Mit Riesenaufwand zur Olympia-Medaille?

Mit Riesenaufwand zur Olympia-Medaille?
Für Saskia Maurer sei es «immer eine Ehre, die Schweiz zu vertreten». / Bild: Freshfocus
Eishockey: Morgen Freitag startet Saskia Maurer mit der Schweiz ins Olympia-Turnier. Damit der Medaillentraum in Erfüllung geht, trainiert die Röthenbacherin enorm viel.

Bereits einen Tag vor der offiziellen Eröffnung beginnt das olympische Hockeyturnier der Frauen. Die Schweiz bestreitet am Freitag ihr erstes Gruppenspiel. Der Gegner heisst Tschechien. Ob sie dabei im Tor stehen wird, weiss Saskia Maurer noch nicht, als sie sich kurz vor der Abreise Zeit für ein Gespräch nimmt. Nebst der Torhüterin des SC Bern stehen Andrea Brändli (Frölunda/SWE) und Monja Wagner (Union College/USA) im Aufgebot. Was die 24-Jährige aus Röthenbach aber weiss: «Die Tschechinnen sind sehr stark.» Noch besser sind die beiden nächsten Gegner, Kanada und die USA. «Das sind die besten Teams. Unschlagbar sind sie nicht, aber es wird schwer», so Maurers Einschätzung. Zum Abschluss der Gruppenphase wartet dann Finnland. Das Gute für die Schweiz: Alle fünf Teams ihrer Gruppe A - also die fünf Weltbesten - stehen sowieso direkt im Viertelfinal, zusammen mit den drei besten aus der Gruppe B. Der Vorrunde kommt also nicht die grösste Bedeutung zu. «Es geht darum, ein gutes Gefühl zu holen und sich die bestmögliche Ausgangslage zu verschaffen», sagt Saskia Maurer. «Unser Ziel ist es, um eine Medaille zu spielen. Gewinnen wir den Viertelfinal, so haben wir zwei Chancen dafür.»


Mit dem SCB direkt im Halbfinal

Saskia Maurers Programm war in den letzten Tagen eng getaktet. Am letzten Januarwochenende standen für die Frauen des SC Bern die beiden letzten Spiele der Qualifikation an. Maurer stand am Samstag beim 3:2-Sieg gegen Neuchâtel im Tor. Am Tag darauf wurde sie nicht mehr eingesetzt, das Spiel hatte aber auch keinen Einfluss mehr auf die Tabelle. Mit dem Sieg am Samstag sicherte sich der SC Bern Rang 2 in der Qualifikation und steht damit bereits im Playoff-Halbfinal. «Die Saison war bisher wechselhaft», bilanziert Saskia Maurer. «Wir hatten sehr gute Spiele, aber auch weniger gute, wie bei der hohen Niederlage gegen Zug.» Man merke wohl, dass der Druck etwas grösser sei, weil es den Meistertitel zu ver­teidigen gelte. «Es ist gut, haben wir dennoch direkt den Halbfinal erreicht.» Nun gilt es für die SCB-Spielerinnen auch in der sechswöchigen Meisterschaftspause den Fokus hochzuhalten. Der Fokus von Saskia Maurer und vier weiteren Spielerinnen des SCB richtet sich nun voll und ganz auf die Olympischen Spiele. Schon einen Tag nach dem letzten Meisterschaftsspiel fand der Kickoff-Event statt - das Nationalteam erhielt eine Führung durch das Bundeshaus. Im Trainingscamp in Wollerau holten sich die 23 Frauen den letzten Schliff, unter anderem mit einem Testspiel gegen Schweden, bevor sie nach Mailand reisten.


Neue Erfahrung in Mailand

Saskia Maurer verfügt bereits über Olympia-Erfahrung. Sie war vor vier Jahren in Peking mit dabei, als die Schweiz Platz 4 belegte. «Wegen Corona waren das aber keine ‹richtigen› Spiele», sagt sie. «Deshalb wird es eine neue Erfahrung, auf die ich mich sehr freue.» Das Team sei sich bewusst, dass ein solcher Grossanlass die Gefahr berge, den Fokus auf den eigenen Wettkampf etwas zu verlieren. «Wir haben in speziellen Meetings besprochen, wie wir uns verhalten wollen.» Aber sie freue sich, auch andere Wettkämpfe zu verfolgen. «Besonders im Männer-Turnier kann man die absolut besten Spieler der Welt vor Ort sehen. Das ist einmalig.» Auch die Familie sowie viele Freunde und Bekannte werden in Mailand vor Ort sein. «Ausser mein Bruder, er kann leider nicht dabei sein, da sein Team weiterspielt.» Der Bruder, das ist Silvano Maurer. Und sein Team ist die U21-Elit der SCL Young Tigers, die er als Captain anführt. Zudem kam er diese Saison schon dreimal bei Hockey Huttwil in der MyHockey League zum Einsatz.


Training auch mit den Männern

Auch das Talent von Saskia Maurer war früh erkennbar. Und schon immer verfolgte sie ihre Ziele konsequent. Die Röthenbacherin begann ihre Karriere beim HC Huskys. Bei Thun reifte sie zur Stamm- und Na­tionalspielerin. Zwei Jahre spielte sie dann in Nordamerika, ehe sie 2023 in die Schweiz zurückkehrte und sich den SCB-Frauen anschloss. Für ihr Alter von 24 Jahren verfügt sie über enorm viel Erfahrung. Was will sie in ihrer Karriere noch erreichen? «Ich will an einem grossen Turnier - WM oder Olympia - eine Medaille gewinnen», antwortet sie nach kurzer Überlegung. «Und es wäre schön, den Sport zumindest als eine Art Halbprofi ausüben zu können.» Das ist ihr derzeit nicht vergönnt, obwohl sie extrem viel investiert, um ihre Ziele zu erreichen. Aktuell wohnt sie - genau wie ihr Bruder - wieder zuhause bei den Eltern. Von Röthenbach aus pendelt sie nach Bern, wo sie einem Bürojob im 70-Prozent-Pensum nachgeht. Daneben absolviert sie im Schnitt meist zwei Trainingseinheiten pro Tag - mit den Frauen, mit der U21-Elit der Männer, oder individuell mit dem Goalietrainer. Besonders von den Trainings mit den Jungs profitiere sie enorm, sagt Maurer. «Es ist aber schon an der Grenze. Mehr zu trainieren geht aktuell nicht mehr», gesteht sie mit einem Lachen. Freizeit bleibt da wenig. Hat sie dennoch welche, verbringe sie gerne Zeit mit Freunden oder Teamkolleginnen. Zudem übe sie sich seit letztem Sommer im Tennisspielen. Ob ihr Wunsch, als Halbprofi spielen zu können, dereinst in Erfüllung gehe, hänge auch stark vom Zuschauerinteresse und der Entwicklung des Sports ab, sagt Saskia Maurer. Ein erfolgreiches Olympia-Turnier wäre beste Werbung für das Schweizer Frauen-Eishockey.

Spiele der Frauen-Nati

  • 6.2., 14.40 Uhr vs Tschechien
  • 7.2., 21.10 Uhr vs Kanada
  • 9.2., 20.40 Uhr vs USA
  • 10.2., 21.10 Uhr vs Finnland

Die K.O.-Spiele starten ab dem 13. Februar. SRF überträgt alle Schweizer Partien live.

05.02.2026 :: Micha Strohl (msz)