Hoffnung aufs Internet und den guten Ruf

Hoffnung aufs Internet und den guten Ruf
Wie können Arbeitskräfte in der Holzbranche gefördert werden? / Bild: zvg
Langnau: Am Brünig Forum «Wald Holz Wirtschaft» ging es auch um Fachkräftemangel und Nachwuchsförderung. Vorgestellt wurden Studien und eine interaktive Berufswahlplattform.

Was muss getan werden, damit es in der Holzbranche genügend Arbeitskräfte gibt? Das war eines der Themen, die am Brünig Forum in der Arena der SCL Tigers in Langnau vorgetragen wurden. «Der Fachkräftemangel ist schon lange Realität», sagte Daniel Landolt von der Firma Interface. Er präsentierte die Resultate einer Studie seines Unternehmens zum Bereich Wald, die auf der Befragung von neun Experten beruht. Gemäss der Studie arbeiten in der Forstwirtschaft etwa 6400 Menschen, pro Jahr werden rund 300 Forstwarte und 30 Förster ausgebildet. Die Auswertung zeigte, dass genügend Per­sonen eine Forstwartausbildung machen, viele Berufsleute jedoch mit zunehmendem Alter abwandern. Eine Befragung von 33 Forstwarten ergab zudem, dass die Anstellungsbedingungen und damit verbundenen relativ tiefen Löhne ein Problem sind, aber auch Monotonie des Arbeitsalltags und fehlende Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten.


Was tun gegen Fachkräftemangel?

Landolt stellte eine ganze Palette von Massnahmen vor, um dem Fachkräftemangel zu begegnen: Höhere Löhne, mehr Abwechslung im Alltag, höhere Arbeitssicherheit, flexible Arbeitszeitmodelle, Älterwerden besser planen, Teamgeist und gutes Arbeitsklima fördern, Aus- und Weiterbildung stärken. «Kleine Firmen», erklärte der Referent, «sollten vermehrt zusammenarbeiten und sich vielleicht auch zusammenschliessen.» Und sehr wichtig sei auch die Führungsarbeit.

Grosse Chancen für die Rekrutierung kann das Internet bieten. Das wurde aus der Präsentation von Michael Raaflaub deutlich, dem Mitbegründer von «Lehrberufe Live!», der ersten interaktiven Berufswahlplattform der Schweiz. «Berufsbildung muss sichtbar gemacht werden», sagte Raaflaub und demonstrierte dem staunenden Publikum, wie man auf der Webseite einem Forstwart beim Fällen einer Tanne zuschauen kann. Viermal pro Jahr sendet «Lehrberufe Live!» in Deutschschweizer Klassenzimmer und macht es so möglich, dass Schülerinnen und Schüler einem den Lernenden und Verantwortlichen des Lehrbetriebs per Chat Fragen stellen können.

Immer noch, sagte Raaflaub, machten zwei Drittel der Jugendlichen eine Berufslehre. Allerdings seien es früher drei Viertel gewesen, heute aber sei der schulische Weg via Gymnasium im Trend. Und rund ein Viertel der Lehrverträge würden vorzeitig aufgelöst.


«Handwerk hat einen guten Ruf»

Wie sieht es mit der Rekrutierung des Nachwuchses in der Praxis eines grossen Betriebs im Emmental aus? Die für das Lehrlingswesen zuständigen Mitarbeitenden der Holzbaufirma Kühni in Ramsei, Karin Gerber, Corinne Kühni und Karin Niklaus, gaben auf Anfrage Auskunft.

Zurzeit werden bei Kühni 39 Lernende ausgebildet, unter anderem als Zimmermann, Holzbearbeiter, Schreiner, Zeichner Architektur sowie als Kauffrau und Kaufmann. Rekrutiert wurden sie durch das Angebot von Schnuppereinsätzen, durch die Lehrstellenbörse Langnau, den Berufsinfo­tag BIT und den Zukunftstag. Auch die oben vorgestellte interaktive Berufsplattform «Lehrberufe Live!» sei schon mehrmals benutzt worden, sagten die Mitarbeitenden von Kühni. Um die handwerklichen Lehrstellen zu besetzen, brauche es etwas mehr Aufwand als für die KV- und Zeichner-Stellen, aber grundsätzlich sei es im Emmental einfacher, Lernende zu finden als anderswo.

Auch bei Kühni breche «im Maximum etwa alle zwei Jahre» eine Person eine Lehre ab, jedoch blieben 90 Prozent der Personen nach Abschluss der Lehre in der Firma, so Gerber, Kühni und Niklaus. Ein besonderes Problem bei der Sparte Zimmermann sei es, dass die in der Grundschule vermittelten mathematischen Kenntnisse nicht ausreichten. Dennoch ist das Fazit bei der Holzbaufirma Kühni positiv: «Handwerk hat im Emmental einen guten Ruf und einen gewissen Stellenwert.»

05.02.2026 :: Rudolf Burger (bur)