beim übrigen Personal. Und wenn es um die finanziellen Beiträ-
ge der 13 Gemeinden an den Betrieb «ihres» Sozialdienstes ging, kam es regelmässig zu heftigen Debatten.
Und nun tritt der siebenköpfige Verbandsrat per sofort zurück.
Gekürzter Stellenplan, kein Budget
Seit einigen Monaten habe sich «die konstruktive, zielgerichtete und transparente Zusammenarbeit in eine zunehmend schwierige, intransparente und destruktive Richtung entwickelt», schreibt der Verbandsrat in seiner Stellungnahme.
In der Tat hatte das Verbandsparlament letzten November den Stellenplan des Sozialdienstes gekürzt – das Budget für das Jahr 2026 ist bis heute nicht genehmigt. «Mit den Kürzungen haben sich die Probleme in Bezug der Personalbelastung noch verschärft», sagt die eben zurückgetretene Präsidentin des Verbandsrates, Therese Löffel. «Statt fixe Mitarbeitende anzustellen, müssen Springer engagiert werden, die am Ende mehr kosten.» Denn trotz Kürzung des Stellenplans müssen die Dossiers betreut werden. Gemäss Angaben der Geschäftsleitung des SRT würden pro 100-Prozent-Stelle derzeit 88 Dossiers bearbeitet. «Dies ist deutlich mehr als die Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe empfiehlt», sagt Therese Löffel. Sie fügt an, dass die kantonale Fachstelle für Sozialrevisorat den SRT im Mai 2025 überprüft und ihm eine gute Arbeit attestiert habe.
Die Kosten steigen und steigen
Weit weniger zufrieden scheinen die Vertreter der 13 angeschlossenen Gemeinden zu sein. «Im Sozialdienst gibt es nach wie vor viele Wechsel und die Kosten, welche die Gemeinden tragen müssen, sind in drei Jahren pro Einwohner von unter 40 auf über 60 Franken gestiegen», sagt der Sumiswalder Gemeindepräsident Martin Friedli. «Und wir befürchten, dass es in den kommenden Jahren nicht besser wird.» Im Schreiben, das die Gemeinden als Reaktion auf den Rücktritt des Verbandsrat versandt haben, zeigen sie auf, wie der Sozialdienst künftig organisiert werden soll: Der Gemeindeverband soll aufgelöst und der Sozialdienst gänzlich neu organisiert werden. «Als der Verband 1995 gegründet wurde, bestand das Amt Trachselwald noch», erklärt Friedli. Seit der Reform der kantonalen Verwaltungskreise sei der Sozialdienst in zwei Kreisen – im Emmental und im Oberaargau – tätig, was einen Mehraufwand mit sich bringe. «Künftig sollen sich die sechs Gemeinden, die sich im Verwaltungskreis Emmental befinden, Richtung Emmental ausrichten», sagt Friedli. Dasselbe gelte für die sieben Gemeinden, die dem Oberaargau angehörten.
Werden sich die Emmentaler Gemeinden (Affoltern, Dürrenroth, Lützelflüh, Rüegsau, Sumiswald und Trachselwald) demnach entweder dem angrenzenden Regionalen Sozialdienst Oberes Emmental oder der Sozialdirektion Burgdorf anschliessen? «Diese beiden Sozialdienste wären Varianten», erklärt Martin Friedli. «Möglich wäre auch, dass die sechs Gemeinden selber einen Sozialdienst aufbauen.» Heute führt der SRT Beratungsstellen in Sumiswald wie auch in Huttwil.
Beide Seiten sind sich uneins
Laut Martin Friedli ist es das Ziel, dass die Sozialdienste per 1. Januar 2028 in der neuen Struktur starten können. Dass der Gemeindeverband über die Verwaltungskreisgrenze hinweg keine Zukunft hat, habe sich an den Treffen der Gemeindepräsidien in den letzten Monaten gezeigt, wie Friedli berichtet. «Wir haben auch einen externen Berater beigezogen.» Warum haben die Gemeinden nicht gemeinsam mit dem Verbandsrat nach einer Lösung gesucht? «Wir haben den Verbandsrat über die strategische Neuausrichtung informiert. Er hat einen Gesprächstermin in Aussicht gestellt, aber sich nachher nicht mehr gemeldet», berichtet Martin Friedli.
Anders tönt es bei der zurückgetretenen Präsidentin des Verbandsrats: «Wir wollten einen runden Tisch mit einer Moderation durch das Regierungsstatthalteramt zur Deeskalation der Situation, was von den Gemeindepräsidien nicht befürwortet wurde», sagt Therese Löffel. «Der Verbandsrat und die Geschäftsleitung waren offen für eine Strukturüberprüfung – aber nur mit fundierten Abklärungen, statt einfach den Verband aufzulösen. Es ist alles andere als klar, dass mit einer Auflösung das künftige Modell für die Gemeinden günstiger sein wird als das jetzige», sagt Löffel. Das jetzige Vorgehen der Verbandsgemeinden mit der Vorwegnahme der Verbandsauflösung ohne grundlegende Strukturüberprüfung komme ihr so vor, wie wenn man einen Ballon steigen lasse und zuschaue, ob es ihn «verchlepft».