Sie engagierte sich bis ins hohe Alter: Elisabeth Neuenschwander (rechts) in Kabul mit Frauen, die den Umgang mit Handnähmaschinen lernen. / Bild: zvg
Schangnau: Elisabeth Neuenschwander setzte sich ihr Leben lang für Menschen in Krisengebieten ein. Im Dezember ist sie verstorben. Die Gemeinde würdigt sie mit einem Ehrengrab.
Am 24. Dezember ist Elisabeth Neuenschwander im Alter von 96 Jahren in einem Alterszentrum in Herzogenbuchsee verstorben. Ihre letzte Ruhe fand sie auf dem Friedhof in Schangnau – ihrem Geburtsort, den sie früh verlassen hatte.
1948 brach sie als 19-Jährige zu einem Ausbildungs- und Weiterbildungsjahr nach Dänemark auf. Als Damenschneiderin habe sie wohl damals zu den ersten Schangnauerinnen gehört, die einen Berufsabschluss erreichten, heisst es im Lebenslauf, den ihre Nichte Bettina Neuenschwander für die Trauerfeier verfasst hat. Neugierig, zielstrebig und lernbegierig habe sie die Welt kennenlernen wollen. «Es war der Anfang eines langen Weges, weit entfernt von Schangnau. Dass sie einst als Ehrenbürgerin zurückkäme, ahnte sie nicht.»
Einsätze in Krisengebieten
Das weitere Leben von Elisabeth Neuenschwander war geprägt von humanitären Einsätzen in Krisengebieten. Als Volontärin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) arbeitete sie zunächst in Jordanien, Griechenland, Belgien, Algerien und Thailand. Dabei habe sie sich stets mit grosser Kreativität eingesetzt, «aus dem Bedürfnis heraus, anderen zu helfen und Not zu lindern».
Spätere Einsätze führten sie unter anderem nach Nepal und Indien. Wichtig sei Elisabeth Neuenschwander stets gewesen, dass die Menschen vor Ort arbeiten und einen bescheidenen Lohn verdienen konnten – Hilfe zur Selbsthilfe. In Nepal baute sie gemeinsam mit tibetanischen Flüchtlingen Teppichknüpfzentren auf. Ähnliche Projekte realisierte sie später in Pakistan und Afghanistan. Sie gründete Nähzentren, in denen Frauen ausgebildet wurden. Am Ende ihrer Ausbildung erhielten sie eine handbetriebene Nähmaschine, um als Näherinnen arbeiten zu können.
Nach ihrer Pensionierung fand sich laut ihrer Nichte niemand, der ihr Projekt im kriegsgezeichneten Afghanistan weiterzuführen wollte. Elisabeth Neuenschwander entschied sich deshalb, nach all den Jahren im Dienste von Hilfsorganisationen ein eigenes Hilfswerk zu gründen. Bis zu ihrem Lebensende setzte sie sich dafür ein. Das Hilfswerk betreibt in Afghanistan und Pakistan Nähkurse, Schulen und ein Frauenzentrum und wird auch nach Neuenschwanders Tod von einer Stiftung weitergeführt.
Ehrengrab für die Ehrenbürgerin
Für ihr lebenslanges Engagement wurde Elisabeth Neuenschwander mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem erhielt sie 2006 den Menschenrechtspreis, der zuvor auch dem Dalai Lama verliehen worden war. 2011 ernannte sie die Gemeinde Schangnau zur Ehrenbürgerin.
Um ihr Lebenswerk dauerhaft zu würdigen, hat die Gemeinde Schangnau nun beschlossen, Elisabeth Neuenschwander ein Ehrengrab zu widmen. Derzeit befinde sich an dem vorgesehenen Ehrenplatz ein schlichtes Holzkreuz auf dem Urnengrab, wie es auf dem Friedhof in Schangnau üblich sei, erklärt Gemeindepräsident Stefan Gfeller. Die endgültige Gestaltung des Ehrengrabes solle bis Ende Sommer 2026 abgeschlossen sein. Das Grab werde anschliessend dauerhaft auf dem Friedhof erhalten bleiben. «So werden auch zukünftige Generationen an die grossartige Geschichte von Elisabeth Neuenschwander erinnert», so Stefan Gfeller.