Der «Iceman» erzählt von Träumen, Ängsten, Dranbleiben und Mutigsein

Der «Iceman» erzählt von Träumen, Ängsten, Dranbleiben und Mutigsein
Carlo Janka liest aus seiner Biografie und teilt Erfahrungen aus seinem Leben als Skirennfahrer. / Bild: Gertrud Lehmann (glh)
Wasen: Ex-Skirennfahrer Carlo Janka zeigte sich an der Lesung seiner neuen Biografie in der Bibliothek Wasen gefühlvoll und offen – ganz entgegen seines Spitznamens «Iceman».

Die Lesung mit Carlo Janka hatte Erfolg. Zahlreiche jüngere Leute, auch Schülerinnen und Schüler, strömten der Bibliothek in Wasen zu. Und das, obwohl einmal kein Krimi auf dem Programm stand.


«Sei mutig und trau dir etwas zu!»

«Wir suchten bewusst einmal etwas anderes», gab die Leiterin der Bibliothek, Regula Corciulo-Meister, Auskunft. «Da kam uns die Biografie von Carlo Janka gerade recht. Der Mann war mir beim Lesen seines Buches sofort sympathisch, und er sagte auf unsere Einladung hin sogleich zu.» Der weite Weg ins Emmental mache ihm nichts aus, habe er gesagt, das sei er von den Skirennen her gewohnt.

An der Lesung stand der Ski-Star, mit dem Rucksack auf dem Rücken, unauffällig zwischen den Besuchenden in der Bibliothek. Dass Wasen einen Skilift hat, wusste er nicht. Er wolle sein Buch verkaufen, gab er offen zu, und er habe eine Botschaft an die Jungen: «Wage etwas! Sei mutig und trau dir etwas zu!»

Der 40-Jährige, der als Olympia­sieger, Weltmeister und Gesamtweltcup-Gewinner auf unzählige Erfolge zurückblicken kann, würde auf jeden Fall wieder den Weg als Skirennfahrer wählen, wenn er nochmals zurückkönnte. Es sei sein Traum gewesen, und ein ereignisreicher Lebensabschnitt, trotz Rückschlägen, Stürzen, Ärger mit dem Material und Gesundheitsproblemen.

Auch der Druck der Medienpräsenz, die ihm als «scheuen Bergler» zu schaffen gemacht habe, spricht er an. «Iceman» nannte ihn ein Blickreporter, weil er weder Freud noch Leid gross ausdrückte. Aber er gab nie auf, lebte seinen Traum, bis er 2022 als dreifacher Familienvater zurücktrat, weil es ihm das Risiko nicht mehr Wert schien.


Angst und Selbstüberwindung

Der Skilift neben seinem Elternhaus in Obersaxen sei sicher ein Auslöser für seine Leidenschaft gewesen. Ebenso der Vater als Skilehrer und auch, dass er schon mit zwei Jahren Skis bekommen habe, erzählt er im Gespräch mit der Bibliothekarin. Dann nimmt er seine Biografie mit dem Titel «Durchbruch», geschrieben vom Bündner Autor Philipp Gurt, zur Hand. Er beginnt die Lesung mit seinem Debut auf der berüchtigten Streif, der Rennstrecke in Kitzbühel. Während er sich im Starthäuschen parat machte, hörte er den Aufschrei der Zuschauenden, als sein Kollege Daniel Albrecht mit 138 Stundenkilometern einen furchtbaren Sturz erlitt. Der Helikopter flog mit dem Opfer davon, dann war er an der Reihe. Kein Mentaltrainer, kein Freund weit und breit, er war allein: «Ich hatte eine Scheissangst», sagt er, denn das könnte auch ihm passieren. Doch er habe die Angst überwunden, sie sollte nicht seinen Traum besiegen.

Der zweite Abschnitt der Lesung handelt von den Olympischen Spielen, wo er im Riesenslalom die Goldmedaille errang. Doch vorgängig gab es einen elften, achten und vierten Rang und der Druck stieg stetig.

Im Buch hebt Janka immer wieder Leitsätze und wichtige Erkenntnisse hervor. «Mein Weg – Dein Erfolg!» lautet der Untertitel.


Der «Iceman» ist aufgetaut

Im Anschluss an die Lesung beantwortete Janka Publikumsfragen wie z.?B., ob seine Kinder Rennfahrer werden sollten. «Lieber nicht» ist die Antwort. Ob er heute noch Ski fahre – ja, sehr gerne, aber mit der Familie und nicht als Rennfahrer. Ob er gesundheitliche  Probleme habe – ja, mit dem Rücken,  ab und zu. Warum er seine Biografie schreiben liess – «damit andere von meinen Erfahrungen profitieren können, und als Abschluss dieses Lebensabschnitts.»

Der «Iceman» ist aufgetaut, lacht, plaudert, antwortet mit Offenheit. Das dient ihm bestimmt für seinen heutigen Beruf als Coach.

12.03.2026 :: Gertrud Lehmann (glh)