Klänge zwischen Melancholie und Lebenslust

Klänge zwischen Melancholie und Lebenslust
Die Musik des Bait Jaffe Klezmer Orchestra ist geprägt von jüdischer Tradition und zeitgenössischem Jazz. / Bild: Karl Johannes Rechsteiner (kjr)
Oberdiessbach: Ein Konzert des Bait Jaffe Klezmer Orchestras sorgte für eine volle Kirche, kraftvolle Musik und berührende Momente. Eine musikalische Reise zwischen Tanz und Tränen.

«Sej a Mentsch» heisst nicht nur ein Stück der Klezmerband Bait Jaffe - ihre Musik ist als Ganzes ein Plädoyer für die Menschlichkeit. Das spürten auch die über 150 Leute, welche die Oberdiessbacher Kirche bevölkerten. Geprägt von jüdischer Tradition erzählt das Quartett mit seinen Melodien und Rhythmen von den Facetten menschlichen Lebens zwischen Tanz und Tränen Dass sich die jüdische Kultur trotz Völkermord weiter entwickelte, wurde vom Bait Jaffe Klezmer Orchestra mit grosser Spielfreude einmal mehr bewiesen. Tänze wie Freilich, Bulgar oder Horas verschmelzen die Volksmusik des Balkans mit Swing, Salonmusik und Jazz. Und immer pendeln die Stücke zwischen Ausbrüchen der Lebensfreude und melancholischer Besinnlichkeit.


Musik, die träumt, seufzt und jubelt

Klezmer war einst die festliche Musik der überwiegend armen jüdischen Bevölkerung in Osteuropa. Von dieser Geschichte zwischen Tanz und Trauer erzählt auch die Basler Band Bait Jaffe. Ihr hebräischer Name bedeutet «Schönes Haus». Sinnigerweise wurde die Gruppe vor 33 Jahren von den Brüdern Schönhaus gegründet, Söhne eines jüdischen Flüchtlings, der sich einst auf dramatische Weise in die Schweiz retten konnte. Sascha Schönhaus träumt, seufzt und jubelt mit Klarinette und Saxofonen. David Schönhaus streicht und streichelt seinen Kontrabass, zupft und slapt und schafft damit den Boden für die gesamte Band. Andreas Wäldele singt, zwitschert und spielt dazu die Mandoline oder fidelt auf der Geige, so dass einem die Einschränkung der Bewegungsfreiheit durch Kirchenbänke zu stören beginnt. Auf der Seite sitzt unterdessen gelassen der Langnauer Niculin Christen am Klavier oder greift zum Akkordeon - so zurückhaltend er wirkt, so kraftvoll sind seine Akkorde, Stimmungswellen und filigranen Verzierungen. Glücklicherweise hat Improvisation viel Platz bei Bait Jaffe, um die virtuosen Melodien und verblüffenden Arrangements zu geniessen. Die hochklassige Instrumentalmusik der vier begnadeten Musiker schmiegt sich direkt in die Hörgänge und Seelen des Publikums, das sich mit frenetischem Applaus herzliche Zugaben verdient.

05.03.2026 :: Karl Johannes Rechsteiner (kjr)