Insbesondere die EVP hat für diese Wahlen stark mobilisiert. Sie hat im Wahlkreis Emmental 45 Kandidierende; 2022 waren es 15. / Bild: Rudolf Burger (bur)
Kanton Bern: Am 29. März wird der neue Grosse Rat bestimmt. In den Wahlkreisen Emmental und Mittelland-Süd fällt auf, dass viele Bisherige erneut antreten.
Im Wahlkreis Emmental bewerben sich 236 Personen um eines der 15 Mandate - 140 Männer und 96 Frauen. Damit ist der Frauenanteil im Vergleich mit den Wahlen vor vier Jahren gestiegen: 2022 waren unter den 211 Kandidierenden nur 74 Frauen, was einem Anteil von 35,1 Prozent entsprach, jetzt liegt der Frauenanteil bei 40,7 Prozent.
Viel Personal bei der EVP
Wie der Vergleich der Grafiken für 2022 und 2026 zeigt, hat insbesondere die EVP viele Frauen zu einer Kandidatur animieren können. Überhaupt ist auffallend, wie stark diese doch eher kleine Partei - ihre Stimmenzahl reichte 2022 nur gerade für ein Mandat - für diese Wahlen mobilisiert hat: Auf nicht weniger als drei Listen präsentiert die EVP 45 Kandidierende. Das ist mehr als die beiden stärksten Parteien dieses Wahlkreises: Die SVP und die SP begnügen sich mit je zwei Listen. Insgesamt ist die Zahl der Listen mit 18 gleichgeblieben, neu bewerben sich auch die Listen «Tier im Fokus» und «Wir machen - für das Emmental» um Mandate. Nicht mehr dabei ist die Liste «Aufrecht Bern», und ihren Auftritt von je drei auf zwei Listen reduziert haben sowohl die SP (ohne Juso-Liste) wie auch die FDP (ohne Jungfreisinnige).
Nur ein Rücktritt
Entscheidend für die Wahlchancen ist für die Kandidierenden nebst dem Abschneiden der eigenen Partei immer auch die Frage, wie viele Bisherige noch einmal antreten. Im Wahlkreis Emmental sind es deren 14, lediglich bei der SVP-Liste «Oberes Emmental» hat eine Person, Alfred Bärtschi aus Lützelflüh, auf eine neuerliche Kandidatur verzichtet. Nur bei der EDU und der SVP kam es während der Legislatur auch zu Wechseln: Bei der EDU trat im Jahr 2024 Ernst Tanner aus Ranflüh nach zwölf Jahren im Grossrat zurück und machte Platz für die Sumiswalder Gemeinderätin Barbara Maurer. Bei der SVP verabschiedete sich im März 2025 nach 14 Jahren im Grossen Rat Markus Aebi aus Hellsau. Sein Nachfolger wurde der Gemeindepräsident von Affoltern, Roland Ryser.
Problematische Vorkumulation
Die vielen Bisherigen, die ihr Grossratsmandat behalten wollen, lassen die Wahlchancen für Neukandidierende schwinden. Erfahrungsgemäss werden in Proporzwahlen 90 Prozent und mehr der Bisherigen wiedergewählt. Im Fall der diesjährigen Grossratswahlen im Emmental kommt dazu, dass sowohl bei der Mitte als auch bei der SP die je zwei Bisherigen (Jürg Rothenbühler und Francesco Rappa bei der Mitte sowie Andrea Rüfenacht und Stefan Berger bei der SP) auf ihren Listen zweimal aufgeführt (in der Fachsprache: vorkumuliert) wurden. Das heisst: Falls es ihren Listen nicht gelingt, zusätzliche Mandate zu erobern, sind die Chancen der Neukandidierenden gleich null.