Sensorium ist ein Publikumsmagnet und soll Subventionen erhalten

Sensorium ist ein Publikumsmagnet und soll Subventionen erhalten
Stefan Ledergerber bei der Pendelwelle, wo Kugeln wie von Zauberhand geleitet werden - oder doch nicht? / Bild: Bruno Zürcher (zue)
Walkringen: Das Sensorium zieht pro Jahr mehr als 50’000 Besucherinnen und Besucher an. Dennoch gilt es bislang nicht als Kulturinstitution von regionaler Bedeutung. Das soll sich ändern.

An den 80 Stationen des Sensoriums im Rüttihubelbad wird eifrig probiert und diskutiert. Verschiedene Dialek-te sind zu hören und es wird auffällig viel Französisch gesprochen. «Das freut mich als gebürtigen Fribourger sehr», meint Stefan Ledergerber und schmunzelt. Was den Leiter des Sensoriums auch freut, sind die Besucherzahlen. «Mit rund 55'000 Gästen pro Jahr sind wir die Nummer 8 der Museen im Kanton Bern - und sicher das einzige von diesen, das nicht auf der Liste der Kulturinstitutionen von regionaler Bedeutung steht.» In der Region Bern-Mittelland sind dies 15 Institutionen, beispielsweise das Bernisches Historisches Museum, das Swiss Jazz Orchestra Bern oder das Schloss Jegenstorf. Die Aufnahme auf dieser Liste wäre nicht nur eine Anerkennung, sondern auch finanziell interessant. Das Sensorium käme in den Genuss von Subventionen von 100'000 Franken pro Jahr.


Die Mittel der Stiftung schwinden

Obwohl sich die Besucherzahlen po­sitiv entwickeln, ist das Sensorium - wie andere Museen auch - weit davon entfernt, selbsttragend zu sein. Bislang hat die Stiftung Rüttihubelbad das Defizit ausgeglichen, durchschnittlich rund eine halbe Million Franken pro Jahr. «Langfristig kann die Stiftung das nicht mehr tragen», hält Stephan Hänsenberger, Stiftungsratspräsident ad interim, fest. Damit das Sensorium aber Subventionen erhält, muss sich nebst dem Kanton auch die Standortgemeinde engagieren (siehe Kasten). «Dass das für eine relativ kleine Gemeinde nicht einfach ist, kann ich absolut nachvollziehen.» Als «farbiges Dörfli» bezeichnet der Stiftungsratspräsident das Rüttihubelbad. Es beherbergt nicht nur das Sensorium, sondern auch ein Hotel und Restaurant, ein Alters- und Pflegeheim sowie verschiedene sozialtherapeutische Einrichtungen. Stephan Hänsenberger hat die Leitung des Stiftungsrats vor rund zwei Jahren übernommen, als die Stiftung Rüttihubelbad in wirtschaftlichen Problemen steckte. Wie präsentiert sich die Lage aktuell? «Wir befinden uns in einem fragilen Gleichgewicht», beschreibt Hänsenberger die Situation. In den nächsten Jahren würden bei den vielen Gebäuden auf dem Areal Sanierungen anstehen. «Wir haben sehr viel Fläche. Es gilt, diese sinnvoll zu nutzen, um den Betrieb finanzieren zu können», betont Hänsenberger. Werden neue Angebote dazukommen? «Im Bereich Wohnen mit Dienstleistungen besteht sicher Potenzial», nennt er ein Beispiel. Die einzelnen Betriebe der Stiftung würden zusammenhängen. So sei das Restaurant wichtig für die Arbeitsplätze der sozialtherapeutischen Gemeinschaft, erklärt Hänsenberger. «Und das Restaurant profitiert wiederum vom Sensorium.»


Die Ausstellung ist selbstgemacht

«Das Spezielle am Sensorium ist sicher, dass wir keine Wissens-, sondern Erfahrungsvermittlung betreiben», erklärt Stefan Ledergerber. Das Team des Museums entwickelt und baut sämtliche Stationen, die sich um Klänge, Farben, Schwingungen und Düfte drehen, selber. «Sie müssen sicher und robust sein. Wir sind ein Museum, bei dem Anfassen und Ausprobieren ausdrücklich erwünscht ist», erklärt der Leiter des Sensoriums, das seit gut 20 Jahren im Rüttihubelbad beheimatet ist. Ledergerber hat viele Ideen für die Zukunft. «Wir könnten regelmässig Sonderausstellung durchführen, Anlässe organisieren und zudem den Aussenraum besser nutzen.» Im Innern hat sich eine Familie an die metallenen Wasserklangschalen gesetzt und versucht, ihnen Klänge zu entlocken - ohne hörbaren Erfolg. Stefan Ledergerber gibt beim Vorbeigehen einen Tipp, damit sie erklingen. «Das gehört im Sensorium dazu», meint er. «Alle Besucherinnen und Besucher erhalten eine Einführung und werden auch in der Ausstellung betreut.»

Gemeinderat hofft auf Nachbargemeinden

«Wenn ich jeweils sage, dass ich von Walkringen bin», erklärt Gemeindepräsident Christof Aeschlimann, «höre ich oft: Dort ist doch das Sensorium.» Das Museum in der Stiftung Rüttihubelbad ist nicht nur weitherum bekannt - es ist auch einer der grössten Arbeitgeber der Region. Regional möchte der Gemeinderat Walkringen auch die Unterstützung für das Sensorium lösen: Damit das Museum als Kulturinstitution von regionaler Bedeutung gilt und Kantonsgelder bekommt, muss sich die Standortgemeinde (oder auch mehrere Gemeinden) beteiligen. Im Fall des Sensoriums sind das 48'000 Franken pro Jahr. Der Kanton würde 50'000 Franken beisteuern und die Regionalkonferenz Bern-Mittelland 12'000 Franken. «Wir haben mit den umliegenden Gemeinden Worb, Vechigen, Biglen Arni und Landiswil Kontakt aufgenommen und hoffen, dass sie sich an unseren Kosten beteiligen», sagt Aeschlimann. Erste Rückmeldungen seien positiv - die definitiven Entscheide aber noch aus-stehend. Bislang unterstützt Walkringen das Sensorium als Gönner mit jährlich 5000 Franken.

05.03.2026 :: Bruno Zürcher (zue)