Nehmen Mäuse Überhand weil zu viele Füchse gejagt werden?

Nehmen Mäuse Überhand weil  zu viele Füchse gejagt werden?
Die Schermaus ist mit 12 bis 20 Zentimetern die grösste einheimische Wühlmaus. Sie lebt fast ausschliesslich im Boden. / Bild: Pixabay
Entlebuch: Mäuse machen einigen Bauern derzeit das Leben schwer. Das Problem nehme zu, sagt ein Landwirt und macht die Fuchsjagd mitverantwortlich. Ist da etwas dran?

Kürzlich sei er auf einem Feld gestanden mit unzähligen, von Schermäusen aufgeworfenen Erdhaufen, erzählt Thomas Fallegger. Er habe die Wiese walzen und Gras einsäen müssen, was Mehrarbeit und Kosten verursache. Auch andere Landwirte in der Region Schüpfheim und Escholzmatt-Marbach hätten dieselben Probleme.

Die Schäden seien vielfältig und könnten erheblich sein. «Beim Mähen werden die Messer wegen der Erde und der Steine schneller stumpf und man muss sie häufig schleifen oder ganz auswechseln», erzählt Fallegger. Vor allem aber werde das Futter verschmutzt. Wenn es nass sei, müsse das mit Erde versetzte Gras schlimmstenfalls auf dem Mist entsorgt werden. Generell vermindere sich der Ertrag.


Zu viele Füchse geschossen

Früher, sagt Fallegger, sei alle sechs bis sieben Jahre eine Mäuseplage aufgetreten. Inzwischen habe man praktisch jedes Jahr in grösserem Ausmass mit den Nagern zu kämpfen. Er sieht verschiedene Gründe dafür. Einerseits seien die Futterpflanzen heute gehaltvoller und schnellwüchsiger. «Das Raigras etwa enthält viel Zucker; das lieben die Mäuse.» Der Landwirt vermutet zudem, dass auch die Fuchsjagd einen Einfluss hat. «Es werden zu viele Füchse geschossen und nicht alle gemeldet», findet er. «Letzten Frühling zum Beispiel habe ich viele Füchse mit Jungtieren beobachtet. Ab Mitte Juni, als die Jagd nach der Aufzuchtzeit wieder frei war, sind sie mehr und mehr verschwunden.» Der Fuchs sei ein ausgezeichneter Mauser. Weil er die Mäuse ausgraben könne, erwische er auch Muttertiere, die kaum an die Erdoberfläche kommen würden. Das sei besonders wirksam, um die Populationen einzudämmen.

Nicht nur Fallegger kritisiert die Fuchsjagd. Eine Petition stellt deren Notwendigkeit grundsätzlich in Frage (siehe Kasten).


Kein Zusammenhang mit Jagd

Starke zyklische Schwankungen bei Mäusepopulationen seien hauptsächlich auf Faktoren wie die Wetter- und Nahrungsverhältnisse, aber auch auf Krankheiten zurückzuführen, schreibt dagegen die kantonale Dienststelle Landwirtschaft und Wald (Lawa). «Da Massenvermehrungen bei Mäusen auch in Gebieten mit vergleichsweise vielen Füchsen vorkommen, sehen wir grossräumig keinen direkten Zusammenhang.» Die Abschusszahlen von Wildtieren werden anhand der kantonalen Jagdstatistik erhoben. Die Zahlen für das Jagdjahr 2025 lägen noch nicht vor, schreibt die Dienststelle. Die Daten aus den vorherigen Jahren zeigten aber, dass die Anzahl erlegter Füchse in den 28 Jagdrevieren des Entlebuchs rückläufig sei. Demnach wurden in den Jagdjahren 2020 und 2021 total 626 beziehungsweise 680 Füchse erlegt. Zwischen 2022 und 2024 sank der Abschuss auf 454 bis 541 Tiere.

Diesen Trend kann Josef Häfliger, Obmann der Jagdgesellschaft Schüpfheim-Sunnsite, bestätigen. Gejagt würden Füchse heute nicht mehr wegen des Fells, sondern zur Regulierung, wie dies das Jagdgesetz vorsehe. So würden Füchse nicht nur Mäuse, sondern auch junge Hasen, neugeborene Rehkitze und Bodenbrüter fressen. «Zudem geht es ums Eindämmen von Krankheiten wie Staupe und Räude, mit denen sich auch Haustiere anstecken können», ergänzt Häfliger.


Was tun gegen Mäuse?

Aus was für Gründen auch immer Mäusepopulationen Überhand nehmen – Tatsache ist, dass Landwirte zuweilen handeln müssen. Wie, das weiss Adrian Seeholzer vom Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung (BBZN) Hohenrain. Er war Organisator eines Mäusekurses. Die Teilnehmenden lernten die Lebensweise und das Gangsystem der Tiere kennen. «Das ist wichtig, damit man Fallen richtig stellen kann», erklärt Seeholzer. Auch Gas und Mäusegift könnten eingesetzt werden. Letzteres schade anderen Tieren nicht, versichert er. Empfehlenswert sei zudem die Förderung natürlicher Feinde wie Greifvögel, Wiesel und Hermelin, zum Beispiel durch Hecken, Steinhaufen oder Sitzstangen.

Landwirt Thomas Fallegger setzt noch auf eine andere Mäusejägerin: die Katze.

Notwendigkeit der Fuchsjagd überprüfen

Ob die Fuchsjagd notwendig ist, stellt eine Petition in Frage. Pascal Wolf hat sie in mehreren Kantonen eingereicht, darunter Luzern und Bern. Er fordert die Regierungen auf zu prüfen, «wie ein wissenschaftlich fundierter und ökologisch sinnvoller Umgang mit dem Rotfuchs gewährleistet werden kann». Weiter will er wissen, ob durch einen Verzicht auf die Fuchsjagd ernstzunehmende ökologische, gesundheitliche oder landwirtschaftliche Auswirkungen zu erwarten wären.

Wolf schreibt in seiner Petition, dass Genf die Fuchsjagd abgeschafft habe. Auf Nachfrage hätten die dortigen Behörden bestätigt, dass keine übermässigen Schäden an Landwirtschaft oder Biodiversität, keine übermässigen Krankheitsausbrüche und keine «Überpopulation» zu vermerken seien.

26.03.2026 :: Silvia Wullschläger (sws)