Damit es im Sommer blüht vor dem Haus

Damit es im Sommer blüht vor dem Haus
Routinierter Blick und flinke Hände: Vreni Gfeller begutachtet in ihrem Treibhaus noch kleine Geranien. / Bild: Bruno Zürcher (zue)
Blumiges 2026: Sie gehören für viele vor ein schmuckes Haus: Geranien. Gärtnerin Vreni Gfeller weiss genau wie sie vorgehen muss, damit die Blumen ab Frühsommer so richtig blühen.

Die angenehme Wärme im Treibhaus lässt man gerne auf sich wirken. Draussen nämlich fegt Schneeregen über den Hügelzug zwischen Sumiswald und Heimisbach, wo in der Steinweid die Gärtnerei Gfeller ist. Die rund 15 Grad Celsius behagen auch den Pflanzen, die in den Treibhäusern gedeihen. Da finden sich erste Salatpflänzchen, verschiedenste Sommerblumen und natürlich die Geranien, für welche die Gärtnerei Gfeller besonders bekannt ist.


Laura, Othello, Rosalinde

«Ich weiss gar nicht wie viele Sorten Geranien wir ziehen», meint Vreni Gfeller und lacht. «Aber 20 bis 30 verschiedene sind es sicher.» Auch dem Laien fällt auf, dass die noch kleinen Geranien Unterschiede aufweisen. Damit die Gärtnerin den Überblick behält, sind sie mit Fähnchen angeschrieben. Lina, Othello oder Rosalinde ist etwa zu lesen. «Rosalinde hat ganz grosse Blüten mit einem hellen Rosarot», weiss Vreni Gfeller zu berichten. «Lustig ist, wie diese Sorte vor vielen Jahren in unsere Gärtnerei kam: Es war eine falsche Lieferung. Wir haben dann aber trotzdem geschaut, was das für Geranien sind, und seither haben wir sie in unserem Sortiment.»

All die Geranienarten wollen individuell behandelt werden. Auffallend ist, dass sie sich unterschiedlich rasch entwickeln. «Das Ziel ist, dass alle gemeinsam ab Anfang Mai zu blühen beginnen», erklärt Vreni Gfeller. Sie weiss mit ihrer jahrzehntelangen Erfahrung genau, wann sie von welcher Geranie Stecklinge schneiden und einpflanzen muss. «Bei den ersten Sorten ist das bereits im August», beginnt sie zu erklären, «dann geht es bis Ende Jahr immer weiter. Bei den schnellsten reicht es, wenn man das im Februar macht.» Damit sie auch im kommenden Jahr wieder Stecklinge schneiden kann, wählt sie besonders schöne und kräftige Exemplare als Mutterpflanze aus.


«Die Arbeit macht mir Spass»

«Es ist einfach schön zu sehen, wie all die Pflanzen wachsen», beschreibt die Gärtnerin ihre Motivation, während sie ihren Blick durch das Treibhaus schweifen lässt. Da und dort greift sie ein Häfeli heraus und pinziert mit routiniertem Griff eine Geranie, das heisst, sie knipst einen Trieb ab, damit dort mehrere Blütentriebe wachsen. Eigentlich hätte sich Vreni Gfeller vor Kurzem zur Ruhe setzen können; sie erreichte das AHV-Alter. «Aber etwas muss man ja unternehmen und  die Arbeit macht mir Spass», bringt sie es auf den Punkt.

Bei der Gärtnerei Gfeller hatte sie einst die Lehre als Topfpflanzen- und Schnittblumengärtnerin absolviert – und lernte dabei den Junior der Gärtnerfamilie kennen. Gemeinsam führten sie den Betrieb, bis ihr Mann, Hansruedi, 2019 aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten musste. Seither führt sie die Gärtnerei alleine. «Ich habe drei tolle Aushilfen – Frauen, die zum Teil hier schon die Lehre gemacht haben – so können wir alle Arbeiten erledigen, auch wenn es manchmal schon viel zu tun gibt.» Aktuell ist es in der Gärtnerei noch ruhig und Vreni Gfeller braucht keine Unterstützung. Es sei ihr sicher auch noch nicht verleidet, weil sie ganz viele verschiedene Pflanzen kultiviere, aber nur in kleinen Mengen, berichtet Vreni Gfeller.


Von Heimisbach und Co.

«Wir haben auch rare Sorten wie die Geranie namens von Heimisbach oder die immergrüne Pflanze Himalaya Dickblatt. Wenn sich aber eine bestimmte Sorte nicht bewährt, nehme ich sie aus dem Sortiment – ich will den Pflanzenschutz auf das Minimum beschränken.»  Trotz viel Erfahrung und robusten Sorten gibt es viel zu tun. Bei eisigen Temperaturen stehe sie nachts einmal auf, um zu kontrollieren, ob die Heizung der Treibhäuser laufe. Tagsüber müssen etwa die Geranien, die nun wachsen, noch einmal umgetopft oder die Salat-Setzlinge für den Verkauf vorbereitet werden. Und dann gilt es noch dem Unkraut auf den Leib zu rücken. Dieses gibt man in der Gärtnerei Gfeller «gratis an Selbstpflücker ab», wie scherzhaft auf einem Schild zu lesen ist. Die Produkte verkauft Vreni Gfeller fast ausschliesslich direkt vom Betrieb. «Wir haben treue Kunden, die genau wissen, was sie wollen und bereit sind, dafür den entsprechenden Preis zu zahlen», sagt sie. Aber die Konkurrenz von Discountern, welche ihre Pflanzen grösstenteils importierten, spüre sie natürlich schon. «Das ist halt so», meint Vreni Gfeller. «Auch sonst hat sich vieles geändert. Beispielsweise haben wir früher sicher 150 Weihnachtssterne gezogen und verkauft – heute sind andere Blumen in Mode. Die Geranien aber, die überdauern die Zeit.»

05.02.2026 :: Bruno Zürcher (zue)