Kanton Bern: Bei den Wahlen vor vier Jahren ist bei der Sitzverteilung dank Listenverbindung vor allem die Mitte gut gefahren. Für den 29. März stehen die Zeichen auf Stabilität.
15 Sitze stehen dem Wahlkreis Emmental bei Grossratswahlen zu. Um ein Vollmandat zu ergattern, braucht es in diesem Wahlkreis gemäss dem geltenden Proporzsystem einen Stimmenanteil von 6,25 Prozent (100:16 = 6,25). In der Grafik rechts sind die bei den Grossratswahlen 2022 erreichten Stimmenanteile aufgeführt. Der Vergleich dieser Stimmenanteile mit den effektiv erhaltenen Sitzen und der Division durch 6,25 ergibt das folgende Bild: Die SVP mit sechs und die Mitte mit zwei Sitzen wurden gemäss diesen Zahlen sehr gut bedient. Die Grünen und die GLP verzeichnen für ihr Mandat einen leichten Überschuss, EDU und EVP ein leichtes Defizit. Die SP war nach diesen Zahlen ei-nem dritten Sitz näher als die SVP ihrem sechsten. Wieso wurde dieses eine Mandat nicht der SP, sondern der SVP zugeteilt?
System bevorzugt grössere Parteien
Es ist eine Tücke der für die Sitzverteilung geltenden Mathematik, dass grössere Parteien bevorzugt werden. Das ist allen Parteien bewusst, und deshalb schliessen sie sich vor den Wahlen mit Listen- und Unterlistenverbindungen zusammen.
Im Wahlkreis Emmental waren im Jahr 2022 SVP, Mitte und FDP in einer Listenverbindung vereinigt, SP und Grüne in einer zweiten sowie EDU, EVP und GLP in einer dritten. Hätte es diese Verbindungen nicht gegeben, wäre die SVP zwar trotzdem auf sechs Sitze gekommen, aber die SP hätte auf Kosten der Mitte einen dritten Sitz geholt. Es ist also die Mitte, die davon profitiert hat, dass sie der stärksten Listenverbindung (Stimmenanteil 54,7 Prozent) angehörte. Der Mitte kam bei der Sitzverteilung innerhalb der Listenverbindung auch das bescheidene Stimmenplus im Vergleich mit der FDP zugute (Mitte 35'157 Stimmen, FDP 34'272). An der weiteren Verteilung der Mandate auf die übrigen Parteien hätte sich auch ohne Listenverbindungen nichts geändert. Für die Wahlen vom 29. März sind die Parteien die gleichen Listenverbindungen wie 2022 eingegangen. Mit dem kleinen Unterschied, dass sich der SVP, Mitte und FDP auch eine weitere eigentliche FDP-Liste «Wir machen - für das Emmental» angeschlossen hat. Abgesehen von der grösseren Zahl der Kandidierenden (siehe «Wochen-Zeitung» vom 26. Februar) ist die Ausgangslage aber ähnlich wie 2022. Inwiefern sind Sitzverschiebungen denkbar
Nationalratswahlen: SVP viel stärker
Wer Prognosen erstellt, zieht häufig die Resultate vergangener Wahlen zu Rate. Die obenstehende Grafik zeigt auch die Stimmenanteile im Verwaltungskreis Emmental bei den Nationalratswahlen 2023. Zwei Dinge fallen besonders auf: Verglichen mit den Grossratswahlen hat die SVP bei den Nationalratswahlen einen klar grösseren Stimmenanteil geholt (plus 6,5 Prozentpunkte), für die FDP resultierte ein deutliches Minus (4,4 Prozentpunkte weniger).
Keine Veränderungen zu 2022?
Ist die für die SVP bei den Grossratswahlen demnach sogar ein siebter Sitz in Reichweite, und muss die FDP um ihr einziges Mandat bangen? Vor vorschnellen Schlüssen muss gewarnt werden. Viel hängt bei Wahlen von den Kandidierenden und von speziellen Konstellationen im Wahl- beziehungsweise Verwaltungskreis ab. Die Tatsache, dass 14 Bisherige zur Wiederwahl antreten und dass sich am Parteiengefüge 2026 im Vergleich mit 2022 wenig geändert hat, lässt breiten Raum für die Vermutung, dass Ende März bei der Sitzverteilung im Wahlkreis Emmental alles beim Alten bleiben wird.