Annette Unternährer konzertierte mit Vital Julian Frey auf zwei Cembali. / Bild: Bettina Haldemann-Bürgi (bhl)
Langnau: Barocke Pracht vermittelte der vierte Langnauer Kammermusikabend. Annette Unternährer, die künstlerische Leiterin, und Vital Julian Frey konzertierten auf zwei Cembali
Die diesjährige Kammermusiksaison ist die zehnte Reihe von Annette Unternährer. Das Organisationsteam erinnerte zu Beginn des vierten Konzerts in Langnau an das Jubiläum und dankte der künstlerischen Leiterin für ihr Engagement.
Dann war Zeit für ihren Auftritt als Musikerin. Annette Unternährer verzauberte das Publikum am Cembalo mit feinen Melodien und Trillern aus der Vorklassik. In der durchsichtigen Musik von Leopold Hofmann kam der helle, obertonreiche Klang gut zur Geltung. Anders als beim Klavier werden beim Cembalo die Saiten nicht mit Hämmerchen angeschlagen, sondern durch Kiele gezupft. Eines der beiden Cembali stammte aus der Werkstatt von Mirko Weiss in Kröschenbrunnen.
Am zweiten Cembalo sass Vital Julian Frey. Kurzfristig sprang er für Magdalena Hasibeder ein, die beim Skifahren verunfallt war. Der Spitzenmusiker, der zu den gefragtesten Cembalisten gehört, begeisterte das Publikum mit seinem schönen Klang und Können als Tastenvirtuose.
Rasende Läufe, orientalische Klänge
François Couperin, Hofcembalist bei Louis XIV, hat die Verzierungskunst auf die Spitze getrieben. Das zeigt die «Allemande à deux Clavecins», die anschliessend erklang. Ebenfalls brillant kommt das Violinkonzert «Grosso Mogul» (Grossmogul) von Vivaldi daher, das für zwei Cembali umgeschrieben wurde. Wie Vital Julian Frey die gebrochenen Arpeggien, Doppelgriffe und rasenden Läufe auf dem Cembalo spielte, war phantastisch, und Annette Unternährer gestaltete den Mittelsatz mit seinen orientalischen Intervallen ausdrucksstark.
Mit sicherem Können trug die Cembalistin auch die Sarabande und die berühmte Passacaille aus der Suite in g-Moll von Händel vor, während Vital Julian Frey zu Ehren von Annette Unternährer und ihrem Vater den berühmten Anfang von Bachs Orgel-Toccata anspielte und darüber improvisierte. Mit einer berührenden Zugabe von Bach ging das Konzert in Langnau zu Ende.