Hier vereinigen sich Churzeneibach (links) und Hornbach zur Grüene - aktuell präsentiert sich die Lage friedlich. / Bild: Bruno Zürcher (zue)
Sumiswald: Nun liegt die neue Gefahrenkarte der Gemeinde auf. Weil generell mit heftigeren Ereignissen gerechnet wird, sind neue Flächen hinzugekommen - aber auch welche verschwunden.
Die Gemeinde Sumiswald ist weitläufig und wurde in den letzten Jahren nicht von Unwettern verschont. Das letzte grössere Ereignis datiert aus dem Jahr 2014. Damals liessen heftige Regenschauer den Hornbach derart anschwellen, dass talwärts an vielen Orten Schäden entstanden sind.
Wenige rote Gebiete
Auf der Gefahrenkarte sind aber nur ganz wenige Bereiche rot markiert, was auf eine erhebliche Gefährdung hinweist. Gemeinderat Niklaus Schütz muss auf der Karte eine ganz Weile suchen, bis er ein rot markiertes Gebäude findet. «Generell ist die Gefährdung in Wasen grösser, weil dort die Häuser im Talgrund stehen, wo auch der Hornbach und der Churzeneinbach durchfliessen.» Nach dem Zusammenfluss der beiden Bäche beginnt die Grüene. Diese fliesst dann Richtung Sumiswald. «Weil die Grüene dort neben dem Dorf durch geht, gibt es auch weniger gefährliche Bereiche.» Das Planungsbüro, das die Gefahrenkarte zusammengestellt hat, konnte die Gefährdung auf rund 12 Hektaren zurückstufen. So ist das Gebiet «Änermatte» nur noch gelb schraffiert, was einer geringen Gefährdung entspricht. Auf der letzten Gefahrenkarte aus dem Jahr 2009 war dort noch eine blaue Schraffierung zu sehen (mittlere Gefährdung). Es wurden aber auch neue Flächen mit einer mittleren oder erheblichen Gefährdung ausgeschieden. Beispielsweise ist nun das Areal des Bahnhofs gelb schraffiert. Auch andere kleine Gebiete wurden höher eingestuft. «Der Hauptgrund hierfür ist, dass mit heftigeren Ereignissen gerechnet werden muss», hält Niklaus Schütz fest. «Wenn bei den Berechnungen grössere Zahlen eingesetzt werden, wird logischerweise auch das Gebiet grösser, das bei einem Unwetter verwüstet werden könnte.» Doch die Massnahmen, welche seit dem Unwetter von 2014 ergriffen wurden, würden wirken, betont er. Dem pflichtet der Präsident der Schwellenkorporation Sumiswald, Alfred Schöni, bei. «Mit den Massnahmen, die wir nach dem Unwetter im Hornbach umgesetzt haben - beispielsweise die Rechen um das Schwemmholz zurückzuhalten - konnten wir vor allem das Dorf Wasen entlasten.» Neben rund 6,6 Kilometern Hauptgewässer kümmert sich die Schwellenkorporation auch um kleine Gräbli und Bäche. Diese sogenannten Nebengewässer sind zusammengezählt mehr als 200 Kilometer lang. «Die Seitenbäche werden immer wichtiger», sagt Schöni. «Wenn sich eines der berüchtigten Gewitter über dem Napf entlädt, können unscheinbare Gräbli zu reissenden Bächen werden.» Die Schwellenkorporation plane derzeit verschiedene Projekte. Schwerpunkte seien etwa der Churzeneibach, aber auch andere Gewässer, berichtet der Präsident.
Wie bauen im Gefahrenbereich?
Bei der Erarbeitung der Gefahrenkarte sind auch alle Bauzonen ge-prüft worden. Dabei musste der Gemeinderat laut den Unterlagen in keinem Fall eine Auszonung anordnen. Was bedeutet es aber für einen Liegenschaftsbesitzer, wenn seine Parzelle farbig markiert ist, also eine Gefahr besteht? «Bei einer geringen Gefährdung liegt die Verantwortung beim Grundeigentümer. Bei den höheren Gefährdungen muss bei einem Baugesuchsverfahren geprüft werden, ob ein Gefahrengutachten nötig ist», erklärt Hans Flückiger, Leiter Bau und Betrieb bei der Gemeinde Sumiswald. Falls ja, werde dann in diesem Gutachten ermittelt, was für Massnahmen für einen sicheren Bau nötig sind. «Das können ganz unterschiedliche Dinge sein; eine kleine Mauer oder ein Eingang an einer anderen Stelle», nennt er Beispiele.
Gemeindeversammlung entscheidet
Die Gefahrenkarte und der dazu gehörende Erläuterungsbericht liegt bis am 20. März öffentlich auf. Wie geht es dann weiter? «Wenn es Einsprachen gibt, müssen diese behandelt werden», erklärt Hans Flückiger. Dann wird der Gemeinderat das Papier genehmigen und an einer der nächsten Gemeindeversammlungen wird das Volk darüber befinden. Der Prozess zur neuen Gefahrenkarte ist lang. «Aber es ist sinnvoll, zu wissen, was passieren könnte. Dann kann man auch Vorkehrungen treffen», meint Gemeinderat Niklaus Schütz. Doch man könne nicht für jedes 300-jährige Hochwasser vollständig geschützt sein, betont er. «Wir hatten beispielsweise Glück, dass es 2014 nur in einem Teil des Einzugsgebiets des Hornbach heftig geregnet hat und nicht im ganzen Tal oder sogar auch noch im benachbarten Churzeneigraben - das hätte zu noch viel grösseren Wassermassen geführt.»