Mit Fleur absolvierte Hansueli Beer im Jahr 2015 den Feldtest in Bärau. / Bild: Karin Rohrer (krr)
Langnau: Hansueli Beer hält seit 50 Jahren die Fahrleinen fest in der Hand. Mit seiner Ruhe und Geduld ist er wie gemacht dafür, junge Pferde auszubilden. Auch als Züchter ist er erfolgreich.
Aufgewachsen im Pfaffenbach, führte Hansueli Beer von kleinauf die Pferde bei der Arbeit auf dem Feld. Er absolvierte ein Lehrjahr auf einem Hof und stieg mit 19 Jahren im elterlichen Betrieb vollumfänglich ein, weil sein Vater verstorben war. In Langnau besuchte er den Winterkurs und ist dem Beruf des Landwirts seither stets treu geblieben.
Am liebsten mit jungen Pferden
Seit 1975 bildet Hansueli Beer Pferde aus, rund sieben pro Jahr. Somit haben bisher ungefähr 350 Pferde bei ihm eine solide Ausbildung genossen. «Es fasziniert mich, wenn sie manchmal als etwas schwierig gelten, dann zu mir kommen und bereits nach ein paar Tagen Fortschritte machen. Am liebsten sind mir die jungen Pferde, welche noch gar nichts können.» War früher seine Ehefrau Leni als Fahrgehilfin tätig, sitzt nun sein Bruder Ernst, ehemaliger Bereiter im Nationalen Pferdezentrum Bern, auf dem Wagen. Hansueli Beer gewöhnt die Pferde zuerst an Geschirr und Zäumung, dann kommt das Longieren und zusammen mit einem vierbeinigen Lehrmeister wird das junge Pferd erst mal zweispännig gefahren. «Die Ausbildungsdauer ist individuell und manchmal tut ihnen eine Pause gut», betont der Ausbildner, welcher seinen reichen Erfahrungsschatz seit vielen Jahren auch als Fahr-Richter einbringt.
Mit Fanny hat alles begonnen
Die Stammstute Fanny legte den Grundstein für Hansueli Beers Zuchterfolge. Am National FM in Avenches - dem Schweizer Sport- und Zuchtfinal der Freiberger - waren 2025 gleich fünf Pferde aus Beers Zucht erfolgreich. «Ich sah Fanny als vier Monate altes Fohlen bei ihrem Züchter Hans Tschannen und habe sie gleich ‹bestellt›. Nach der Fohlenschau, welche sie mit 80 Punkten abschloss, habe ich Fanny im Jahr 1981 gekauft. Sie war eine liebe und gute Stute», erinnert sich der 74-Jährige. Mit Fanny hat er auch die Fahrprüfung absolviert und ist daraufhin erfolgreich in den Fahrsport eingestiegen. Fanny gebar 18 Fohlen und 17 Enkel von ihr wurden in Beers Stall ausgebildet. Eine von Fannys Töchtern, Flamme, schenkte ebenfalls 18 Foh-len das Licht der Welt und wurde von Hansueli Beers Tochter, Franziska Hertig, im Promotions-Fahren vorgestellt.
Freiberger - das ideale Pferd
Die Liste der erfolgreichen Tiere aus Beers Zucht ist lang. So steht auch Florina, eine Tochter von Flamme, im Stall der 50-jährigen Franziska Hertig, welche den Betrieb übernommen hat. «Ich bin der Stallknecht, schaue zu den Pferden», sagt Hansueli Beer augenzwinkernd. Die Leidenschaft für Pferde teilt auch sein Grosskind Lea Beer. Mit Fleur - einem weiteren Juwel aus Beers Stall - hat die junge Frau die Spring-, Dressur-, und Fahrlizenz erworben, die Stute kann zahlreiche Siege und Klassierungen vorweisen. «Im Frühling bekommt Fleur ihr drittes Fohlen», erzählt Beer. Aus seiner Zucht wurden sieben Stuten mit dem Elite-Prädikat ausgezeichnet. Das Zuchtziel von Hansueli Beer ist ein modernes Pferd mit viel Temperament: «Für mich ist der Freiberger das ideale Pferd, einfach im Umgang sowie leistungsfähig und gerade im Fahrsport allgegenwärtig.» Ein weiteres Pferd - Nick - wurde von ihm gezüchtet und gefahren. Seine jetzigen Besitzer, Andrea Hirschi und Jonas Jutzi, sammelten mit dem 24-jährigen Wallach Siegerschleifen. Und die dreijährige Stute Fee wurde im letzten Herbst Elitestute und Beers Enkelin Sofie Mosimann gewann mit ihr den Final der Dreijährigen.