Der Kanton sieht Potenzial in Bürgerbussen und zahlt mit

Der Kanton sieht Potenzial  in Bürgerbussen und zahlt mit
Anbindung an den ÖV: Die Hälfte der Mybuxi-Fahrten starten oder enden an einem Bahnhof. / Bild: BLS
Kiesental: Ab 2027 werden Bürgerbusse durch den Kanton mitfinanziert. Dies hat der Grosse Rat beschlossen. Im Raum Konolfingen–Worb soll das Angebot in diesem Jahr starten.

«Das ist ein Meilenstein», sagt Andre-as Kronawitter, Geschäftsführer der Mybuxi AG. «Der Kanton Bern spielt bei den neuen Mobilitätsangeboten eine Vorreiterrolle.» Der Grosse Rat nahm letzte Woche den «Beschluss über das Angebot im öffentlichen Verkehr für die Fahrplanperiode 2027 bis 2030» an. Darin enthalten sind neu auch sogenannte On-Demand-Angebote wie Mybuxi; gefahren wird nach Bedarf und nicht nach Fahrplan. Solche Bürgerbusse bestehen im Kanton Bern bereits in verschiedenen Regionen. Jene im Raum Belp, Herzogenbuchsee–Niederönz und Huttwil–Affoltern können dank der Mitfinanzierung durch den Kanton weiterbetrieben und teilweise ausgebaut werden. Neu wird das Angebot in der Region Konolfingen–Worb eingeführt. «Wir planen, noch in diesem Jahr zu starten», sagt Andreas Kronawitter. Die zehn beteiligten Gemeinden hätten ihre Beiträge bereits gesprochen. Sie tragen einen Drittel der Betriebskosten. Mitmachen werden Bowil, Freimettigen, Grosshöchstetten, Konolfingen, Mirchel, Nieder- und Oberhünigen, Oberthal, Worb und Zäziwil.

Der Kanton wird alle vier Bürgerbusse in den nächsten vier Jahren mit total zwei Millionen Franken unterstützen. Wie viel die einzelnen Angebote erhalten, steht noch nicht fest. Die Einnahmen aus dem Billettverkauf bilden den dritten Pfeiler in der Finanzierung. Für die drei geplanten Fahrzeuge im Kiesental rechnet Kronawitter mit jährlichen Kosten von zirka 400´000 Franken.


Jetzt gehts an die Detailplanung

Bürgerbusse werden durch die Gemeinden organisiert. Sie legen die Gebietsabdeckung und die Betriebszeiten fest. «Der Kanton lässt den Gemeinden viel Spielraum», bestätigt Kronawitter. Nun gehe es darum, gemeinsam die Haltepunkte zu definieren, die Standplätze für die drei Elektrofahrzeuge festzulegen sowie Fahrerinnen und Fahrer zu finden. Dabei handelt es sich um Freiwillige, meist frisch Pensionierte.

Bei den Betriebszeiten kann Kro­nawitter auf die Erfahrungen in ande-ren Regionen zurückgreifen. Bewährt habe sich ein 18-Stunden-Tag von 06.00 Uhr bis 24.00 Uhr an sieben Tagen die Woche. «So ist das Angebot auch für Berufsleute attraktiv und stellt eine echte Alternative zum Auto dar.» Ebenso entscheidend sind die Haltepunkte. Diese sind nur virtuell in der App ersichtlich. Sie sollten gemäss Kronawitter maximal 200 Meter von einem Siedlungsgebiet entfernt sein. Sie würden mit rund 200 Haltepunkten starten, erklärt er. Mit der Zeit werde das Angebot ausgebaut. Dabei dürfen auch die Bürgerinnen und Bürger mitreden. Mit einem Meldeformular können sie ihre Wünsche für weitere Haltepunkte eingeben. «Diese prüfen wir dann. Ein Kriterium ist, dass die genannten Stellen sicher genug sind um anzuhalten.»


Gute Ausgangslage im Kiesental

Die Fahrzeuge von Mybuxi können spontan oder im Voraus (30 Minuten bis 2 Wochen vor der Fahrt) via App gebucht werden. Das IT-System berechnet mit jeder Bestellung, welcher Kleinbus geschickt wird; die Routen werden laufend angepasst. Die Fahrzeuge sollen möglichst in Bewegung sein, um die Auslastung hoch zu halten. «Vorrang haben die zum Voraus gebuchten Termine», sagt Andreas Kronawitter. Wer spontan buche, müsse deshalb mit Wartezeiten rechnen. Im Schnitt seien es 15 Minuten.

Kronawitter ist überzeugt, dass das Angebot im Kiesental auf Interesse stossen wird. Es fehlten viele Querverbindungen und es gebe Orte ohne ÖV. Zudem bestünden in Konolfingen, Grosshöchstetten und Worb gute Anbindungen an Bahn und Bus.

Wanderbusse ins Grundangebot aufnehmen

Der Grosse Rat hat sich letzte Woche auch mit den Wanderbussen im Kanton Bern befasst. Eine überparteiliche Motion, mehrheitlich von Grossratsmitgliedern aus dem Emmental, verlangte, dass Buslinien für Tourismus und Freizeit in das kantonale Grundangebot aufgenommen werden können. Zudem soll ein Zwischenbeschluss den Weiterbetrieb bis 2030 sichern. Wanderbusse seien überaus beliebt. Sie trügen zur Förderung des sanften Tourismus bei. Ein attraktives ÖV-Angebot könne Wanderinnen und Wanderer dazu bewegen, auf die Anreise mit dem Auto zu verzichten, was den Freizeitverkehr eindämme und die Belastung sensibler Natur-räume reduziere. Heute werden Wanderbusse durch die Gemeinden und private Sponsoren getragen. Das mache die langfristige Finanzierung schwierig. Regierungsrat Christoph Neuhaus anerkannte zwar die Bedeutung von Wanderbussen. Er wies aber auf die angespannten Finanzen hin. Der Bund unterstütze solche saisonalen Angebote nicht, die Mitfinanzierung gehe voll zu Lasten des Kantons. Sein Aufruf, die Motion als unverbindliches Postulat zu überweisen, blieb ungehört. Mit 150:0 Stimmen wurde die Motion überwiesen.

12.03.2026 :: Silvia Wullschläger (sws)